Aachen: Graffiti-Sprayer: 100.000 Euro Schaden aus Liebeskummer?

Aachen: Graffiti-Sprayer: 100.000 Euro Schaden aus Liebeskummer?

Ein golden glänzendes gebrochenes Herz, ein trauriger „Smiley“ und ein schwer zu entziffernder Schriftzug — das sind die Zutaten, die an diesem Freitagmorgen vielen Burtscheidern den Start in den Tag verderben. Denn die Symbole und Buchstaben prangen an Dutzenden Hausfassaden und parkenden Fahrzeugen — aufgesprüht von einem oder mehreren unbekannten Tätern.

Schon am Morgen gehen bei der Polizei 60 Anzeigen wegen Sachbeschädigung ein: Alleine 36 Fahrzeuge sind mit der goldenen Sprühfarbe beschmiert worden, in 24 Fällen hat es Fassaden, Mauern, Garagentore, Türen und Fenster getroffen.

Sachbeschädigung aus Liebeskummer? An vielen Ecken prangt ein goldenes gebrochenes Herz.

Ob auf diese Weise ein Mann oder eine Frau ihrem Liebeskummer Luft gemacht haben, wie die Polizei aufgrund der Symbole schnell vermutet, dürfte den Betroffenen ziemlich egal sein. Denn das gebrochene Herz eines Einzelnen kommt viele andere in Burtscheid teuer zu stehen. Mit genauen Schätzungen hält sich die Polizei zwar noch zurück, aber von mehreren zehntausend Euro Schaden geht man aufgrund der Vielzahl der Fälle schnell aus. „Und vielleicht geht das sogar in den sechsstelligen Bereich“, vermutet Polizeisprecher Werner Schneider.

Beschmierte Fassaden: 24 Häuser, wie hier das Restaurant „Degustino“, sind betroffen.

Das hängt unter anderem von der Beschaffenheit der Sprühfarbe ab und davon, wie sie mit den Autolacken reagiert. Und es hängt davon ab, wie schwer man das glänzende Zeug wieder von den Hausfassaden — teils an aufwändig sanierten Altbauten — herunter bekommt. 100.000 Euro Schaden oder mehr, bloß weil jemand mit einer Sprühdose sein Unwesen treibt: „Das ist keine Bagatellsache, sondern schwere Sachbeschädigung“, sagt der Polizeisprecher.

Erster Hinweis um 0.37 Uhr

Den ersten Hinweis auf die Taten hat die Polizei an diesem Tag bereits kurz nach Mitternacht erhalten. Um 0.37 Uhr meldet ein Anwohner im Forster Weg eine Schmiererei. Ein Streifenwagen fährt hin, die Beamten nehmen die Anzeige auf, machen Fotos. Gut möglich, dass der oder die Täter da noch in der Nähe unterwegs sind, aber sie fallen nicht auf. Gut möglich auch, dass die Schmier-Tour durch Burtscheid ganz in der Nähe begonnen hat. Am Morgen trudeln erste Anzeigen aus der nahen Erzbergerallee und der Christian-Quix-Straße ein, im Forster Weg sieht man dann bei Tageslicht, dass es 28 geparkte Fahrzeuge erwischt hat.

Die Spur der Schmierereien zieht sich über Branderhofer Weg (sieben Pkw, vier Fassaden) und Weingartsberg (ein Pkw) bis zur Aral-Tankstelle an der Ecke Friedrich-Ebert-Allee (zwei Fassaden). An der Tankstelle selber ist die Außenwand der Waschanlage großflächig beschmiert. Pächter Ralf Becker, der die Station erst tags zuvor neu übernommen hat, hat sich die Aufnahmen der Überwachungskameras direkt angeschaut, obgleich die Objektive „natürlich nicht auf die Wände gerichtet sind“, wie er sagt. Außer einer Gestalt, die durchs Bild huscht, sei nichts zu sehen, erzählt er. „Und das kann auch einfach nur jemand sein, der über den Hof läuft.“

Gegenüber der Tankstelle, in der Viehhofstraße, kann man die Spur der Täter wieder aufnehmen. Nur wenige Häuser sind dort verschont geblieben, 13 Gebäude besprüht worden. Mit neun traurigen „Smileys“ an der Außenfassade ist das Restaurant „Degustino“ an der Ecke Kapellenstraße trauriger Spitzenreiter der Opferstatistik. Kurz dahinter in der Malmedyer Straße, wo drei Fassaden beschmiert sind, verliert sich dann die Fährte.

Die Polizei ist allerdings guter Dinge, dass sie diese enorme Serie von Taten aufklären kann. Ungewöhnlich sei die Häufung, weil die Fallzahlen in Sachen Graffiti-Schmierereien rückläufig seien, wie Schneider sagt. Zählte man 2011 im Stadtgebiet noch 648 Taten, waren es im Jahr darauf 486 und bis Mai 2013 erst 160 — natürlich ohne die aktuellen 60 Anzeigen aus Burtscheid. Aber dieser lange Weg, den der oder die Täter sprühend durch Burtscheid zurücklegten, sorgt dafür, dass die Ermittler optimistisch sind: „Wir gehen fest davon aus, dass wir verwertbare Hinweise erhalten.“ Und dann könnte auf jemanden ein viel größeres Problem zukommen als ein gebrochenes Herz.

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