Aachen: Gleiche Bezahlung, Befristungen und E-Mobilität: Mai-Kundgebung in Aachen

Aachen : Gleiche Bezahlung, Befristungen und E-Mobilität: Mai-Kundgebung in Aachen

Später und jünger als bisher üblich ist vorgestern die traditionelle 1.-Mai-Kundgebung durch die Innenstadt gezogen. Angeführt von der Gewerkschaftsjugend beteiligten sich rund 400 Vertreter aus Sozialarbeit, Politik und Gewerkschaften am Demonstrationszug vom DGB-Haus zum Aachener Marktplatz.

Auch thematisch wurde mit der Fokussierung auf regionale Belange und die E-Mobilität ein neuer Schwerpunkt gesetzt, der bei den Bürgern auf reges Interesse stieß.

Schon beim Gang zur Hauptveranstaltung über die Jülicher Straße und die Monheimsallee lagen den Marschierenden immer wieder symbolische Steine im Weg. Diese standen wahlweise für die ungleiche Bezahlung von Mann und Frau oder für befristete Arbeitsverhältnisse.

Diese Unwegsamkeiten griff auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Aachen, Ralf Woelk in seiner Ansprache auf dem Marktplatz auf. Dort forderte er vor allem die Abschaffung von sachgrundlosen und Kettenbefristungen sowie einen entschlossenen Kampf gegen Ausbeutung: „Wenn Beschäftigte aus Osteuropa zum Arbeiten hierher geschickt werden, dann müssen hinter dem Lenkrad und auf den Feldern auch die deutschen Arbeitsrechte gelten“, sagte er.

Auch kritisierte Woelk die im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung festgehaltene Sonderregelung für Zeitungszusteller, die bis 2023 eine Reduzierung der Rentenbeiträge für diese Berufsgruppe um zehn Prozent vorsieht. „Diese Last müssten dann die Zusteller selbst tragen, und wenn die Bundesregierung das tatsächlich umsetzen will, werden wir uns mit aller Kraft dagegen wehren“, kündigte er an.

Bei gelöster Volksfeststimmung vor dem Rathaus ging es dann mit der regionalen Arbeitsmarktentwicklung weiter. Die Diskussion darüber ist derzeit kaum zu führen, ohne dabei auf Professor Günther Schuh zu stoßen. Der e.GO-Gründer baut gerade im Stadtteil Rothe Erde die Serienproduktion für das Elektroauto auf, was mittelfristig rund 500 neue Arbeitsplätze schaffen dürfte, wie er sagte.

Dabei wolle er ein besonderes Augenmerk auf die Arbeitnehmer richten: „Es gibt keine Ausreden, als Startup-Unternehmen schlechtere Bedingungen zu bieten als etablierte Großkonzerne — nur so kann man die auch die guten Leute zu sich locken.“ Insgesamt, so Schuh, vermisse er aber in Aachen noch die Entschlossenheit, das industrielle Wachstum stärker durch mehr Bauflächen und zusätzlichen Wohnraum zu fördern.

Daniela Jansen, die bei der IG Metall Aachen das Projekt E-Mobility betreut, sieht in den neuen Arbeitsplätzen auch eine Chance für Langzeitarbeitslose, wovon es in der Städteregion besonders viele gebe. „Durch berufliche Bildung, Qualifizierung und Weiterbildung können wir ein schönes Wollknäuel bündeln, das dann möglichst gewinnbringend auch durch Aachen rollt“, sagte sie.

Vor allem diese Diskussionen um Strukturwandel und zukunftsfähiger Industrieproduktion lockte viele Bürger vor die Bühne auf dem Marktplatz. Dort präsentierten sich neben den Parteien und Gewerkschaften auch Sozialverbände und Friedensbewegungen sowie Vertreter des Kurdischen Volkshauses Aachen. Sowohl beim Demonstrationszug als auch bei der Kundgebung gab es keine gewalttätigen Zwischenfälle.

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