Aachen: Glyphosat: Aachener Mediziner initiiert Petition gegen Pestizid

Aachen: Glyphosat: Aachener Mediziner initiiert Petition gegen Pestizid

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist hochumstritten und der Widerstand in der Bevölkerung groß. Der Aachener Internist Dr. Jan Salzmann hat über die Kampagnen-Plattform „Campact“ die Petition „Ärzte gegen Glyphosat“ ins Leben gerufen.

Knapp 7000 Ärzte sind seinem Aufruf gefolgt, der an Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und den Präsidenten des Bundesamtes für Risikobewertung, Andreas Hensel, übergeben wurde. Eine Reaktion gab es nicht. Im Interview spricht der 48-Jährige über seine Vorbehalte gegenüber Glyphosat und die globale Perspektive.

Es gibt etliche Studien, die Glyphosat als unbedenklich einstufen. Zuletzt haben die Welternährungs- und die Weltgesundheitsorganisation einen neuen Bericht vorgestellt, wonach es „unwahrscheinlich“ sei, dass das Pflanzengift das Krebsrisiko für Menschen erhöht. Warum kämpfen Sie als Arzt trotzdem gegen den Einsatz von Glyphosat?

Salzmann: Die jüngste Studie der WHO hat festgestellt, dass bei sachgemäßer und seltener Anwendung Glyphosat nicht krebserregend ist. Fest steht aber: Glyphosat ist ein Giftstoff, der in hohen Dosen auf jeden Fall giftig für den menschlichen Körper ist. Wir müssen bei Glyphosat eine globale Perspektive einnehmen, denn es wird weltweit eingesetzt, zum Beispiel in Südamerika. Das Pestizid wird dort von Flugzeugen aus auf die Felder gesprüht.

Die Bevölkerung und die Landarbeiter werden in keiner Weise geschützt. Wir hatten hier in Aachen kürzlich Besuch von einem Kinderarzt aus Argentinien. Er hat in seinem Krankenhaus festgestellt, dass die Behinderungen bei Kindern rapide angestiegen sind, seitdem Glyphosat dort in großen Mengen auf den Feldern eingesetzt wird.

Befürworter sagen, dass Glyphosat die Ernteerträge steigert und im Vergleich zu anderen Pestiziden viele Vorteile mit sich bringt.

Salzmann: Diese Argumente unterstützen den Raubbau an der Natur. Die großen Konzerne bringen gentechnisch verändertes Saatgut auf den Markt, das resistent gegen Glyphosat ist. Damit verdienen sie doppelt, weil sie sowohl das Pestizid als auch das dazu passende Saatgut verkaufen. Es ist fraglich, ob gentechnisch manipulierte Lebensmittel überhaupt verantwortbar sind. Es kann nicht das Ziel einer verantwortungsvollen Landwirtschaft sein, das Maximale aus dem Boden herauszuholen. Sondern es sollte darum gehen, Landwirtschaft zu betreiben, die gut für Mensch, Tier und Natur ist.

Was wäre die Alternative?

Salzmann: Es gibt eine Alternative zu Glyphosat: Wenn man die Felder biologisch bewirtschaften würde, müsste man die Risiken, die mit der Verwendung von Glyphosat einhergehen, gar nicht eingehen. Die industrialisierte Landwirtschaft trägt dieses Risiko aber leider in sich.

Wie können sich Verbraucher schützen?

Salzmann: In erster Linie, indem sie Bioprodukte kaufen, weil diese auf Feldern erzeugt worden sind, die ohne Pflanzenschutzmittel bearbeitet wurden. Da Glyphosat natürlich so umfassend eingesetzt wird, gibt es immer irgendwelche Kontaminationen. Hundertprozentig wird sich niemand schützen können. Aber wenn man konsequent Bioprodukte kauft, ist das schon einmal ein guter Weg.