Aachen: Grünflächen statt Betonwüsten: Die Baumschützer von Aachen

Aachen : Grünflächen statt Betonwüsten: Die Baumschützer von Aachen

Dass Hans Falk jeden Baum in Aachen kennen würde, wäre eine übertriebene Behauptung. Das ist auch gar nicht sein Ziel. Dem Aachener geht es vielmehr um den Erhalt von Bäumen. Und so ist der Mitbegründer des „Aachener Baumschutzbündnisses“ gemeinsam mit seinen Mitstreitern unermüdlich im Einsatz - und räumt gleich mit einem Missverständnis auf.

„Wir pflanzen keine Bäume. Solche Aktionen bauen ja bereits darauf auf, dass vorher etwas zerstört wurde. Wir setzen uns dafür ein, dass es gar nicht erst so weit kommt“, erklärt Falk.

Der „Tag des Baumes“ am Mittwoch ist für ihn ein guter Anlass, erneut auf Missstände aufmerksam zu machen, die auch in Aachen seiner Meinung nach nicht zu leugnen sind. „Tagtäglich müssen Grünflächen Betonwüsten weichen. Neue Flächen werden nicht geschaffen. Das ist eine Verschlechterung, bei der Lebensqualität verloren geht“, so Falk.

2012 wurde das Aachener Baumschutzbündnis anlässlich der Planungen des sogenannten Shared Space auf dem Templergraben und den damit verbundenen Fällungen etlicher Platanen vor Ort gegründet. Damals waren über 100 Mitglieder in der Initiative aktiv, die sich insbesondere aus Anwohnern des betroffenen Bereichs rekrutierten. Nachdem die Fällungen trotz massiver Proteste durchgeführt wurden, ist die Initiative stark geschrumpft. Übriggeblieben sind zwölf Mitglieder, die sich nun mit Missständen im gesamten Stadtgebiet auseinandersetzen.

Infostände und Flugblätter

Falk betont jedoch, dass die kleine Mitgliederzahl in vielen Fällen kaum ausreicht, um als Protestbewegung in Erscheinung zu treten, außerdem seien Menschen heute generell schwer davon zu überzeugen, „auf die Straße zu gehen“. Zudem sind kaum jüngere Menschen im Aachener Baumschutzbündnis anzutreffen. Dennoch gibt die Initiative nicht auf.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten setzt sie sich weiterhin für den Baumbestand in Aachen ein — und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise, so klärt sie an Infoständen oder über Flugblätter auf oder bietet spezifische Baumführungen an, um für das Thema zu sensibilisieren. Die eine oder andere Protestaktion wurde auch geplant, zum Beispiel im Rahmen der Fällmaßnahmen nahe Preuswald an der Lütticher Straße.

„Keine Frage, wir sind eine unbequeme Organisation und weisen auf Missstände hin. Unsere Aktivität besteht in erster Linie darin, mit Betreibern und Politikern zu reden oder auch schon mal Leserbriefe zu schreiben“, so Falk. Aktuelle Bauvorhaben wie die Windparkanlage Münsterwald oder die Umbauten am Klinikum, bei denen deutlich mehr Baumfällungen geplant sind als ursprünglich vorgegeben, bereiten der Initiative große Bauchschmerzen.

„Wir stellen oft fest, dass Ökologie ganz unten auf der Liste steht, wenn es um Bauvorhaben geht. Hier muss auch die Politik sensibler werden und nicht zu jedem Bauprojekt Ja sagen“, so Falk. Eine positive Entwicklung kann er trotzdem benennen: Zum Stadtbetrieb konnte in den vergangenen Jahren ein gewisses Vertrauensverhältnis aufgebaut werden: „Wie sehen zum Beispiel eine Verbesserung bei der Baumpflege.“

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