Glossiert: Politiker an Laternen und rosige Zeiten für Falschparker

Glossiert: Politiker an Laternen und rosige Zeiten für Falschparker

In Berlin wird mit Nachdruck daran gearbeitet, eine neue Regierung zu formen. Schwarz-gelb-grün oder besser: Jamaika. In Aachen herrscht hingegen in einigen Gebieten noch Wahlkampf.

Was manchem Bürger keine drei, sondern nur eine Farbe ins Gesicht zaubert: Rot. Aus Ärger darüber, dass der sich uneingeschränkter Unbeliebtheit erfreuende Straßenschmuck noch nicht den Weg allen Irdischen gegangen ist.

Da nützt es auch wenig, wenn eine Partei mit dem Slogan wirbt, dass man nicht länger warten solle. Dann muss man auch handeln. Sonst bleibt es dabei, wobei es in Sachen Wahl (allzu) oft bleibt: bei Wahlversprechen.

Nun reden wir hier nicht von Lappalien. Wahlplakate hängen lassen ist eine Ordnungswidrigkeit! So wie falsch Parken zum Beispiel. Bei Letzterem kennt die Stadt meist kein Pardon und sorgt für klingelnde Kassen. Bad Knöllchen eben. Was die Wahlplakate anbelangt, so sehen die städtischen Ordnungsmenschen offensichtlich keine lukrative Einnahmequelle. Man wolle doch freundlich miteinander umgehen, ließ das Presseamt am Montag verlautbaren. Offensichtlich gesteht man den Parteien durchaus größere Erinnerungslücken zu, wo sie denn ihre Kandidaten aufgehängt haben. Da kann sich die Verweildauer des ein oder anderen Kandidaten an der Laterne schon einmal etwas in die Länge ziehe.

Wir wollen hier nicht der Politikerverdrossenheit das Wort reden. Das wäre wirklich platt wie ein Plakat. Aber dennoch neigen wir dazu, für die Menschen Verständnis zu hegen, die jetzt eben nur noch Laternen sehen wollen. Und keine von dort aus lächelnden Menschen mit mehr oder weniger klugen Sprüchen. Denn so penibel, wie das ordnungsrechtlich vorbildliche Parken geregelt ist, so ist auch festgehalten, wann die Damen und Herren Politiker ihren Ausguck am Laternenmast vorbildlich zu verlassen haben: eine Woche nach der Wahl. Also spätestens am 1. Oktober — am Dienstag haben wir den 24. Oktober. Und auch, wenn der Slogan lautet „Nach der Wahl ist vor der Wahl“, müssen die Plakate binnen Wochenfrist weg. Basta!

Womit wir wieder bei der freundlichen Stadtverwaltung sind. Die bittet darum, noch hängende Politikerinnen und Politiker zu melden. Schließlich gibt es „Call Aachen“ (432-0). Man werde dann die entsprechende Partei kontaktieren und darum bitten, den Parteifreund plakativ zu erlösen. „Die sind dann auch immer sehr einsichtig“, lobt die Stadt die Parteien. Na prima!

Wir wollen die Angelegenheit einmal zum Anlass nehmen, uns auch Gedanken über einen anderen Umgang mit — zum Beispiel — Falschparkern zu machen. Wie wäre es, wenn die Politesse oder der Politeur künftig bei „Call Aachen“ anruft und meldet, dass Herr Mayer oder auch Frau Schmitz leider ihr Gefährt im Halteverbot vergessen haben. Mit einer Schonfrist von bis zu sechs Wochen bekommen die beiden dann Zeit, sich wieder daran zu erinnern, dass sie Autobesitzer sind und vor allem: unter welcher Laterne sie ihren fahrbaren Untersatz (falsch) geparkt haben. So lange drückt die Stadt ein Auge zu. Oder beide. Man will doch freundlich sein. Ehe man Knöllchen kassiert!

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