Aachen: Größter Wunsch zum Fest: mehr Platz

Aachen: Größter Wunsch zum Fest: mehr Platz

Ganz klar: Bei den Kindern der Offenen Ganztagsschule (OGS) der Montessori-Grundschule Mataréstraße steht ein Wunsch zu Weihnachten ganz oben auf dem Wunschzettel: Mehr Raum! 97 Kinder und nur ein ausgewiesener Gruppenraum, diese Rechnung kann nicht aufgehen.

Auch die Nutzung eines weiteren Raumes am Nachmittag kann die prekäre Raumsituation in der OGS nicht entschärfen. „Die Stadt weiß seit Jahren, dass wir zu wenig Räume zur Verfügung haben. Verwaltung und Politik haben uns im Stich gelassen. Wir sind immer wieder beschwichtigt worden und uns geht langsam die Puste aus. Jetzt muss endlich etwas passieren”, beklagt OGS-Leiterin Petra Müller-May.

Lösung gesucht

Schon seit längerem führt die Schule mit der Stadt Aachen Gespräche über mögliche Lösungen gegen die Raumnot. Vertreter aus Politik und Verwaltung besuchten die Schule und informierten sich über die örtlichen Gegebenheiten. „Die Verwaltung sagte uns, dass ein Erweiterungsbau frühestens 2014 fertig wäre, wir aber bis dahin einen Pavillon erhalten könnten”, erklärt Müller-May. Passiert ist bis heute nichts. Dabei waren die Pläne „sehr konkret”, sagt die OGS-Leiterin. „Wir sollten uns schon Gedanken über die Ausstattung des Pavillons machen.”

Anbau nicht finanzierbar

Auf der letzten Sitzung des Schulausschusses verkündete Elke Münich, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, dass ein Anbau aus Sicht der Verwaltung nicht finanzierbar sei. Zudem wolle man den Schulentwicklungsplan der Primarstufe abwarten, der voraussichtlich im Herbst 2012 vorliegt. Eine „temporäre Containerlösung bis zu den Sommerferien 2012” wurde im Beschlussvorschlag als mögliche Option berücksichtigt.

Als Grund für die unbefriedigende Situation nennt Jutta Greuel, Schulleiterin der Montessori-Grundschule, „Kommunikationsprobleme” zwischen Schule und Verwaltung. „Wir waren durch die Gespräche mit den Sachbearbeitern der festen Überzeugung, einen Pavillon zu bekommen. Das ist ein großes Missverständnis und ein Dilemma, das jetzt auf dem Rücken von Kindern und Eltern ausgetragen wird.”

Zu dem Zeitpunkt, als sich die OGS sicher war, einen Pavillon zu bekommen, beschloss sie, zwölf Kinder von der Warteliste zusätzlich in den bestehenden Bestand von 85 Kindern aufzunehmen - mit fatalen Folgen. Ein Pavillon wurde nicht gebaut. Und auch die Finanzierung dieser zwölf neuen Kinder wird nicht von der Stadt getragen.

Versäumte Anmeldung

Zum Hintergrund: Die Höhe der Mittel, mit der die Stadt die OGS finanziert, ist abhängig von der Anzahl der gemeldeten Gruppen. Die Schule hat es versäumt, die zusätzliche halbe Gruppe (zwölf Kinder) offiziell zu melden. „Wir hätten die halbe Gruppe nicht aufnehmen dürfen”, gesteht Greuel. „Uns war aber nicht bewusst, dass wir einen offiziellen Antrag stellen müssen”, räumt Greuel ein. OGS-Elternvertreterin Anja Pferdmenges sieht aber auch Fehler bei der Verwaltung: „Wir haben im Juni einen Kostenvoranschlag an die Verwaltung geschickt. Und aus den beantragten Geldern geht hervor, dass wir 97 Kinder einplanen.” Um die zwölf Kinder zu finanzieren, verzichten die 15 OGS-Mitarbeiter sogar auf ihr Weihnachtsgeld.

In dem Schulgebäude an der Mataréstraße ist neben der Montessori-Grundschule auch die Katholische Grundschule (KGS) untergebracht. Diese hat für ihre 95 OGS-Kinder allerdings drei Räume zur Verfügung. Was die Raumsituation für die OGS der Montessori-Grundschule weiter zuspitzt, ist die von beiden Schulen gemeinsam genutzte Aula. „Der Schulträger hat der KGS vor kurzem den Erstzugriff auf die Aula erteilt”, bedauert Greuel. Und dadurch fällt oftmals auch die letzte Ausweichmöglichkeit weg. Im Januar soll es ein Gespräch zwischen Schulleitungen und Verwaltung geben. „Wir bemühen uns, Lösungen zu finden, die für beide Schulen akzeptabel sind”, erklärt Elke Münich. Schulleiterin Greuel hofft auf „konstruktive und kollegiale Gespräche. Ein Container wäre für die OGS schon eine gute Zwischenlösung.”

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