Aachen: Grenzen gibt es letztlich nur in den Köpfen

Aachen : Grenzen gibt es letztlich nur in den Köpfen

„Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen“. Das japanische Sprichwort klingt zwar durchaus weise und in vielerlei Hinsicht nachvollziehbar, ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass es heute nicht weniger Grenzen und Barrieren gibt als früher. Das macht auch die Ausstellung „Grenzen überschreiten — Srebrenica“ deutlich, die derzeit in der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen gezeigt wird.

Auch knapp 23 Jahre nach Beendigung des Balkankrieges gibt es noch nicht genug Frieden im früheren Jugoslawien und noch zu viele Grenzen in den Köpfen der Menschen.

Offizielle Eröffnung: Die Gäste aus Bosnien-Herzegowina waren am Donnerstagabend persönlich anwesend.

16 Künstler visualisieren deshalb im Rahmen der Ausstellung auf verschiedene Art und Weise ihre Gedanken zur Thematik und zum immer noch herrschenden Konflikt innerhalb ihres Heimatlandes.

Pater Joso Orsolic, Pfarrer der Gemeinde Zvornik-Srebrenica und Vorsitzender St. Antoniusbrot Sarajevo, ist Initiator des Projektes „Grenzen überschreiten.“ Im Jahr 2016 gründete er die „Internationale Kolonie der bildenden Künste in Srebrenica (Bosnien und Herzegowina)“. Die aus namhaften Künstlern bestehende Künstlerkolonie verfolgt die Intention, die Stadt und das Umland Srebrenicas bekannter zu machen und zu zeigen, dass es mehr als Krieg und Zerstörung in der Region gibt und dass mehrere Religionen auch friedlich miteinander leben können. Die Ausstellung wird in verschiedenen Städten in Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien, Slowenien, Italien und Deutschland gezeigt.

Petra Hahn, ehrenamtliche Ausstellungsleiterin, freut sich, dass die Bilder nun in Aachen Station machen. „Man bekommt durch die Werke einen anderen Eindruck von dem Land und den Leuten dort und sieht gleichzeitig, dass Grenzen überwiegend in den Köpfen existieren“, erklärt Hahn. So malt Marko Zivkovic Bilder, die seine Erinnerungen an Serbien deutlich machen.

Zanna Erdekji widmet sich in einer ihrer Arbeiten dem muslimischen Glauben. Im Gegensatz dazu stehen die Malereien von Dejan Durakovic, der das Christentum und die Leidensgeschichte Jeus Christi gestalterisch umsetzt. Neben religiösen Arbeiten findet der Betrachter aber auch farbenfrohe Landschaftsaufnahmen, die eine neue, unbeschwerte Zeit ankündigen.

Der Erlös der Werke trägt dazu bei, ein Zentrum für Dialog und Versöhnung in Srebrenica aufzubauen, das zu einer ständigen Einrichtung wird.

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