Aachen: Großelternkurs: Der leichtere Weg zur perfekten Oma

Aachen: Großelternkurs: Der leichtere Weg zur perfekten Oma

Kein bisschen gewundert hat sich die Familie von Marion Rüger-Raue, als sie verkündete, sie würde einen Großelternkurs des Kinderschutzbundes machen. „Sie macht doch ständig sowas“, sagt ihre Tochter Kathrin und lacht.

Seit letztem Jahr ist Kathrin Raue-Karahatil mit ihrem Mann Volkan verheiratet — Töchterchen Leila ist inzwischen schon zwei Jahre alt. Volkan Karahatil ist in der Türkei aufgewachsen. Elf Geschwister sind sie bei ihm zu Hause. „Bei uns war immer Remmi-Demmi“, erzählt er. „Wir waren fast immer draußen, unsere Mutter war froh, wenn sie mal Zeit für sich hatte.“

„Es lief immer der Fernseher“

Rituale gab es zu Hause nicht. „Bei uns lief immer der Fernseher“, sagt er. Bilderbücher, Rhythmus, der für Kinder so wichtig ist, das kennt er von damals nicht. Für seine Frau ist das hingegen unverzichtbar, sie hat diese Dinge von zu Hause mitbekommen. Gemeinsam mit ihrem Mann findet sie gute Kompromisse in der gemeinsamen Erziehung von Töchterchen Leila.

„Ich dachte immer, der macht ja gar nichts mit dem Kind“, erzählt hingegen Marion Rüger-Raue. Sie habe ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn etwas Gutes tun wollen mit der Weitergabe ihres Wissens. Dabei habe sie aber oft vergessen, dass der Generationenunterschied dann doch etwas ausmache.

„In der Familie meiner Tochter laufen die Dinge eben anders, als damals bei mir zu Hause.“ Bei dem Großelternkurs habe sie gelernt, sich auch mal zurückzuhalten und einfach nur zuzuhören. Die Familie sei gewachsen, finden alle drei. Und vor allem die kleine Leila wird so auch von ihrer Großmutter mit gestärkt.

„Die Spannungen zwischen meinem Mann und meiner Mutter fielen immer auf mich zurück und haben belastet“, erzählt Kathrin Raue-Karahatil. „Und das hat dann auch Leila gemerkt.“

Die perfekte Oma oder der perfekte Opa zu sein, wenn das Enkelkind in Verhältnissen aufwächst, die man so nicht vorhergesehen hatte, sei nicht einfach, weiß auch Katrin Hater, beim Kinderschutzbund zuständig. Großeltern zu helfen, ihren Platz in der Drei-Generationen-Familie zu finden, das soll der Kurs.

Dazu gehört auch, sich als Großmutter in einer Patchwork-Familie zurecht zu finden oder seine Aufmerksamkeit auf viele Enkel aufzuteilen — oder eben das Erlernen von interkulturellem Verständnis, wie bei Marion Rüger-Raue. „Ich habe meinen Schwiegersohn so ganz neu kennengelernt“, sagt sie.

„Ich habe vor dem Kurs nie darüber nachgedacht, ihn mal nach seiner Kindheit zu fragen oder mit welchen Werten er eigentlich aufgewachsen ist.“ Inzwischen verstehe sie Volkan besser, sagt sie. „Durch das Verständnis füreinander ist es viel einfacher geworden“, findet auch Kathrin Raue-Karahatil. Ihrer Mutter habe der Kurs einfach gut getan.

Die hat gelernt: „Auch wenn ich manchmal vielleicht ganz anderer Meinung bin, als meine Tochter und mein Schwiegersohn, brauchen sie nicht unbedingt Ratschläge von mir.“ Wenn man das Herz der Eltern gewinne, dann sei das auch der Schlüssel zum Herzen der Enkelkinder.

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