Aachen: Glasklarer Blick in die Geschichte

Aachen: Glasklarer Blick in die Geschichte

Es ist vermutlich Aachens ältestes archäologisches Fenster, aber hineingeschaut hat schon lange keiner mehr. Ging ja auch nicht, so blind wie die Glasscheibe mit den Jahren geworden war. Gestört hat das allerdings auch lange keinen, schließlich war Aachens ältestes archäologisches Fenster so alt, dass sich kaum noch einer an seine Existenz erinnerte . . .

Doch nach der Wiederentdeckung des kleinen Guckkastens im Marktpflaster gleich an der Rathausfront vor gut eineinhalb Jahren - gleichsam auch eine archäologische Entdeckung - soll sich dies nun ändern.

Gerade haben die Arbeiten begonnen, um das gleich neben „Postwagen” und „Ratskeller” liegende Fenster in die Vergangenheit wieder aufzumöbeln. Ähnlich wie an der Klappergasse soll die neue Glasscheibe des archäologischen Fensters schräg auf einem eigenen „Korpus” liegen. „Wir hoffen, dass wir damit nach den Sommerferien fertig sein werden”, sagt Rita Klösges vom städtischen Presseamt auf Anfrage.

Dann sollen die Blicke der Betrachter wieder glasklar auf Reste der karolingischen Originalsub-stanz des Rathauses fallen. Erspäht werden können dabei aber auch antike Relikte, da die Karolinger just an dieser Stelle Teile eines römischen Grabsteins zweitverwertet hatten - weswegen der frühere Stadtkonservator Leo Hugot wohl in den 60er oder 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts das ursprüngliche Fenster anlegte. Das schätzt jedenfalls Stadtarchäologe Andreas Schaub, für den sich der Guckkasten gut in die Reihe der jüngsten archäologischen Funde in der City einfügt.

Und es fügt sich auch gut, dass genau dort in Kürze eine Bronzeminiatur des Rathauses aufgestellt wird, die der Rathausverein stiftet. Das neueste Modell gleich neben dem ältesten archäologischen Fenster - das passt. Zumal man dann in das Fenster auch wieder hineinschauen kann.