Giftig und teuer: Klärschlamm im Aachener Stadtwald

Klärschlamm im Aachener Stadtwald : Das Gift hat das Grundwasser erreicht

Was unsere Altvorderen vor rund 60 Jahren noch sorglos in den Aachener Stadtwald gekippt haben, bereitet der Umweltbehörde anhaltend schwere Probleme. Seit 2015 laufen in der Nähe des Waldfriedhofs die Untersuchungen, welche Gefahren von den Klärschlämmen ausgehen, die Ende der 1960er Jahre aus der Kläranlage Soers in einem ehemaligen Kalksteinbruch entsorgt wurden. Inzwischen ist klar: Das Grundwasser ist mit Chlorbenzol und Benzol verseucht.

Bei der Stadt wird die Altablagerung unter dem Kürzel „AA 9896“ geführt. Die Fläche südlich des Wildparkwegs ist rund 1500 Quadratmeter groß, schlammig, zugewuchert und eher unzugänglich. Eben deshalb gehen die Fachleute der Verwaltung davon aus, dass Waldbesucher eigentlich nichts zu befürchten haben. Nicht mal Pilzsammler würden sich ins Unterholz verirren – zumal dort ohnehin keine Pilze zu finden seien.

Im Untergrund aber gammelt und modert bis in eine Tiefe von zwölf Metern so ziemlich alles vor sich hin, was man dort lieber nicht haben will: Schwermetalle, Reste von Pflanzenschutzmitteln, Phenole, Chlorbenzole und andere Gifte mehr, die seinerzeit in der Kläranlage Soers aufgefangen und dann in der Grube im Wald abgeladen wurden. Derart belasteter Klärschlamm wird heutzutage meist verbrannt. Früher wurde die Gefahr offenbar nicht sonderlich groß eingeschätzt – ob aus Unkenntnis oder Arglosigkeit, das ist schwer einzuschätzen. Fakt aber ist, dass dies Stadt und Land heute teuer zu stehen kommt.

Denn mit Hilfe aufwendiger Bohrungen sowie Boden- und Wasserproben muss erkundet werden, was sich im Untergrund abspielt. Noch immer sind die Bodenverhältnisse nicht eindeutig geklärt, unklar ist insbesondere, wie stark sich die Gifte im Grundwasser bereits ausgebreitet haben. Um den „Grundwasserabstrom“ auszukundschaften, wurden bereits zwei Messstellen angelegt. Eine lieferte „unauffällige“ Ergebnisse, an der anderen wurden hingegen Proben mit einem deutlichen Lösemittelgeruch und einem bedenklichen Chlorbenzolgehalt von 180 Mikrogramm pro Liter hervorgeholt. Immerhin: Bei mehreren Proben aus dem Beverbach und einem ganz in der Nähe vorbeifließendem namenlosen Bach konnten nach Angaben der Stadt keine Belastungen festgestellt werden.

Eine dritte Messstelle soll nun weitere Erkenntnisse über die Ausbreitung des Grundwasserschadens liefern, wie die Fachverwaltung in einem Bericht für den Umweltausschuss darlegt, der sich am 10. September einmal mehr mit der Thematik befassen wird. Bis sie eingerichtet werden kann, muss noch eine Baustraße angelegt und das Gebiet nach Kampfmitteln abgesucht werden. Frühestens im Juli nächsten Jahres könne dann die erste Probe genommen werden. Drei weitere werden dann im Abstand von jeweils drei Monaten genommen. Rund 220.000 Euro wird diese „erweiterte Detailuntersuchung“ kosten, 80 Prozent davon übernimmt das Land.

Vom Gutachterurteil, das bis Ende 2021 vorliegen soll, wird abhängen, wie die Stadt mit der Altablagerung „AA 9896“ weiter verfährt. Denkbar ist eine weitere Beobachtung, aber auch eine kostenträchtige Abdichtung der Deponie. Im schlimmsten Fall muss sie sogar ausgebaggert und abgetragen werden – was dann mehrere Millionen Euro verschlingen könnte.

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