Aachen: Grenzenloser Spaß mit Künstlern aus aller Welt

Aachen : Grenzenloser Spaß mit Künstlern aus aller Welt

So viel Vorschusslorbeer darf sein, bevor der Kultursommer die ersten bunten Blüten treibt: „across the borders“ macht seinem Namen anno 2017 wahrlich Ehre.

Mit Musik und Tanz, Performance, Kino-Kunst und märchenhaften Exkursionen präsentiert der städtische Kulturbetrieb von Mitte Juli bis Ende August hochkarätige Gäste aus (fast) allen Winkeln der Welt — von Neuseeland bis Kapstadt, von Irland bis New York reisen die Akteure an, um die Aachener ihrerseits in die gediegensten Gefilde der Genres zu entführen.

Weite Wege freilich muss dabei niemand in Kauf nehmen — wiewohl auch die Spielfelder des schillernden Spektakels erheblich ausgedehnt werden — und gegensätzlicher kaum sein könnten. Nicht von ungefähr wurde die (verbale) Ouvertüre zum Marathon der Musenkinder am Dienstag im Kennedypark gegeben. Denn auch innerhalb der Stadt wollen die Macher allemal Grenzen sprengen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt auch eine Plattform im Aachener Osten bieten können“, frohlockte Walter Köth, Leiter der Nadelfabrik, an der Open-Air-Bühne hinter dem Begegnungszentrum am Reichsweg — Seite an Seite mit Rick Takvorian und Elke Wienen vom Kulturbetrieb sowie RWTH-Sprecher Thorsten Karbach. Auch im Hochschulviertel will „across the borders“ in diesem Jahr nämlich besondere Akzente setzen.

Weitere Schauplätze: das Ludwig Forum, das Atelierhaus im neuen Depot an der Talstraße, der (gar nicht so) dunkle Wald in Köpfchen und — selbstverständlich — der Katschhof.

Weltmeister in spe spielt auf

Ebendort, am Katschhof, fällt am 11. Juli der Startschuss zum musikalischen Reigen der internationalen Stars. Um 19.30 Uhr bläst die National Band of New Zealand mit den besten Blasinstrumentalisten vom fernen Pazifik-Eiland zum ersten Sturm auf die Gehörgänge (Eintritt frei). Die Band nimmt übrigens an der diesjährigen WM für Brassbands in Kerkrade teil. Kongeniale Tanzeinlagen gibt‘s dazu mit der maorischen Truppe Kapa Haka.

Im Centre Charlemagne liest Feridun Zaimoglu am 18. Juli aus seinem Luther-Roman „Evengelio“. Und am 26. August geht der musikalische Marsch mit der Kapstädter Fieldband, einer Melange aus Blasmusik, Percussion und Tanz, vom Katschhof aus quasi direkt nach Südafrika (Eintritt frei).

Zum „Irischen Abend“ mit Vortrag, Lesung und Musik lockt das Ludwig Forum am 19. Juli. Exklusive Berichte über die enge Verbindung des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll mit der Grünen Insel präsentiert dessen Sohn René mit Schauspieler Karl-Walter Sprungala, begleitet von der Folk-Band Seisiún. Die geheimnisumwitterte Welt des Hohen Venns hält am 28. Juli in Gestalt von Christian Klinkenbergs Oper „Das Kreuz der Verlobten“ Einzug in die alte Schirmfabrik.

Jonglage, Tanz und Bewegungstheater auf höchstem Niveau verspricht das Gastspiel des Ensembles Tangram am 29. Juli in der Museumsmulde. An der Schnittstelle von Figurentheater und Klangkunst wandeln Stephan Wunsch (Puppenspiel) und Claire Goldfarb (Cello und Gesang) ebendort am 19. August.

Malerei als Aktionskunst ist am 5. August im Kennedypark angesagt: Marc Westermann, alias „pinx“, wirft seine künstlerischen Visionen dort auf acht Leinwände gleichzeitig. Für den passenden Rahmen sorgt das Berliner Duo Guts Pie Earshot mit einem rasanten Mix aus Punk, Metal und Techno (Eintritt frei). Am 6. August beweist die „Brasshouse-Sensation“ Too Many Zoos aus New York ihre besonderen Qualitäten als Untergrund-Kombo im Wortsinn — die drei Jungs haben vor allem durch ihre spektakulären Auftritte in der New Yorker U-Bahn für Furore gesorgt (Eintritt frei).

Im Atelierhaus an der Talstraße zeigt Sebastian Schwarz Fotografien von „Lost Places“, vergessenen Orten mit marodem Charme. Leinwandkunst der anderen Art, nämlich Science Fiction im Zeichen des „future lab“, steht am 17. August unter freiem Himmel am Kármán-Auditorium auf dem Programm. Gezeigt wird Duncon Jones‘ spannende Zukunftsvision „Moon“.

Der Regisseur, Sprössling des Musikers David Bowie, erzählt die packende Geschichte eines Astronauten, der die Energiekrise auf der Erde mittels Helium vom Mond beenden will (Eintritt frei). Auf dem Grund des „Schattenwalds“ kann man schließlich am 12. und 13. August an der Grenzroute in Köpfchen wandeln. Das Theater Anu lädt zur poetischen Reise nach Motiven der Brüder Grimm. Mit Laternen führen die Wanderungen ins romantische Grün zwischen Deutschland und Belgien, wo sich allerlei Geister und Kobolde tummeln.

So gilt anno 2017 mehr denn je: Selbst zwischen den alten Schlagbäumen an der Eupener Straße soll der Fantasie bei „across the borders“ keine Grenze gesetzt sein.

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