Aachen: Geschäfte vor Weihnachten? Fast so lau wie das Wetter im Advent

Aachen: Geschäfte vor Weihnachten? Fast so lau wie das Wetter im Advent

Was hat ein Weihnachtsmarkt, wenn der Winter ausbleibt? Er hat‘s schwer. Wer schlürft schon gerne heißen Glühwein in lauer Frühlingsluft? Und wenn dann auch noch der Schrecken der Pariser Terroranschläge bis nach Aachen ausstrahlt und etliche Leute Großveranstaltungen lieber meiden, da kann man als Weihnachtsmarktveranstalter auch ohne Minusgrade schon einmal kalte Füße bekommen.

Doch ganz so schlimm ist es für Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte und Aktionskreises City (MAC), dann doch nicht gelaufen in dieser Vorweihnachtszeit. „Mit dem Zuspruch sind wir angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen im Großen und Ganzen zufrieden“, sagt er.

Dass das Budendorf rund um Dom und Rathaus, das an Heiligabend noch einmal bis 20 Uhr geöffnet hat, deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren anzog, ist allerdings unbestritten. Das beweist schon die rückläufige Zahl an Reisebussen, die die Kaiserstadt ansteuerten. Auf knapp zwölf Prozent taxiert Piana den Rückgang, das sind 200 Busse á jeweils rund 50 Passagiere weniger.

Alleine 140 davon wurden in Frankreich storniert. An den letzten Tagen des Weihnachtsmarktes verkehrt deswegen auch keine Shuttle-Linie mehr zwischen Bend-Busparkplatz und Neupforte. 12\.000 touristische Passagiere nutzten den Fahrservice zum Weihnachtsmarkt dieses Jahr — rund 3000 weniger als 2014\.

Apropos weniger: „Die ersten beiden Wochen waren katastrophal schlecht besucht“, sagt Elke Krämer. Ihre beleuchteten Papierhäuser und Sterne verkauft sie auf dem Markt schon mit 50 Prozent Rabatt. 35 bis 50 Prozent weniger Umsatz hat Marion Nelleßen mit ihren Räuchermännchen gemacht. Und auch Manfred Scholz fischte weniger heiße Maronen aus dem Topf — ein Minus von 30 Prozent, schätzt er.

Alle betonen, dass dies nichts mit der Qualität des Marktes zu tun habe. „Aachen ist einfach einzigartig, alle ziehen an einem Strang“, sagt Peter Loosen. Der Sprecher der Schausteller lobt das „perfekte Zusammenspiel von Stadt, MAC und Ordnungsbehörden“. Der Chef des Ardennengrills auf dem Katschhof stellt fest: „Ich komme viel rum. So genial wie auf dem Aachener Weihnachtsmarkt läuft das nirgendwo — vom Mülleimer bis zum Sicherheitsdienst, einfach klasse.“

Deswegen wollen auch Rolf Lentzen (Mandelstand und Kinderkarussell) sowie Karussell-Kollege Hans-Günter Auras nächstes Jahr wiederkommen. „Nach zehn Tagen war die Stimmung wieder gut“, sagt er. Mit und mit seien auch wieder die anfangs vermissten Schulklassen in gewohnter Mädchen- und Jungenstärke zurückgekehrt. Es ging dann wieder buchstäblich rund am Karussell, erzählt er.

Das trifft aufs Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel nicht ganz zu. „Viele Händler hängen hinter den Ergebnissen des Vorjahres zurück, sagt Piana, der zum Jahresende aus seinem Amt als Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes ausscheidet. Das liege zum einen am Onlinehandel, der auf Kosten des Ladenverkaufs stetig wachse, und zum anderen am — Wetter.

Wie der Weihnachtsmarkt leidet auch das Weihnachtsgeschäft unter zu hohen Temperaturen, zumal im Textilbereich. Wer kauft Winterklamotten, wenn der Winter ausbleibt? Kaum jemand, weswegen aktuell schon hohe Rabatte zum Kauf von Mänteln, Mützen und Schals verlocken sollen.

Das Wetter wird es jedenfalls vorerst nicht tun. Frosttage Fehlanzeige, am vorigen Donnerstag mit 15,6 Grad ein formidabler Frühlingstag, mit neun Grad Durchschnittstemperatur fast sechs Grad über dem langjährigen Mittel — so liest sich bislang die Bilanz des Dezembers in Aachen.

Zwar war es 1953 mit 18 Grad an einem Dezembertag schon einmal wärmer, doch diese anhaltende Wärme „ist schon sehr extrem“, sagt Jürgen Laufer, der Leiter der Aachener Wetterstation. Und sagt voraus, dass sich daran bis Ende Dezember nichts ändert. Immerhin: Den Weihnachtsmarkt wird diese Prognose nicht mehr stören.

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