Technologien, die das Morgen verändern: Greifbare Zukunft bei „Aachen 2025“

Technologien, die das Morgen verändern: Greifbare Zukunft bei „Aachen 2025“

Pepper rollt die großen Kinderaugen und fixiert sein Gegenüber so natürlich, dass man irritiert ist. „Bist du ein Mitmacher?“, fragt er schelmisch und dreht die weißen Händchen. Wo denn mitmachen? Bei „Aachen 2025“, einem zweitägigen Veranstaltungsmarathon zur digitalen Zukunft am 28. und 29. September.

Wer könnte auf Peppers Frage Nein sagen? Inzwischen kugelt sich sein kleiner Bruder Nao auf einer Matte — er ist der Liebling der Kinder bei den Workshops des Cybernetics Lab, als interdisziplinärer Forschungsverbund ein Institut der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen. Spaß ist ein guter Helfer, um Zukunftstechnologie zu erklären. Nicht nur bei Kindern.

Und das nutzen die Veranstalter, die 2016 erstmals das umfassende Thema „Digitalisierung“ unter dem Titel „Aachen 2025“ umgesetzt haben. „In diesen zwei Jahren hat sich die Welt mit riesigen Schritten weiterentwickelt“, betont Günter Bleimann-Gather, Gründer und Vorstand der Tema AG. Das Technologiemarketing-Unternehmen hat „Aachen 2025“ zusammen mit Regina e.V., einem Verbund aus rund 140 IT-Firmen, vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Nun sei es an der Zeit, neue Entwicklungen zu präsentieren, die 2016 noch kaum bekannt waren. Zum Beispiel Alexa.

Mit sympathischer Frauenstimme beantwortet das Gerät allerhand Fragen, erzählt auf Wunsch Witze, spielt sprachgesteuert die Musik, gibt Bestellungen auf oder regelt die Heizung. „Erst im Oktober 2016 kam Alexa in Deutschland auf den Markt, heute steht sie als alltäglicher Assistent in 40 Millionen Haushalten.“ Die letzten Vorbereitungen von „Aachen 2025“ laufen. An fünf Standorten in Aachen dreht sich in wenigen Tagen alles um die digitale Zukunft. Wie werden wir demnächst einkaufen, lernen, Auto fahren, uns medizinisch versorgen lassen, produzieren und wohnen?

Viele Lebensbereiche abgedeckt

Die Liste ließe sich locker fortsetzen. Wie nutzen wir bei Behinderungen Computer-Assistenten und worauf sollten Unternehmen achten, damit sie nicht den Anschluss verlieren? „‚Aachen 2025‘ hat neun Themenbereiche, die die wichtigsten Lebenswelten ansprechen“, versichert Bleimann-Gather. Programmgestalter sind die über 300 Aktiven des 2016 geknüpften Netzwerks engagierte Mitmacher aus Hochschulen, Unternehmen, Institutionen und Initiativen. Oberstes Gebot ist dabei Bürgernähe, wenn vom Geschäftsmodell bis zum Industrieroboter Digitales aufgezeigt wird.

„Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen“, betont Informatik-Professor Stefan Kowalewski von der RWTH Aachen. Auch Forschung und Lehre verändern sich durch die Digitalisierung. „Wir haben an der Hochschule eine Digitalisierungsstrategie entwickelt“, berichtet Kowalewski. „Mit digitalen Angeboten können wir zum Beispiel den individuellen Lernbedürfnissen der Studierenden besser entsprechen.“ Darüber hinaus sind digitale Prozesse längst nicht mehr nur in der Informatik zentraler Lehr- und Forschungsstoff. „So arbeiten wir interdisziplinär an Themen wie Spracherkennung oder der Fußgängererkennung durch den Pkw.“

Nao ist ein sprechender Roboter mit erstaunlichen Fähigkeiten. Foto: Andreas Herrmann

Leben und Arbeiten mit einem digitalen Helfer kann auch eine Herausforderung sein. „Nicht jeder Computer ist ein so niedliches Kerlchen wie Nao“, meint Max Haberstroh, Geschäftsführer bei Cybernetics Lab. Hier gehen Computerexperten gemeinsam mit Psychologen der Frage nach: Was macht das mit dem Menschen? Besonders dann, wenn der Computer immer alles richtig macht? Haberstroh: „Wir untersuchen Phänomene in der Begegnung Mensch-Computer, was passiert da?“ Auch die hilfreiche Alexa ist nicht so selbstlos, wie es an der Oberfläche scheint.

Die Digitalisierung hat viele, auch widersprüchliche Aspekte. „Wir müssen darüber nachdenken, was zum Beispiel in der Pflege geschieht“, meint Professor Ingrid Isenhardt, stellvertretende Direktorin im Cybernetics Lab. „Will ich einen Assistenten an meiner Seite haben, wenn ich im Sterben liege? Oder brauche ich dann nicht doch die Hand eines Menschen?“ Andererseits ist ein Roboter eine gute Hilfe, wenn ein Patient gehoben werden muss. Aus eigener Erfahrung sieht Dzenan Dzafic, der zurzeit am Lehrstuhl für Informatik promoviert, im technischen Fortschritt große Chancen. Er, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, entwickelte ein Navigationssystem für Rollstuhlfahrer. „Und in Amerika habe ich erlebt, wie Menschen mit Alzheimer durch digitale Assistenz unterstützt werden. Wenn der Betroffene sich ins Bett legt, fragt der Assistent zum Beispiel, ob die Zähne geputzt sind.“

Digitalisierung kann vielseitig sein - vor allem in der Schule

Unterricht der Zukunft — dafür engagiert sich Adriane Langela-Bickenbach, Lehrerin am Aachener Gymnasium St. Leonhard, die Schüler aus unterschiedlichen Ländern in digitalen Videokonferenzen zusammenführt. „Die Schulen müssen weg vom steifen Begriff der Digitalisierung“, fordert sie. „Man kann gestalten, forschen, kommunizieren.“ Jeder Schüler habe sein PLN, sein persönliches Lernnetzwerk. „Unsere Aufgabe besteht darin, das zu begleiten.“ Machen das alle mit? „Noch ist das nicht optimal“, sagt die Pädagogin, die ihre Schüler dazu befähigen will, problemorientiert zu denken: Da geht es nicht mehr ums schnöde Abschreiben — wo man ohnehin die Hausaufgaben per WhatsApp austauscht.

„Aachen 2025“, so die Planer, soll jedem die Chance bieten, den digitalen Alltag der Zukunft schon jetzt zu erleben — nicht zuletzt, um noch immer vorhandene Ängste abzubauen — etwa vor der E-Mobilität, dem selbstfahrenden Auto. „Ich schätze, in 30 Jahren darf der Mensch in der Innenstadt gar nicht mehr ans Steuer, da passieren zu viele Fehler“, blickt Bleimann-Gather in die Zukunft.“

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