Großes Bauprojekt im Innenbereich an der Lütticher Straße in Aachen

Zentrale Lage : 74 Studentenappartements mit Innenhof im Innenhof

Der blaue Baucontainer an der Ecke Lütticher Straße/Morillenhang deutet seit Monaten auf größere Bautätigkeiten hin. Nur: Eine Baustelle ist weit und breit nicht zu sehen. Allenfalls ein seit Monaten bestehender Lagerplatz für allerlei Baumaterial vor der Luisen-Apotheke.

Hinweise auf den Ort des Geschehens geben hin und wieder Sattelzüge, die beim Versuch, zwischen der Bäckerei Oebel und der Apotheke rückwärts in die alte Faensen-Einfahrt zu rangieren, den Verkehr auf der Lütticher Straße lahmlegen. Und natürlich der Baukran.

Wo früher im Hinterhof Autos repariert wurden (die Firma Faensen ist inzwischen in den ehemaligen ADAC-Bau an Strangenhäuschen umgezogen), tun sich große Dinge: Im Innenbereich zwischen Lütticher Straße / Morillenhang / Im Johannistal und Schanz entsteht ein stattlicher Neubau-Komplex mit 74 Studentenappartements inklusive Tiefgarage. „MILOs" nennen die Bauherren von Derichs u Konertz die Wohnungen, die Abkürzung steht für „Mikrolofts".

Der Eisenbahn-Haltepunkt, diverse Haltestellen des ÖPNV, eine Car-Sharing-Station, die RWTH und ihre Institute am Templergraben, der künftige Campus West, Melaten und die Uniklinik, die Fachhochschule am Boxgraben, Ärzte, Apotheken, Bäckereien, Supermärkte, Naherholungsgebiete wie Westpark, Hangeweiher und Aachener Wald – alles ist mit dem Bus oder dem Rad schnell erreichbar, vieles sogar zu Fuß innerhalb weniger Minuten. Selbst die Innenstadt mit Kneipen, Kultur und Kinos ist nur einen Katzensprung entfernt.

In dieser Top-Lage wächst im Innenbereich hinter der Luisen-Apotheke seit Ende 2018 ein umfangreicher Bau in die Höhe, wobei der Namensbestandteil "Loft", die englische Bezeichnung für eine zu Wohnzwecken umgebaute Industrie- oder Lagerhalle, ein bisschen untertrieben ist. Da ist doch ziemlicher Luxus im Spiel.

Der Entwurf stammt von Diplom-Ingenieur Reinhard Gerlach vom Aachener Architekturbüro pbs-Architekten an der Krefelder Straße, Bauherr ist derzeit noch die Derichs u Konertz Projektentwicklung, die nach der Fertigstellung im späten Frühjahr 2020 und mit dem Einzug der ersten Mieter das Gebäude dem künftigen Eigentümer übergibt, einem Investor, der nicht in der Öffentlichkeit erscheinen möchte.

Auf insgesamt 2100 Quadratmetern Wohnfläche entstehen drei Wohnungstypen in unterschiedlicher Größe. Die Bandbreite reicht von 21 Quadratmeter großen Mikrolofts mit Bad und WC und einer kleinen Terrasse über 34 Quadratmeter große Maxi-Apartments mit Balkon-Ausguck bis hin zu 50 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer-Apartments mit großem Balkon oder Dachterrasse.

Wenn es Nacht wird in Aachen: Was derzeit nur als täuschend echte Vision des Architekten existiert, soll im späten Frühjahr 2020 Realität werden. Foto: Derichs u Konertz Projektentwicklung GmbH

Im Tiefgeschoss steht eine Garage mit 35 Pkw-Stellplätzen zur Verfügung. Fahrräder dürfen aufgrund von Brandschutzvorschriften nicht in der Tiefgarage geparkt werden; für sie sind Plätze im Außenbereich vorgesehen. Auch Ladestationen für Elektroautos sind nicht geplant, stattdessen wird auf dem Gelände auf Wunsch der Stadt eine Car-Sharing-Station eingerichtet.

Das Gebäude, das bereits bei Baubeginn komplett an den Investor verkauft war, wurde als energiesparende KfW55-Immobilie konzipiert. Zu den Extras gehört unter anderem eine spezielle Einbruchsicherung für die Wohnungen im Erdgeschoss. Ein besonderer Clou des Gebäudes ist ein „Innenhof im Innenhof", der ebenso wie der Eingangsbereich als „Raum zur Begegnung" konzipiert wurde. Die Gesamtkosten für den Bau werden sich auf rund zehn Millionen Euro belaufen.

Architekt Reinhard Gerlach: „Der Erfolg eines Projektes entsteht durch die optimale Nutzung des zur Verfügung stehenden Grundstücks gepaart mit einer hochwertigen Planung und Ausführung, die sich konsequent an den Bedürfnissen der zukünftigen Bewohner orientiert."

Dass die Bedürfnisse der alten Bewohner der Lütticher Straße im betroffenen Bereich, vor allem in den unteren Etagen, etwas ins Hintertreffen geraten sind, ist die Kehrseite der Medaille. Künftig können sich alte und neue Wohnungsinhaber auf kurze Distanz in die Wohnung schauen, und bei 74 überwiegend jungen Mietern dürfte der Innenbereich vor allem im Sommer auch nicht unbedingt eine Oase der Ruhe werden. Ein grundsätzliches Problem der nachträglichen Innenverdichtung.

Manch einer der alteingesessenen Anwohner der Lütticher Straße, deren Schlafzimmer überwiegend nicht an der Straßenseite, sondern zum Innenbereich hin liegen, sehnt sich schon jetzt nach der Autowerkstatt zurück. Die machte zwar auch Krach, aber um 17 Uhr war Feierabend, und auch am Wochenende herrschte Ruhe.

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