Aachen: Grenzlandtheater: Kampf um Vaterliebe und Akzeptanz

Aachen: Grenzlandtheater: Kampf um Vaterliebe und Akzeptanz

„Das hier ist keine Familie, das ist ein Rudel Wölfe. Wir bringen einander um, nur um einen winzigen Fetzen des Kadavers zu erhaschen, den du ‚Deine Liebe’ nennst“. Ein Zitat aus „Absalom — Hoch soll er leben!“. Das Stück feiert als Deutsche Uraufführung am Mittwoch im Grenzlandtheater Premiere.

Gleichzeitig läutet es das Ende der Spielzeit ein. Das lässt erahnen, dass die Familie Weber, um die es in dem Stück von Zoe Kazan geht, weit mehr als einen Katzensprung vom Ideal der familiären Eintracht entfernt ist. Konkret handelt das Stück von einer Familie, die seit jeher ausschließlich Schriftsteller hervorgebracht hat. Nun feiert der Clan die Veröffentlichung der Autobiografie des Vaters und Patriarchen Salomon Weber (Walter Gontermann) in einem Haus am See.

Erwartet werden illustre Gäste. Doch die eigentlichen „Highlights“ des Abends spielen sich am Rande der Feier ab: Da ist ein erfolgsverwöhnter Vater, der seine drei Kinder nicht halb so sehr liebt wie den hochbegabten Ziehsohn Cole (Michael Mienert).

Der taucht an diesem Abend nach zwölf Jahren Funkstille wieder auf und fordert die Rechte an dem Buch ein. Und da sind eine Tochter (Angela Schlabinger) und zwei Söhne (Stephan Thiel und Klaus Ebert), die um die Liebe ihres Vaters wetteifern. Dessen Liebe scheint sich jedoch ausschließlich durch herausragende schriftstellerische Leistungen erkaufen zu lassen...

„Auch wenn es in Absalom um eine spezielle Schriftstellerfamilie geht, lässt sich vieles wiedererkennen, das man aus anderen oder der eigenen Familie kennt“, meint Intendant Uwe Brandt. So wird unter anderem der Frage nachgegangen, welche Folgen die unterschiedliche Verteilung der elterlichen Zuneigung und Liebe nach Leistung auf das spätere Leben und die Persönlichkeit der Kinder haben können.

Etwas abstrakter ausgedrückt, handelt das Stück von Strukturen und Konflikten, von Liebe und unerwiderten Wünschen sowie von Sehnsüchten innerhalb einer Familie und dem Wunsch sich von ihr zu lösen, um ein eigenes Leben — unabhängig von der Vaterliebe — aufbauen zu können.

Regisseurin von „Absalom“ ist Catharina Fillers, die bereits bei den Produktionen „Nachtgeschichten“ und „Das fliegende Pferd“ des Grenzlandtheaters Regie geführt hat. „Beim Lesen des Drehbuches wurde direkt deutlich, dass Zoe Kazan selbst Schauspielerin ist, da vieles innerhalb der einzelnen Figuren stattfindet und erhandelt wird“, so Fillers.

In ihrer Bearbeitung des Stoffes hat sie sich darum bemüht, die vielen unterschiedlichen Ebenen, die Kazan vorgibt zu berücksichtigen. „Der Zuschauer ist dazu eingeladen, verschiedene Ebenen und auch den Bezug zu Absalom, dem Sohn des König Davids zu entdecken“, so Brandt. Geeignet sei das Stück jedoch für alle, die selbst Kinder beziehungsweise Eltern seien, schließt er mit einem Augenzwinkern.

Nur die Premiere ist ausverkauft

Die Premiere von „Absalom“ am 4. Juni ist bereits ausverkauft. Für alle weiteren Termine gibt es noch Karten unter 4746111 und online unter www.grenzlandtheater.de.

Die Theaterkasse ist noch bis einschließlich 5. Juli geöffnet.