Aachen: Gewerbegebiete: Politik sucht den Schulterschluss

Aachen : Gewerbegebiete: Politik sucht den Schulterschluss

Spätestens seit Gründung der Städteregion vor knapp neun Jahren ringen die Kommunen im Dreiländereck um Möglichkeiten, dem vielfach eklatanten Mangel an Gewerbeflächen mit effektiven — und gemeinsamen — Strategien entgegenzuwirken.

Und nicht erst beim jüngsten Forum von AZ und Industrie- und Handelskammer rund um den neuen Flächennutzungsplan stand die Forderung massiv im sichtlich begrenzten Raum: Auch und gerade die Stadt Aachen benötige unbedingt weitere Standorte zur Ansiedlung von Unternehmen — besser heute als morgen. Mit zwei Ratsanträgen wollen die Fraktionschefs von CDU und SPD im Rat, Harald Baal und Michael Servos, jetzt quasi aus der Platznot eine wirtschaftspolitische Tugend machen: Die Aachener Verwaltung möge umgehend prüfen, wie Kooperationsmodelle zwischen zwei oder mehreren Kommunen zur Realisierung gemeinsamer Gewerbegebiete konkret aussehen könnten. Zudem soll untersucht werden, inwieweit bestehende Areale weiter verdichtet werden können.

Insbesondere durch ein exemplarisches Modell, eine Art „Blaupause“ (Baal) für mögliche künftige Projekte auf interkommunaler Ebene, könne der Druck aus dem Kessel namens Flächenbedarf damit schnellstmöglich herausgenommen werden, argumentieren die Vertreter der großen Koalition. Entsprechende Willensbekundungen etwa seitens der Bürgermeister der Städteregion gebe es zwar längst — und durchaus Kapazitäten. Zudem würden bereits Gespräche sowohl auf politischer als auch auf Verwaltungsebene — vor allem mit der Stadt Eschweiler — geführt. „Aber wir können jetzt nicht mehr warten“, unterstreicht Servos. „Wir müssen endlich zu gemeinsamen Lösungen kommen.“

Daher seien die städtischen Experten gefordert, ein Konzept vorzulegen, in dem die Aufgabenverteilung zwischen den potenziell beteiligten Kommunen und gegebenenfalls Grundstückseignern klar und „anhand eines Beispiels“ definiert werde. Zu regeln gäbe es da freilich allerhand, etwa, was die Details der Erschließung, der Finanzierung und sodann natürlich auch die Verteilung der Gewerbesteuereinnahmen angehe. Erst jüngst jedoch hätten die Stadt Eschweiler und die Gemeinde Inden gezeigt, dass ein solcher Schulterschluss auch in der Praxis funktionieren könne.

Wobei Servos und Baal unisono und mit Nachdruck betonen, dass letzterer Aspekt dabei keineswegs der entscheidende sei. Vielmehr gelte es, sich in entscheidenden Fragen rund um die wirtschaftliche Zukunft der Region endgültig vom berühmt-berüchtigten Kirchturmdenken zu verabschieden. „Es muss jetzt vor allem darum gehen, Planungsrecht zu schaffen, um Arbeitsplätze zu erhalten und zu generieren“, sagt Baal.

Dabei blicken die Politiker nicht zuletzt auf den sogenannten Regionalplan der Bezirksregierung, in dem bis Mitte des kommenden Jahrzehnts neu festgelegt werden soll und muss, wie groß die jeweiligen Flächenbedarfe in den Kommunen zu veranschlagen sind. „In diesem Sinne könnten alle Beteiligten profitieren, wenn etwa die eine Gemeinde reichlich Flächen vorweisen, aber nicht ausreichend Bedarf für neue Gewerbeansiedlungen geltend machen kann“, findet Harald Baal. Ansätze gebe es da aktuell etwa im Rechtsrheinischen, wo entsprechende Verträge zwischen der Stadt Bonn — ebenfalls auf dringender Suche nach Flächen — und dem benachbarten Rhein-Sieg-Kreis erarbeitet würden.

Unterdessen dürften auch Chancen zur weiteren Nutzung bestehender Gewerbegebiete im Stadtgebiet nicht unterschätzt werden, betonen die Politiker. Mit dem zweiten Antrag wolle man daher darauf hinwirken, mehrgeschossige Nutzungen zu ermöglichen, indem Gebäude schlicht aufgestockt würden. Seit den späten Tagen der Industrialisierung sei diese Option durchaus vernachlässigt worden, findet Servos. Kurzum: „Wir müssen alles daran setzen, dass ein Unternehmen, das heute eine Anfrage nach einem möglichen Standort in der Region stellt, möglichst bereits morgen eine konkrete Antwort erhält.“

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