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Aachen: Grünes Licht für weitere 30er-Zonen vor Schulen, Kitas und Seniorenheimen

Aachen : Grünes Licht für weitere 30er-Zonen vor Schulen, Kitas und Seniorenheimen

Fuß aufs Bremspedal! Die Losung soll künftig etappenweise auch für etliche Straßen im Stadtgebiet gelten, auf denen im Allgemeinen Tempo 50 möglich ist, weil sie als wichtige Blechadern gelten oder einen Status als Landes- oder Bundesstraße haben. Der Mobilitätsausschuss des Rates ist am Donnerstagabend den Empfehlungen der Verwaltung zur Einrichtung von 30er-Zonen über jeweils maximal 300 Meter vor besonders gefährdeten Kitas, Schulen oder Seniorenheimen gefolgt.

Eine neue Verordnung macht‘s möglich. Allein: Konfliktpotenzial birgt die Vorschlagsliste, die nun von der Politik einhellig abgesegnet worden ist, allemal.

Elf Häuser auf der Liste

Während nämlich elf Einrichtungen nun damit rechnen können, dass die Blechgeschwindigkeiten vor ihren Haustüren in Kürze entsprechend reduziert werden, müssen andere sich weiter mit dem Status quo — Tempo 50 eben — arrangieren. Immerhin gibt es in Aachen derzeit im Ganzen noch 37 Schulen oder Kitas, die nicht in 30er-Zonen liegen.

Ändern soll sich das nun auf der Lütticher Straße vor dem Couven-Gymnasium, auf der Eupener Straße vor dem Pius-Gymnasium, der Robert-Schuman-Straße vor dem Einhard-Gymnasium, der Kurbrunnenstraße vor der Amos-Comenius-Schule sowie in folgenden weiteren Bereichen: Alexianergraben am Alexianer-Krankenhaus, Franzstraße am Seniorenheim Haus Anna, ferner an den Kitas in der Goerdelerstraße, Kaubendenstraße, Lothringer Straße, Pascalstraße und in der Stolberger Straße.

Der Ausschuss empfahl zudem zu prüfen, ob auch die Kita Mirabilis der Lebenshilfe an der Lintertstraße in die „Rote Liste“ aufgenommen werden sollte. Neben entsprechender Tempo-30-Beschilderung sollen an den genannten Standorten nun auch explizite Hinweise auf besondere Gefährdung von Kindern oder Senioren erfolgen, beschlossen die Fraktionen. Dies erhöhe erfahrungsgemäß die Akzeptanz seitens der Blechpiloten.

Bauchschmerzen bei der Aseag

Dass zahlreiche weitere Häuser bei den Vorabuntersuchungen der Verwaltung quasi durchs Raster gefallen sind, weil aus deren Sicht dort kein Handlungsbedarf zu erkennen sei, sorgt freilich auch für Unmut. In Brand etwa ist Protest bereits programmiert: „Wir kämpfen seit Jahren dafür, dass das Tempo auch im Bereich vor unserem Haus gedrosselt wird“, sagt Nadine Frings, Mitglied im Elternrat der Kita Regenbogen an der Freunder Landstraße. Auch dort hatte die Verwaltung keine besondere Gefahrenlage erkennen können.

Die Kita liege nicht direkt an der viel frequentierten Fahrbahn, sondern in einer kleinen Stichstraße. Eltern ließen ihre Sprösslinge in aller Regel auf dem Parkplatz eines gegenüberliegenden Supermarktes aussteigen und passierten die Freunder Landstraße sicher per Zebrastreifen, so die Argumentation. Mehrere Tempo-Erhebungen hätten zudem ergeben, dass dort im Ganzen durchaus „moderate“ Geschwindigkeiten gefahren würden.

Frings und ihre Mitstreiter ficht das nicht an: „Selbst wenn hier rund 90 Prozent der Autofahrer den Fuß vom Pedal nehmen, heißt das ja, dass die übrigen zehn das eben nicht tun“, sagt sie der AZ am Freitag. „Wir wollen jetzt Unterschriften sammeln und bei der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung am 21. März gemeinsam dafür plädieren, dass zumindest in den Stoßzeiten auch vor unserer Tür Tempo 30 gelten soll.“

Kritische Stimmen wurden in der Ausschusssitzung unterdessen auch aus gänzlich anderer Perspektive laut. Hermann Paetz, Center-Leiter bei der Aseag, bekräftigte nochmals, dass die Rote Flotte durch die neuen Regelungen weiter ausgebremst werde: Auch wenn es nur um punktuelle Maßnahmen gehe, führten diese doch zu weiteren Verzögerungen — und entsprechendem Ärger bei den Passagieren. Vor allem CDU, SPD und FDP äußerten zwar Verständnis. In jedem Fall jedoch müsse der Sicherheit von Fußgängern Vorfahrt gewährt werden.