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In städtischen Gebäuden: Grüne fordern schnellen Abschied von Gasheizungen

In städtischen Gebäuden : Grüne fordern schnellen Abschied von Gasheizungen

Die Stadt Aachen soll ihre Gebäude schnellstmöglich auf erneuerbare Heizungen umstellen, fordern die Grünen. Ein Großteil der CO2-Emissionen fällt im Wärmesektor an.

Die Grünen wollen die Stadt Aachen beim Umstieg auf klimafreundliche Heizungen stärker in die Pflicht nehmen. Sie wollen daher die Verwaltung auffordern, sämtliche öffentliche Gebäude so schnell wie möglich auf Wärmepumpen, Geothermie oder Fernwärme umzustellen und Gasheizungen vom Netz zu nehmen. Bei Neu- oder Umbauten sollen grundsätzlich keine fossil betriebenen Heizungen mehr installiert werden.

Die Wärmeplanung in der Stadt laufe bislang noch weitgehend „unter dem Radar“, beklagt die umweltpolitische Sprecherin Julia Brinner, die den Antrag maßgeblich mitformuliert hat. Sie betont, dass 42 Prozent der klimaschädlichen CO2-Emissionen in Aachen im Wärmesektor anfallen – weit mehr als im Verkehrsbereich. Der Großteil wird von den Gas- und Ölheizungen ausgestoßen, die auch in den privaten Haushalten weit verbreitet sind.

Um das selbstgesetzte Ziel zu erreichen, Aachen bis 2030 klimaneutral zu machen, müssten die CO2-Emissionen gerade auch im Wärmesektor drastisch reduziert werden. Brinner sieht die Stadt dabei in einer Vorbildfunktion, ihre Gebäude energetisch zu sanieren und mit moderner Technologie auszustatten. Dies gelte auch für langfristig angemietete Gebäude. In solchen Fällen sollte die Stadt auf die jeweiligen Vermieter einwirken, um auf erneuerbare Energien umzurüsten.

„Wir setzen uns zwar Ziele“, sagt Brinner, „aber wenn es um die konkrete Umsetzung geht, passiert zu wenig.“ Der nun geforderte Umstieg hätte eigentlich schon vor zwölf Jahren eingeleitet werden müssen, zeigt sie sich ungeduldig. Die Wärmewende sei jetzt „das dickste Brett“, das gebohrt werden müsse, sagt sie. Dabei würden Schulen, Kitas, Bibliotheken oder Verwaltungsgebäude noch „zu wenig mitgedacht“. Denkbar sei es aus ihrer Sicht etwa, eine Schule mit Geothermie zu beheizen. Die gewonnene Energie könnte dann zugleich für den Aufbau eines Nahwärmenetzes genutzt werden. Auch Übergangslösungen mit Hybridsystemen seien denkbar, falls einzelne Gebäude den Umstieg auf rein erneuerbare Energien nicht zulassen.

Ein schneller Umstieg ist aus Sicht von Brinner auch wegen des Ukraine-Kriegs und dessen Folgen für die Gasversorgung das Gebot der Stunde. Wegen des sprunghaften Preisanstiegs hat die Stadt in diesem Jahr bereits ein Mehr an Energiekosten in Höhe von einer Million Euro eingeplant.

Die Kosten für den Umstieg auf erneuerbare Heizungsformen in allen städtischen Gebäuden dürften indes um ein Vielfaches höher sein. Genauere Schätzungen gibt es dafür bislang nicht. Allerdings sind im Klimaschutzkonzept der Stadt allein für die energetische Sanierung der Gebäude 5,5 Millionen Euro jährlich über einen Zeitraum von 30 Jahren veranschlagt.

„Die Kosten sind enorm hoch“, sagt auch Brinner. Sie ist überzeugt: „Wir müssen bereit sein, diesen Weg zu gehen.“ Zugleich müsse die Stadt auch für private Hauseigentümer Anreize schaffen, ihre Heizungsanlagen auszutauschen. Neben den finanziellen Herausforderungen müssen diese gegenwärtig allerdings noch ein weit größeres Problem bewältigen: Fachleute finden, die sie gut beraten und Zeit für den Umbau haben.