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Aachen: Größtmögliche Unterstützung für die Opfer von Verbrechen

Aachen : Größtmögliche Unterstützung für die Opfer von Verbrechen

Pünktlich zum „Tag des Kriminalitätsopfers,“ der seit 1991 existiert, haben Agnes Zilligen von „RückHalt e.V.“ und Martin Czarnojan vom „ABK Neustart“ (früher Straffälligenhilfe Aachen) die Kooperationsvereinbarung zur Psychosozialen Prozessbegleitung in der Städteregion Aachen erneuert. Gleichzeitig berichteten die Akteure über ihre Erfahrungen des zurückliegenden Jahres.

Mit dem 3. Opferrechtsreformgesetz, in welchem die Rechte der Betroffenen zu ihrem Schutz weiter ausgebaut wurden, erfolgte gleichzeitig ein Rechtsanspruch auf Psychosoziale Prozessbegleitung. Nach allgemeiner Definition handelt es sich dabei um eine intensive Form der Begleitung für besonders schutzbedürftige Opfer von Straftaten. Sie umfasst die qualifizierte, von den Bundesländern anerkannte Betreuung, Informationsvermittlung und Unterstützung von Opferzeuginnen und -zeugen im Strafverfahren.

„Unsere Kooperation dauerte bislang ein Jahr. Ziel der rechtlichen Neuerung war und ist es, die individuelle Belastung des Opfers zu reduzieren, schädliche Auswirkungen der Straftat auf die Betroffenen zu vermeiden und die Aussagefähigkeit als Zeuginnen und Zeugen zu fördern“, erklärte Zilligen.

In der Städteregion Aachen zeigte sich, dass die Umsetzung der Psychosozialen Prozessbegleitung sehr erfolgreich verlief. „Mit Jahresende 2017 waren in NRW insgesamt 137 Psychosoziale Prozessbegleiter und -begleiterinnen anerkannt. Davon sind 110 Frauen und 27 Männer. Knapp 70 Prozent der Begleiter und Begleiterinnen haben eine Anbindung an freie Träger, wie es auch bei „RückHalt“ und ABK Neustart der Fall ist, oder arbeiten freiberuflich. Gut 30 Prozent sind Beschäftigte der Ambulanten Sozialen Dienste der Justiz NRW“, so Zilligen weiter.

In Aachen selbst wurden die vier vorhandenen Mitglieder im Aachener Verbund Psychosoziale Prozessbegleitung in insgesamt 34 Fällen beigeordnet. Voraus geht dabei immer eine Antragstellung auf Begleitung. Diese muss erst bewilligt werden, bevor die Träger oder Begleiter ihre Tätigkeit vom Land finanziert bekommen. Im kompletten Jahr 2017 konnten zehn dieser 34 Fälle abgeschlossen werden.

Dass die ehemalige Straffälligenhilfe, bei der viele primär nicht an Opferschutz denken, Teil der Kooperation ist, ist für Czarnojan kein Widerspruch, wie er betonte: „Die Zusammenarbeit hat sich positiv ausgewirkt, und wichtig ist uns, dass wir den Blick auf die Opfer legen und ihnen beistehen. Das einzige Problem ist, dass das neue Gesetz noch nicht so bekannt ist und viele Opfer daher gar nicht wissen, welche Möglichkeiten sie haben.“

Zwar geben Richter und Polizei die Option der Prozessbegleitung an Opfer weiter, allerdings ist die Inanspruchnahme in vielen anderen Teilen von NRW gering. „Vielleicht liegt es auch an unserer Kooperation, dass Aachen so positiv heraussticht. Wir haben an den Formalitäten zur Fortführung dieser Partnerschaft jedenfalls nichts geändert“, betonte Zilligen.

Die vier für den Aachener Verbund organisierten Psychosozialen Begleiterinnen betreuen ihre Klienten vor, während und nach der Verhandlung. Sei es die Besichtigung des Gerichtssaals im Vorfeld, das Beruhigen vor Ort oder auch das Nehmen von Ängsten und Beseitigen von Vorurteilen — das Wichtigste sei, dass die Opfer aus der belastenden Situation möglichst unbeschadet hervorgehen.