Aachen: „Gewaltlos Stark“: Aktiv werden, bevor Männer daheim prügeln

Aachen: „Gewaltlos Stark“: Aktiv werden, bevor Männer daheim prügeln

Häusliche Gewalt ist mitunter immer noch ein Tabu. Die Opfer sind in den meisten Fällen Frauen. Für den Opferschutz gibt es zahlreiche Angebote. Die Täter werden jedoch abseits der Justiz eher selten in den Blick genommen. Der SKM, Katholischer Verein für soziale Dienste in Aachen, bietet nun ein Projekt für Täterarbeit im Kontext häuslicher Gewalt namens „Gewaltlos Stark“.

„Nach unserem Start vor ein paar Monaten haben wir die ersten zarten Pflänzchen der Erfahrung gesammelt“, sagte Torsten Nyhsen, Geschäftsführer des SKM. Die Arbeit setzt sich aus drei grundlegenden Bausteinen zusammen: Einzelberatung von Tätern mit dem Ziel der Gewaltvermeidung, Koordination von Täterarbeit und Opferschutz sowie Prävention durch Information und Aufklärung.

„Das langfristige Ziel ist natürlich die Prävention, besonders das Durchbrechen der Gewaltspiralen. Denn häufig wird Gewalt in Familien tradiert“, so Nyhsen. Zielgruppe sind erwachsene Männer, die gegenüber ihrer Partnerin oder Ex-Partnerin gewalttätig sind oder waren oder befürchten, dies künftig zu werden. Neben der freiwilligen Wahrnehmung der Einzelberatung besteht auch die Möglichkeit der Vermittlung, etwa durch das Jugend- oder Gesundheitsamt. Darüber hinaus kann beispielsweise ein gerichtliches Verfahren unter der Auflage, dass der angeklagte Täter die Beratung in Anspruch nimmt, eingestellt werden.

„Der Mann braucht einen Raum, um sich verstanden zu fühlen. Das ändert natürlich nichts daran, dass Gewalt indiskutabel ist“, meinte Andrea Crombach, Leiterin des Projekts. „Die Gewalt ist meistens gelernt, und für den Mann war sie wohl die einzige Konfliktlösungsstrategie“, ergänzte sie. In den wöchentlichen Beratungssitzungen, die zunächst auf ein Dreivierteljahr ausgelegt sind, wird daher versucht zu eruieren, wie genau man in dieser Situation anders hätte reagieren können. Somit sollen den Tätern dauerhafte alternative Konfliktlösungsstrategien aufgezeigt werden.

Die Beratung verfolgt einen systemischen Ansatz: Nicht nur die Gewalt an sich, auch das Umfeld des Täters wird in den Blick genommen, etwa die Einkommenssituation oder mögliche psychische Belastungen. Zudem soll verdeutlich werden, dass Gewalt nicht nur auf physischer, sondern auch auf psychischer, sozialer und ökonomischer Ebene ausgeübt werden kann. Von den zehn Männern, die sich zu Beginn des Projektes gemeldet hatten, sind derzeit noch vier in Beratung. Der SKM hofft, durch die Täterarbeit auch effektiv zum Opferschutz beizutragen.

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