Gewoge plant 58 neue Wohnungen in Aachen-Forst

Gewoge plant 58 Wohnungen : Neubauprojekt in Aachen-Forst bringt Nachbarn in Rage

Die städtische Gewoge will im Gebäudekarree zwischen Freunder Weg, Mataré- und Zeppelinstraße 58 Wohnungen in mehreren Blocks errichten. Das Areal soll durch eine neue Stichstraße namens Auguste-Sartorius-Weg erschlossen werden. Das Konzept erregt die Gemüter der Anwohner, weil Freiflächen in erheblichem Umfang wegfallen sollen.

„Alles bleibt so, wie es ist!!“ Die Forderung, die die Anwohner in großen Lettern am Eingang zum beschaulichen Innenhof am Freunder Weg in Forst hinterlassen haben, ist alles andere als in Stein gemeißelt. Und das nicht nur, weil sie lediglich mit weißer Kreide aufs Pflaster gemalt worden ist. Im Gebäudekarree zwischen Freunder Weg, Mataré- und Zeppelinstraße sind die ersten Ausschachtungsarbeiten zur Errichtung neuer Wohnblocks nämlich bereits im Gange. Am Bonifatiusweg ackern die Baggerschaufeln. Die Bürger im Umfeld klettern unterdessen auf die sprichwörtlichen Barrikaden.

Ordensfrau als Straßenpatin

58 Wohnungen will die städtische Gewoge, einen Steinwurf entfernt vom eben erst fertiggestellten Neubaugebiet „Guter Freund“ am Eisenbahnweg, auf dem etwa 3500 Quadratmeter großen Innenareal in Altforst schaffen. Sogar eine eigene Adresse gibt es bereits: Die Erschließung soll über eine kleine Stichstraße erfolgen, welche die Stadt Auguste-von-Sartorius-Weg getauft hat. Die gebürtige Aachenerin (1830-1895) wirkte vor allem als Generaloberin des Schwesternordens vom Heiligen Herzen Jesu und Gründerin des Kindermissionswerks der Sternsinger, das seine Wurzeln bekanntlich ebenfalls in der Kaiserstadt hat.

Die Erschließung soll über die neue Auguste-von-Satorius-Weg erfolgen. Foto: grafik

„Im Prinzip sind wir durchaus damit einverstanden, dass hier neue Wohnungen entstehen“, betonen Elisabeth Jaeger und ihr Sohn Til, die sich vor über 20 Jahren in der Zeppelinstraße niedergelassen haben. Elisabeth Jaegers Ehemann zeichnet als Architekt und einer der Bauherren mit verantwortlich für die Schaffung einer kleinen Wohn- und Gartenanlage, in der Menschen unterschiedlicher Generationen und Professionen seit Jahr und Tag gemeinsam leben und teils auch arbeiten. „Wenn das Gewoge-Projekt so realisiert wird, wäre der größte Teil der grünen Freiflächen gleich nebenan aber verloren“, kritisiert Til Jaeger. Vier große Gebäude mit jeweils zwei Etagen plus Staffelgeschoss, bis zu knapp 13 Meter tief und laut Jaeger bis zu drei Meter höher als zumindest ein Teil der angrenzenden Häuser, sind auf dem Plan eingezeichnet, den er vor sich ausbreitet.

Vorgesehen ist unter anderem, den Vorgartenbereich der Mehrfamilienhäuser Freunder Weg 30 bis 36, die besagten grünen Hof einige Meter versetzt zur Straße begrenzen, zu versiegeln, um Stellplätze zu schaffen – was deren Bewohner besonders ärgert. „Wir wohnen hier schon seit 1968“, erzählt Helga Dautzenberg, „damals sind wir hergezogen, weil die Kinder genügend Platz zum Spielen in sicherer Umgebung hatten. Wir möchten, dass das auch für unsere Enkel so bleibt.“

Vorgarten-Idyll soll bleiben: Die Anwohner des Freunder Wegs sind gar nicht einverstanden mit den städtischen Plänen, den kleinen Platz zwischen ihren Häusern zu versiegeln, um Parkplätze zu schaffen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Etliche Nachbarn, die sich auf der kleinen Wiese im Schatten eines blühenden Kirschbaums vor den Häusern versammelt haben, nicken einmütig. Von der Stadt seien sie nicht einmal informiert worden, von einer Beteiligung ganz zu schweigen. „Unsere Einwände sind einfach abgeschmettert worden – jetzt bliebe uns nichts anderes übrig, als zu klagen“, sagen die Jaegers. Und betonen nochmals: „Es ist okay, dass hier neuer Wohnraum geschaffen wird. Allerdings würden wir uns wünschen, dass eben nicht nur sozial gebundene Wohnungen entstehen.“ Schließlich erklärten die Politiker immer, dass man großen Wert darauf lege, weniger und besser Betuchte bei Neubauten gleichermaßen zu berücksichtigen, unterstreicht auch Nachbarin Julia Miebach. Was bei Projekten wie dem „Guten Freund“ oder auch im neuen Kronprinzenquartier nahe dem Bahnhof Rothe Erde ja auch der Fall sei. Gäbe es auch hier einen privaten Bauherrn, hätte die Stadt ihm gewiss entsprechende Auflagen gemacht, meinen die Anwohner.

Dort gibt man sich auch auf Nachfrage unserer Zeitung eher einsilbig. „Die Kritik der Bürger ist uns natürlich bekannt“, sagt Stefan Herrmann vom Presseamt. Das Projekt werde zu 100 Prozent aus öffentlichen Mitteln gefördert, um dem dringenden Bedarf gerade an preiswerten Wohnungen Rechnung zu tragen. Sämtliche gesetzliche Vorgaben seien selbstverständlich erfüllt. Daher liege eine Teilgenehmigung für erste Erdarbeiten bereits vor. Das Genehmigungsverfahren für den Hochbau laufe noch. Aus Sicht der Anwohner sei der Protest zwar verständlich. Den Vorwurf, dass man sie noch nicht einmal über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt habe, könne er allerdings nicht kommentieren.

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