Gesucht: Neue Impulse für Party- und Musikleben in Aachen

Clubszene in Aachen : Politik fordert mehr Lichtblicke für Nachtschwärmer

Wie kann die Stadt der gebeutelten Aachener Clubkultur neuen Rückenwind geben, nachdem weitere bekannte Flaggschiffe der Konzert- und Partyszene – wie zuletzt der Musikbunker – angesichts ungelöster Lärmprobleme ins Schlingern zu geraten drohen?

Die Frage beschäftigt auch die Politik wieder in wachsendem Maße: Jetzt soll sich der Kulturausschuss des Rates mit der aktuellen Situation befassen. Das jüngste „Opfer“ hieß „Kingz Corner“. Die Veranstaltungsstätte an der Königstraße, betrieben vom gleichnamigen Verein, der sich besonders mit musikalischen Angeboten für jüngere Leute engagiert, musste aufgrund „gaststätten- bzw. bauordnungsrechtlicher Anordnungen“ durch die Stadt ihr Programm massiv eindampfen. Abendliche Partys etwa sind dort seit Januar nicht mehr möglich, wie die Verwaltung nach einer Anfrage der Grünen jetzt nochmals wissen ließ.

Die Fraktion hat den Kulturbetrieb nun nämlich aufgefordert, im Zusammenhang mit jüngsten Schließungen beziehungsweise aktuellen Problemen im Hinblick auf Konzessionen für einschlägige Lokalitäten – allen voran der Musikbunker am Frankenberger Park – über die momentane Situation der örtlichen Clubszene zu berichten. Bereits seit Jahren hätten „Vielfalt und Lebendigkeit des kulturellen Lebens“ in erheblichem Maße nachgelassen, merken die Grünen an. „Deshalb sollten sich Verwaltung und Politik des Problems annehmen“, betont Fraktionssprecherin Melanie Seufert. In der nächsten Sitzung des städtischen Kulturausschusses (Donnerstag, 28. März, 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße) begehren die Grünen nun Antwort auf eine Reihe von Fragen an die Adresse der zuständigen Fachbereiche.

So sind in den vergangenen zehn Jahren mindestens vier Clubs geschlossen worden, weil die erforderlichen baurechtlichen Nutzungsgenehmigungen nicht vorlagen, so die Verwaltung. Betroffen waren demnach das Fifty-5 nahe dem Hansemannplatz, das Stairs an der Theaterstraße, der Königkeller am Gasborn sowie das Kingz Corner. Etliche vordem bestens etablierte Adressen für Nachtschwärmer mussten zudem aus privaten Gründen dichtmachen. Im Frühjahr 2014 schloss der Jakobshof seine Pforten; die langjährige Heimstatt an der Stromgasse wich einem Neubau. Weitere Veranstalter warfen bald darauf das Handtuch, darunter das Aoxomoxoa an der Reihstraße, das New Water an der Peterstraße sowie das Common Sense am Büchel.

Mit „gesichertem Status“ würden aktuell dagegen Nox (Blondelstraße), Lessie Fair (Pontstraße), Starfish (Liebigstraße), Nightlife (Wirichsbongardstraße), Club Voltaire (Friedrichstraße) sowie das Franz (Franzstraße) betrieben, heißt es weiter. Zudem gebe es eine Reihe von Kneipen, die regelmäßig mit DJ- oder Live-Gastspielen lockten; darunter das Egmont in der Pontstraße, das Dumont in der Zollernstraße, der Domkeller am Hof, das Wild Rover am Hirschgraben, Apollo und Café Madrid an der oberen Pontstraße, Hotel Europa in der Südstraße sowie die „Kappertzhölle“ in der Hüttenstraße. Gelegentliche Lärmbeschwerden aus dem Umfeld einiger der genannten Adressen gebe es zwar, die seien aber „in der Regel nicht konkret zuzuordnen“.

Die Grünen wollen nun ferner wissen, ob und wie die städtischen Kultur- und Ordnungshüter in der Vergangenheit konkret versucht hätten, dem wachsenden Notstand in Sachen Szenetreffs entgegenzuwirken, und wie sie Neueröffnungen gegebenenfalls zu unterstützen gedächten. Schließlich habe der Oberbürgermeister persönlich angesichts der Schließung bekannter Clubs 2014 neue Lösungen gegen die drohender Verödung des Nachtlebens in Aussicht gestellt, betonen sie – und erwarten in der Ausschusssitzung nun weitere Antworten.

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