Glossiert: Von Clubkultur will Aachener Politik nicht mehr viel wissen

Aufgespießt : Clubs, Kultur – Clubkultur? Fragen Sie lieber nicht . . .

Was ist ein Club? Wer weiß es?! Tja. Auch die leichte Muse wirft zuweilen schwere Probleme auf. Stecken wir das weitläufige Feld also zunächst ein wenig ab. Dazu müssen wir den heiklen Begriff „Club“ allerdings mit einem nicht ganz unwichtigen Hauptwort verkuppeln. Reden wir, wie am Donnerstag im Kulturausschuss geschehen, von Nachtclubs.

Richtig: lokale Lokale mit mehr oder minder hoher Spaßfrequenz zu später Stunde. Wagen wir zwecks Wahrheitsfindung ferner mal einen Blick in ein bekanntes Internet-Lexikon: „Zu den Nachtclubs gehören Bars und Lokale, die klassische Unterhaltung wie Musik und Tanz bieten (…) Teilweise finden in Nachtclubs auch Theater-, Kleinkunst- oder Comedy-Vorführungen statt.“

Alles klar? Naja, die Grünen haben sich jetzt erdreistet zu fragen, was die Stadt denn unternehme, um der darbenden „Clubszene“ (noch so ein blödes Wort!) wieder mehr (Nacht-)Leben einzuhauchen. Auwei. Die Debatte im Ratsausschuss eröffnete der Chef des Kulturbetriebs, Olaf Müller, prompt mit einer Gegenfrage – siehe oben: „Was heißt für Sie Club?“ Sinngemäße Antwort des Grünen Hermann Josef Pilgram: „Das wollten wir eigentlich von Ihnen wissen!“ Immerhin sei die vertrackte Vokabel – von wegen wichtiger Standortfaktor für eine „hippe“ Studentenstadt – vor Jahr und Tag heiß diskutiert worden. Sogar OB Philipp habe dereinst den Schulterschluss mit seiner Verwaltung sowie etlichen Kunstschaffenden gesucht. Zitat: „Ich setze mich für eine lebendige Club- und Musikszene ein, weil dies unverzichtbare Bestandteile des Kulturlebens einer Großstadt sind.“

Okay, das Statement stammt von 2014. Wir erinnern uns dunkel: Damals standen Kommunalwahlen an, der Kampf um die „Club(!)kultur(!)“ war in aller Mandatsträgermunde. Jetzt freilich wollten die Vertreter der meisten Parteien davon nicht mehr viel wissen. „Da geht es um Privatgewerbe. Da sind wir nicht zuständig“, konstatierte Sibylle Reuß (SPD). „Das hat hier nichts zu suchen“, sekundierte CDU-Kollege Hubert Bruynswyck. „Wir müssen das der freien Wirtschaft überlassen“, ergänzte Ruth Crumbach-Trommler (FDP). Da half auch der Hinweis wenig, dass andere Städte gar einen „Nachtbürgermeister“ engagiert hätten zur Förderung des „weichen Standortfaktors“ namens Spaß,  neudeutsch „Work-Life-Balance“ und so.

Stimmt überhaupt! Das Thema stand selbst in Aachen mal auf der Tages- respektive Nachtordnung. Lang ist’s halt her. Und so kam es, dass die fatalen Fragen der Grünen schlicht nicht beantwortet wurden. Immerhin: Dezernentin Susanne Schwier betonte, dass „die Stadt“ sich intensiv bemühe, wichtige Einrichtungen wie den Musikbunker oder das „Kingz Corner“, die sich bekanntlich heftig im Konzessionskladderadatsch verheddert haben, weiter zu unterstützen. Trotzdem haben die Grünen renitenterweise prompt nachgelegt – per Ratsanfrage Nummer zwo, versteht sich. Die wollen jetzt sogar erfahren: „Welche Bedeutung haben für die Verwaltung die Clubszene und das Thema Nachtökonomie für die Stadt Aachen?“

Als ob das noch irgendeiner so genau wissen will . . .