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Gewerkschaft will Tarifverhandlungen mit Arbeitgebern fortsetzen

Gebäudereiniger streiken in Aachen : Die „Unsichtbaren“ wollen mehr Anerkennung

Sie machen eine dreckige Arbeit – im wahren Sinne des Wortes – und werden kaum wahrgenommen: Am Mittwochmorgen sind in Aachen Gebäude- und Glasreiniger für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen. Sie proben den „Aufstand der Unsichtbaren“.

„Wir wollen die Arbeitgeber wieder an den Verhandlungstisch bringen!“ Antonia Kühn, Regionalleiterin der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) wirkt energisch, als sie das Megafon in die Hand nimmt und zu den rund 70 Beschäftigten aus der Reinigungsbranche spricht. Die Arbeitnehmer haben sich am Mittwochmorgen vor dem DGB-Haus an der Aachener Dennewartstraße versammelt, um auf ihre Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Und darauf, dass nach der sechsten Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern die Gespräche abgebrochen worden seien, ohne Ergebnis und ohne neuen Termin. „Das wollen wir nicht akzeptieren“, erklärt Kühn.

10.000 Beschäftigte in der Region

Dabei geht es den Gebäude- und Glasreinigern – in der Region Aachen sind es nach Schätzung der IG BAU rund 10.000 Männer und Frauen – gar nicht um den eigentlichen Lohn. „Es geht um die Rahmenbedingungen“, so Kühn und erzählt: „Viele Reinigungskräfte arbeiten abends, nachts oder früh morgens. Auch teilweise an Wochenenden und Feiertagen. Dafür sollten sie auch Zuschläge bekommen.“ Weihnachtsgeld gebe es auch nicht, „darum wollen wir zumindest zum Ende dieses Jahres eine Sonderzahlung aushandeln“, sagt Kühn.

Überhaupt sei der Verdienst für die teilweise körperlich schwere Arbeit sehr gering. Der branchenübliche Mindestlohn liege bei 10,56 Euro. Mehr als 1500 Euro pro Monat verdiene kaum jemand. „Hinzu kommt, dass viele Stellen keine Vollzeitstellen sind“, erklärt Kühn.

Überwiegend weibliche Branche

Zwar sind rund 80 Prozent der Beschäftigten in der Gebäudereinigung weiblich, in Aachen gehen an diesem Tag trotzdem fast nur Männer auf die Straße. Das liege daran, dass es bundesweit mehrere verschiedene Aktionen gebe, und in Aachen seien eben die Glas- und Industriereiniger auf die Straße gegangen.

Der von der IG BAU organisierte Streik dauert nach Gewerkschaftsangaben drei Tage an. Betroffen sind in der Region Aachen vor allem große Glasreinigungs- und Industriereinigungsfirmen. Und auch am Donnerstagmorgen soll es noch mal richtig laut werden in Aachen: Am Europaplatz wollen die Gebäudereiniger im intensivsten Berufsverkehr eine „Hup-Aktion“ starten. Mit einem großen Plakat sollen die Autofahrer zum „Sympathie-Hupen“ aufgefordert werden.