Aachen: Großbrand im Gewerbegebiet: Teil einer Erpressung?

Aachen: Großbrand im Gewerbegebiet: Teil einer Erpressung?

Ein Zufall? Wohl kaum. Vielmehr ist der Großbrand, der 150 Feuerwehrleute am Montag in Aachen in Atem gehalten hat, vermutlich Teil eines Kriminalfalls, der damit immer größere Dimensionen annimmt. War bereits am 22. Mai in Köln ein Möbelhaus des Discounters „poco“ (7000 Mitarbeiter, 1,3 Milliarden Euro Umsatz, 104 Filialen) in Flammen aufgegangen, so wurde nun in Aachen erneut ein Möbellager des Unternehmens vom Feuer zerstört.

Nach Medienberichten hatte es bereits im Zuge des Kölner Brandes eine Erpressung gegen das Unternehmen gegeben. Nach Informationen unserer Zeitung war das auch kurz vor dem Feuer in Aachen der Fall. Offenbar wird die Firma um einen Millionenbetrag erpresst, versehen jeweils mit der Drohung, dass bei Nichtzahlung erneut ein Möbelhaus zerstört werde. Die Staatsanwaltschaften in Köln und Aachen bestätigten dies am Montag nicht und beriefen sich auf die laufenden Ermittlungen. In Köln stehen auch noch die Ergebnisse der polizeilichen Brandermittlungen aus, in Aachen kann die Kripo noch gar nicht in das immer noch glühend heiße Gebäude nahe dem Tivoli und dem Reitstadion.

Lichterloh in Flammen: Das Möbellager und das angrenzende Fitnessstudio fielen den Flammen zum Opfer. Foto: Ralf Roeger

In Köln hatte es nach der Erpressung eine fingierte Geldübergabe gegeben. Ein SEK nahm dabei einen Mann fest, der in den Papierkorb griff, in dem angeblich das Geld deponiert war. Der Mann bestritt jedoch die Tat und erklärte, er sei ein Flaschensammler. Am nächsten Tag kam er „mangels hinreichenden Tatverdachts“ wieder auf freien Fuß, wie Ulrich Bremer von der Kölner Staatsanwaltschaft am Montag auf Anfrage sagte. Im Februar 2014 hatte bereits ein Lager der Firma in Hagen gebrannt. Auch hier werden nun mögliche Zusammenhänge überprüft.

Im Gewerbegebiet an der Gut-Dämme-Straße sind am Montag das Lager des Möbel-Discounters „Poco“ und das „Selection“-Fitnessstudio komplett abgebrannt. Foto: Ralf Roeger

In Aachen schlugen die Brandmelder in der rund 10.000 Quadratmeter großen Halle am Prager Ring um 3.19 Uhr an (Köln: 3.20 Uhr). Als die Feuerwehr mit ersten Kräften eintraf, stand das Gebäude lichterloh in Flammen. Die Einsatzleitung bezeichnete das Feuer als das größte in Aachen seit mindestens 30 Jahren. Die Schadenssumme liegt wahrscheinlich im zweistelligen Millionenbereich. Neben den 150 Kräften vor Ort verstärkten 70 freiwillige Feuerwehrleute die Wachen, auch das THW war im Einsatz. Wasserleitungen mussten über mehrere Kilometer verlegt werden. Auch die Wurm wurde „angezapft“. Die riesige Rauchwolke stieg mehrere Kilometer hoch und zog nach Südwesten. Gefährliche Schadstoffwerte waren bei Messungen in mehreren Aachener Stadtteilen nicht zu registrieren, hieß es.

Lichterloh in Flammen: Das Möbellager und das angrenzende Fitnessstudio fielen den Flammen zum Opfer. Foto: Marion Wingen

Bei dem Feuer wurde neben dem Möbelhaus ein Fitnessstudio total zerstört. Schwere Schäden erlitten unter anderem ein Fachhandel für Farben und Teppiche sowie eine Soccer-Halle. Mehrere umliegende Firmen waren zeitweise ohne Strom. Der Brandort war weiträumig abgeriegelt, mit dem Prager Ring war eine wichtige Verkehrsader den ganzen Montag gesperrt. Das Feuer hatte die Wehr mittags unter Kontrolle, die weiteren Löscharbeiten dauerten in der Nacht noch an.

Die Rauchwolke war auch aus der Entfernung gut sichtbar. Foto: Niels Knippertz
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