Aachen: Grünen geht‘s bei Bussen nicht schnell genug

Aachen : Grünen geht‘s bei Bussen nicht schnell genug

Damit in Aachen ab 2015 mehr Linienbusse die schärferen Grenzwerte der Abgasnorm Euro 5 einhalten, wollen die Grünen das 20-Millionen-Defizit der Aseag noch weiter ins Minus lenken.

Da Fahrpreiserhöhungen zur Anschaffung moderner und damit emissionsarmer Busse kaum durchsetzbar sind, würde dies den Haushalt der Stadt nach Schätzung des grünen Ratsherrn Roland Jahn um mindestens eine weitere Million Euro belasten. Ein neuer Rats-antrag der Grünen sieht vor, dass sämtliche Aseag-Busse und ebenso die Fahrzeuge der Subunternehmer schon ab dem kommenden Jahr den Euro-5-Emissionsgrenzen entsprechen müssen.

„Bei Autos nicht viel zu holen“

Zwar sei es der Stadt zwischen 2009 und 2013 mit Hilfe ihres Luftreinhalteplans gelungen, die Schadstoffbelastungen aus Industrie, Haushalten und Verkehr in Aachen zu verringern, erläuterte Sabine Göddenhenrich am Donnerstag. Und dies, ohne das in anderen Städten verwendete Mittel der Umweltzone einzusetzen. Aber: „Das reicht einfach nicht.“ Die grüne Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz und der grüne Vorsitzende des Mobilitätsausschusses haben die Busse ins Visier genommen, „weil bei den Autos nicht mehr viel zu holen ist“, wie Jahn einräumt.

Will heißen: Laut offizieller Statistik zum hiesigen Kfz-Bestand erfüllen nämlich 94 Prozent der Pkw die Grenzwerte der Schadstoffgruppe 4 und dürften damit mit grüner Plakette auch in Umweltzonen fahren. Bei leichten Lkw ist dieser „saubere“ Fahrzeuganteil in den vergangenen sechs Jahren von 22 auf 72 Prozent gestiegen, bei schweren Lkw von 19 auf 66 Prozent. „Bloß die Busse hängen hinterher“, sagt Jahn. Seit 2008 sei der Anteil der emissionsarmen Busse nur von 7 auf etwa 50 Prozent gewachsen.

Doch bei der Aseag entsprechen schon mehr als die Hälfte der rund 210 Fahrzeuge den verschärften Abgasnormen. „Allerdings wird ein erheblicher Anteil der Verkehrsleistungen der Aseag — knapp 40 Prozent — durch Subunternehmer erfüllt, deren Busse häufig diese Umweltstandards nicht erfüllen“, kritisieren die Grünen in ihrem Antrag.

Um die hohen Umweltstandards zu erfüllen, müssten die Subunternehmer also ihre Flotten modernisieren — und stattliche Summen investieren. Dies würde zwangsläufig dazu führen, dass die Verkehrsverträge zwischen Aseag und Subunternehmen künftig zu deutlich höheren Tarifen abgeschlossen werden. Im Klartext: Die eingekauften Busfahrten werden teurer, wodurch das finanzielle Defizit der Aseag weiter wächst. Die Grünen befürworten, die Ausschreibungen für diese „Verkehrsleistungen“ trotzdem gemäß der höchstmöglichen Schadstoffreduzierung anzupassen.

Der ursprüngliche Plan der Aseag sah vor, die schärferen Schadstoffgrenzen bis 2018 bei 85 Prozent der Flotte einzuhalten — wobei bis dahin sämtliche Busse mit Rußpartikelfiltern ausgestattet sein sollten. Derzeit sind dies etwa 80 Prozent.

Elektroantrieb in ferner Zukunft

Den Grünen geht das alles nicht schnell genug. „Für reine Luft muss man mehr Geld in die Hand nehmen“, sagt Göddenhenrich. Zumal die rote Flotte, deren Kunden jährlich 60 Millionen Fahrten absolvieren, frühestens in zehn Jahren auf Elektroantrieb umgestellt werden könne. „Die Batterieleistung reicht noch nicht, die Technik ist einfach noch nicht so weit“, stellt Jahn fest.

Darum wird weiter gedieselt — aber eben nach dem Willen der Grünen möglichst schadstoffarm. Die Antwort auf die Frage, wo die Millionen-Mehrkosten im klammen Aachener Haushaltsbudget eingespart werden sollen, bleibt die Partei allerdings schuldig.