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Hilfsprojekt von Caritas und Apag: Glück spenden statt Parkticket ziehen in Aachen

Hilfsprojekt von Caritas und Apag : Glück spenden statt Parkticket ziehen in Aachen

Projekt von Apag und Caritas: Umfunktionierter Parkscheinautomat soll Wohnungslosen und suchtkranken Menschen in Aachen helfen.

Ein auffällig farbiges Element hat sich eingeschlichen in das gewohnte, doch eher triste Grau im Parkhaus Galeria Kaufhof/City an der Wirichsbongardstraße. Knallgrün leuchtet den Kunden ein direkt an der Einfahrt platzierter Automat entgegen – und der sieht bis auf die markante Farbe aus wie ein Parkscheinautomat. Aber seit wann sind die grün?

„Parkscheinautomat ist nur halb richtig, es war zumindest mal einer“, erklärt Simon Papayianni, technischer Geschäftsführer des Parkhausbetreibers Apag, mit einem Augenzwinkern. Jetzt können die Aachener Bürger zwar immer noch Geld hineinwerfen – statt eines Parkscheins kommt jedoch nun eine Quittung mit dem eingeworfenen Betrag heraus. „Danke, lieber Glücksspender“, steht da geschrieben.

Denn richtig: Dieser Automat in sattem Grün wurde zu einem Spendenautomaten umfunktioniert – mit Hilfe von Apag und der Caritas Aachen kommen diese Spenden Menschen ohne Wohnung und Menschen mit Suchtkrankheiten zu Gute.

Das Problem ist Papayianni und seinen langjährigen Kooperationspartnern von der Caritas längst bekannt. „Wir wissen um die Not von Menschen ohne Wohnung und Suchterkrankten, da diese häufig Zuflucht in einem unserer Parkhäuser suchen. Schön ist das jedoch nicht – weder für sie selbst noch für unsere Kunden“, erläutert der Technische Apag-Geschäftsführer. Wolfgang Offermann, Pressesprecher der Caritas, fügt hinzu: „Aus dieser Gegebenheit können Angst- oder Gefahrensituationen entstehen. Daher sind wir sehr froh, dass die Apag hier aktiv auf uns zugegangen ist und angeregt hat, zu helfen.“ Dies geschieht nun durch den ersten Spendenautomat in Aachen.

Das Prozedere ist leicht: „Beliebig viel Geld hineinwerfen, grünen Knopf drücken, Spendenbeleg erhalten, fertig!“, beschreibt Offermann und führt es gleich einmal selbst vor. Der Erlös durch den Automaten mit der Aufschrift „Glück spenden“ wandert von der Apag zu 100 Prozent in soziale Projekte der Caritas und hilft somit bei der Eingliederung von Suchtkranken und Wohnungslosen.

Ein Projekt der Caritas ist neben den sozialen Einrichtungen „Café Plattform“ und „Troddwar – Kontakt.Netzwerk.Niedrigschwellig.“ auch das Angebot „Querbeet Aachen“. Bereitgestellt von der in die Caritas integrierte Suchthilfe Aachen, richtet es sich an Obdachlose und Drogenkonsumenten, die auf der Suche nach Tagesstruktur und täglicher Beschäftigung sind. Das Ziel: Klienten zeigen, dass die Fähigkeit besteht, das Stadtbild durch die Pflege von Blumenbeeten an verschiedenen Orten eigenständig zu verschönern.

„Wir begleiten unsere Klienten natürlich stets und leiten sie bei der Pflege der Beete an. Wir sind der Meinung, dass durch das aktive Hinausgehen und Sich-Zeigen ein Dialog zwischen den Bürgern und den Klienten entsteht. Die Bürger sollen sehen: Da sind Menschen, die an der aktiven Beteiligung innerhalb der Gesellschaft interessiert sind und trotz ihrer Hintergrundgeschichte etwas tun, um sich einzubringen“, gibt Laurids Elsing, Sozialarbeiter des Projekts „Querbeet“, Einblick in seine täglichen Aufgaben. Er ergänzt: „Für freundliche Gespräche auf der Straße ist der Spendenautomat als Anlaufstelle natürlich ideal. Hier, wo die Apag-Kunden aktiv helfen können, schauen unsere Klienten auch öfter mal an den direkt angrenzenden Beeten vorbei. So entsteht dann der Austausch.“

Elsing und seine Kollegen – wie auch Mark Krznaric, Leiter des „Café Plattform“ – werden durch die Spenden mehr Möglichkeiten geboten, effektiver und breitgefächerter vorzugehen sowie weitere Projekte zu starten.

 Aus dem Automaten kommt eine Quittung mit der Höhe der Glücksspende. 	Foto: Andreas Herrmann
Aus dem Automaten kommt eine Quittung mit der Höhe der Glücksspende. Foto: Andreas Herrmann Foto: Andreas Herrmann

„Wir gehen die Parkhäuser mit unseren Teams aus Streetworkern regelmäßig ab und wissen daher um die Wichtigkeit der Bekämpfung von Suchtkrankheiten und Wohnungslosigkeit. Die Idee mit dem Automaten ist somit ein perfektes Bindeglied zwischen den Notleidenden und der Bevölkerung“, unterstreicht Krznaric. Papayianni verrät: „Selbstverständlich ist es unser Wunsch, weitere ausrangierte Parkautomaten umzufunktionieren. Wir hoffen jetzt auf ein gutes Feedback – und dann können wir weitermachen.“

Gut möglich also, dass nicht nur Autofahrer an der Wirichsbongardstraße in Zukunft zumindest einmal innehalten werden, wenn Sie im Begriff sind, das Parkhaus zu verlassen. Denn irgendetwas leuchtend grünes springt da ins Auge …