Aachen: Grüne wollen Optionen fürs Kurhaus in Ruhe prüfen

Aachen : Grüne wollen Optionen fürs Kurhaus in Ruhe prüfen

Beim Blick auf eine der prominentesten städtischen Immobilien kann von Entspannung und „Wellness“ dieser Tage wahrlich keine Rede sein — vor allem in politischen Kreisen sorgt das „Projekt Neues Kurhaus“ bekanntlich in erster Linie für heftiges Bauchgrimmen.

Angesichts der enormen Sanierungskosten für den exponierten Prachtbau im Stadtpark — mindestens 40 Millionen Euro müssten zur Herrichtung aufgebracht werden — warnen die Grünen jetzt mit Nachdruck vor überhasteten Entscheidungen.

„Für uns ist es nicht nachvollziehbar, dass die SPD so kategorisch dafür plädiert, das Kurhaus vor allem für Eurogress-Veranstaltungen zu reservieren“, sagen die Grünen-Ratsleute Aida Beslagic und Hermann Josef Pilgram. Dass das Tagungszentrum nebenan seit Jahr und Tag dringend weitere Kapazitäten benötige, liege zwar auf der Hand.

Nicht von ungefähr sei erst Ende vergangenen Jahres ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, um neue Möglichkeiten zur Erweiterung des Angebots vor Ort zu prüfen. „Wir sollten abwarten, zu welchen Ergebnissen die Studie kommt, bevor wir irgendwelche Beschlüsse übers Knie brechen“, meint Beslagic, die auch dem Ratsausschuss für den Eigenbetrieb angehört.

Klar sei jedenfalls, dass die Kapazitäten im neoklassizistischen Prachtbau den Bedarf in Sachen Veranstaltungsmanagement ohnedies nicht decken könnten. „Das Kurhaus böte allenfalls Platz für rund 460 Personen. Wir wissen aber längst, dass ein Angebot für mindestens rund 1000 geschaffen werden müsste“, gibt Beslagic zu bedenken. Inzwischen sei zudem mehr als fraglich, ob potenzielle Kandidaten wie Explorado oder das Spielcasino als „Ankermieter“ überhaupt noch im Rennen seien.

Unterdessen sei der planerische Knoten im Hinblick aufs Großprojekt Campus West gerade erst durchschlagen worden, unterstreicht Pilgram. Dort eröffne sich jetzt die Chance, eine Multifunktionshalle, die Aachen unbedingt brauche, mittelfristig zu realisieren.

„Auch unser gemeinsam mit den Piraten ins Gespräch gebrachter Vorschlag, das Gebäude oder Teile davon einem privaten Investor zur Verfügung zu stellen, sollte jetzt in Ruhe geprüft werden“, fordert Pilgram. Wenn es gelinge, potente Geldgeber ins Boot zu holen, könnten die horrenden Summen, die zur Sanierung des Hauses fällig wären, naturgemäß reduziert werden. Zumal das größte, weil langfristige Finanzierungsproblem durch die laufenden Unterhaltungskosten auf die Stadt zukomme, betont Beslagic.

Kurzum: Es gebe jetzt keinen Anlass, „auf Teufel komm raus“ zu entscheiden. Immerhin habe die Verwaltung der Politik jüngst nicht weniger als fünf Varianten zur künftigen Nutzung des Neuen Kurhauses unterbreitet. Pilgram: „Es wäre fatal, wenn jetzt überstürzte Entscheidungen gefällt würden. Und es gibt auch gar keinen Anlass dazu.“

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