Aachen: Goldbraune Crêpes und halsbrecherische Fahrten

Aachen : Goldbraune Crêpes und halsbrecherische Fahrten

In einem Rutsch läuft der helle Teig aus der Kelle auf die runde Platte. Es zischt leise. In gleichmäßigen Kreisbewegungen streicht Ilona Goeke die glatte Masse zu einem hauchdünnen Crêpe. Die Schokolade, die sie in den inzwischen goldbraunen Teig faltet, schmilzt sofort. An ihrem Stand auf dem Osterbend macht sie das unzählige Male am Tag.

Wie viele der französischen Pfannkuchen pro Bend oder gar pro Saison über die Theke gehen, zählen Ilona Goeke und ihr Mann Jacky nicht. Seit zwölf Jahren sind die beiden ein Paar, und seit beinahe zwölf Jahren verkaufen sie, die beide aus Schaustellerfamilien stammen, gemeinsam Crêpes und Dampfnudeln. Vor einigen Jahren übernahmen sie zusätzlich einen Stand für Süßwaren von Ilona Goekes Großvater.

Seit zwölf Jahren im Crêpe-Geschäft: Ilona und Jacky Goeke mit Sohn Jacky Junior (11) und Tochter Joyce (8).

„Besonders zu Beginn unserer Selbstständigkeit war es nicht so einfach“, erzählt Goeke. „Wir mussten uns schon einschränken und in den Wintermonaten sparsam sein. Man braucht Beziehungen und Stammkunden.“ Der Umsatz während der Saison muss stimmen, sonst wird es in den veranstaltungsfreien Wintermonaten eng. Von Ostern bis Dezember bedeutet das: um die 20 Veranstaltungen in der ganzen Region und so gut wie keine freien Tage. Ein normaler Arbeitstag dauert um die 14 Stunden. Der Umsatz ist inzwischen konstant hoch. Einen längeren Urlaub kann die Familie sich dennoch nicht in jedem Jahr leisten.

Jeden Tag frisch

In Aachen, Düren, Brühl und Euskirchen hat sich das Paar inzwischen eine Stammkundschaft erarbeitet ­— mit Qualität und Freundlichkeit, wie Goeke sagt. Den Teig rühren die Crêpe-Bäcker jeden Tag frisch an. Außerdem wichtig sei gutes Wetter. Für diesen Bend hoffen sie daher noch auf einige Sonnentage.

Immer mit dabei sind Tochter Joyce und Sohn Jacky Junior. Die Schulbank drücken sie folglich alle paar Wochen in einer anderen Stadt. „Eigentlich ziemlich cool“, findet der elfjährige Jacky Junior das. Immer, wenn er in Aachen ist, sieht er täglich seinen besten Freund. Während der Wintermonate, wenn die Familie zu Hause in Düren ist, geht das nicht. Zum Saisonauftakt werden Wohnanhänger, Bude und Material von hier aus dann in drei Fuhren zum Osterbend transportiert.

Mit einer deutlich größeren Flotte reist Familie Löffelhardt zum Bend an: Drei Zugmaschinen ziehen die Wohnwagen und den Mannschaftscontainer, die ausgefahren zwischen 25 und 80 Quadratmeter messen. Ein Wagen transportiert den 40 Tonnen schweren Mittelbau des „Ghost Rider“, zwei weitere Packwagen laden jeweils 25 Tonnen, die in dem Fahrgeschäft verbaut sind. Rund 15 Stunden brauchen sechs Personen für den Aufbau. Kühne Fahrgäste können sich dann in Gondeln wagen, die sich auf einer drehenden Plattform um die Vertikal- und Horizontalachse drehen.

Das Schaustellerleben im Blut

Dirk und Manuela Löffelhardt fahren mit dem „Ghost Rider“ durch ganz Deutschland und ins europäische Ausland. Auch ihnen liegt das Schaustellerleben im Blut: Manuela Löffelhardts Großeltern betrieben ein Kinderkarussell und eine Überschlagschaukel, ihr Vater bereits ein größeres Fahrgeschäft. Nachdem sie mit Entenangeln ins Schaustellergeschäft eingestiegen waren, übernahmen Dirk und Manuela Löffelhardt das Fahrgeschäft des Vaters.

Der vor einigen Jahren angeschaffte „Ghost Rider“ sei nun der „Mercedes unter den Fahrgeschäften“, betont Manuela Löffelhardt — das Geschäft verfüge weltweit als einziges über freischwingende Gondeln. Konkurrenz sei daher kein Problem, sagt sie. Trotz des eher schlechten Wetters seien auch die ersten Bend-Tage gut angelaufen. „Wenn die Qualität stimmt, kommen die Leute“, sagt Löffelhardt. Dazu gehöre nicht nur eine spektakuläre Fahrt für die Gäste, sondern auch eine aufwendige Show für die Zuschauer.

„Das Fahrgeschäft ist einfach Kult und wird noch viele Jahre super laufen.“ Davon geht auch Tochter Chantal aus: Die 20-Jährige ist gemeinsam mit ihrem Freund bereits ins Geschäft der Eltern eingestiegen. Auch die 15-jährige Joana kann sich aktuell nichts anderes vorstellen. Dirk Junior ist erst vier und soll wie seine Schwestern zunächst bis zur mittleren Reife privaten Schulunterricht erhalten. Auch wenn es für die Famile gut läuft: „Man darf die Arbeit nicht in Stunden umrechnen“, sagt Löffelhardt. „Wir leben für unseren Beruf.“ Sie sei froh, wenn sie nach sechs Wochen zu Hause wieder unterwegs sein könne.

Familie Goeke geht es ähnlich. „Vor dem Weihnachtsmarkt freut man sich, bald nach Hause zu kommen“, sagt Jacky Goeke. „Aber wenn im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen kommen, will man wieder raus.“

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