Gewächshäuser aus Aachen kommen ins Freilichtmuseum Kommern

Gebäude werden versetzt : Futuristische Glaskuppeln ziehen von der Soers in die Eifel

Am Rande des Müschparks in der Aachener Soers führen sie eher ein Schattendasein, die futuristisch anmutenden Gewächshäuser, die einmal für berufliche Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen angelegt worden sind. Nun sollen einige der Bauwerke wieder ins Rampenlicht: als Exponate des Freilichtmuseums Kommern.

„Die Gewächshäuser passen wirklich gut zu uns“, sagt Daniel Manner. Der Kulturanthropologe ist beim Freilichtmuseum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Kommern für die Pressearbeit zuständig. Er und seine Kollegen haben kürzlich eine Lieferung aus Aachen erhalten. Es geht, wie beim Freilichtmuseum zu vermuten, um alte Bauwerke. Aber in diesem Fall um nicht ganz so alte, wie manch einer denken mag.

Seit einiger Zeit gibt es in Kommern bereits die „Baugruppe Marktplatz Rheinland“, in der Häuser gezeigt werden, die in der Nachkriegszeit in unserer Region typisch waren und sind: Bunkeranlagen, ein Quelle-Fertighaus oder eine Gaststätte aus Nörvenich beispielsweise. Und jetzt eben die Gewächshäuser aus Aachen.

„Die Glasbauten sind deshalb genau das richtige, weil wir auch Wirtschaftsgebäude aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausstellen möchten“, erklärt Manner. Klar, es wurde nicht nur gewohnt, sondern eben auch gegärtnert.

Tankstelle gesucht

Und darum geht es bei der neuen Baugruppe: Sie soll die Urbanisierung des ländlichen Raumes zeigen, verbunden mit der Auflösung traditioneller ländlicher Ortsbilder. Um einen Marktplatz herum werden verschiedene Gebäude ganz unterschiedlicher Bereiche der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit errichtet. Und auch wenn die Darstellung im Freilichtmuseum mit der historischen Realität nicht identisch sein kann, lassen die vielen Gebäude auf dem Marktplatz Rheinland das Leben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anschaulich und nachvollziehbar werden. Fertig ist das Ganze noch nicht, derzeit sei man beispielsweise noch auf der Suche nach einer Tankstelle, erklärt Manner.

Doch zurück zu den Aachener Gewächshäusern am Rande des Müschparks. Das Gutshaus und der Park, ursprünglich angelegt im 19. Jahrhundert, wurden 1986 auf das Kolpingwerk übertragen und zu einer Begegnungsstätte für europäische Jugendliche umgebaut. Der Park selbst diente in dieser Zeit als Lehrobjekt und Betätigungsfeld für die berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen. Aus diesem Grund wurde unter anderem eine Schulungsgärtnerei und auch die Glasgewächshäuser angelegt.

Doch auch wenn die Häuschen immer wieder das Interesse etwa von Filmteams auf sich zogen: Es war lange still um die im Privatbesitz befindlichen Halbkugeln – bis der Kontakt zum Museum hergestellt war.

Abbauen, lagern, aufbauen

Zunächst haben sich Bauhistoriker und Architekten des Museums ein Bild von den Glaskuppeln gemacht. Dann kamen die Handwerker zum Zuge, denn bei den Exponaten eines Freilichtmuseums ist es mit dem Aufhängen an eine Wand oder mit dem Aufstellen in einer Vitrine nicht getan. „Wir haben ein Team aus Zimmerern und Schlosser, das für den behutsamen Ab- und Aufbau unserer Exponate zuständig ist“, erklärt Manner auf Anfrage. Fünf Glashäuser wurden Stück für Stück abgebaut und werden derzeit in Kommern eingelagert.

Wann die Aachener Kuppelgewächshäuser in Kommern für die Museumsbesucher zu sehen sein werden, steht noch nicht fest. „Sie stehen auf unserer Prioritätenliste nicht ganz oben“, räumt Manner ein. Wer trotzdem mehr über die Häuser, ihre Geschichte und ihre Zukunft im Museum erfahren möchte, sollte am Donnerstag, 5. September, um 17 Uhr zur Sitzung des Planungsausschusses ins Verwaltungsgebäude Marschiertor, Sitzungssaal 170, an der Lagerhausstraße kommen. Denn dann wird Dr. Josef Mangold, Leiter des LVR-Museums, über das Vorhaben berichten.

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