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Beratungsstelle „donum vitae“: „Gerade jetzt müssen wir für die Frauen da sein“

Beratungsstelle „donum vitae“ : „Gerade jetzt müssen wir für die Frauen da sein“

Eine große Nachfrage nach Beratung, aber ein Einbruch bei den Spenden: Auch in der Schwangerschaftsberatungsstelle „donum vitae“ ist die Corona-Krise das bestimmende Thema.

Selbst als fast alles stillstand, haben sie weitergemacht. Die Beratungsstelle „donum vitae“ hat ihre Schwangerschaftskonfliktberatung aufrechterhalten, als die Corona-Pandemie das öffentliche Leben fast komplett zum Erliegen brachte. Beraten wurde telefonisch und per Videoschaltung, aber auch – mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen – im persönlichen Gespräch. Frauen und Paare, die sich zu vorgeburtlicher Diagnostik beraten lassen wollten, fanden in der Beratungsstelle in der Franzstraße ebenfalls ein offenes Ohr. „Gerade jetzt müssen wir für die Frauen da sein“, betont Gesa Zollinger, Vorsitzende des Regionalverbands Aachen-Stadt und Aachen-Land von „donum vitae“. Keine Frau entscheide gerne, leichtfertig oder schnell über die Beendigung einer Schwangerschaft. Inmitten der Corona-Krise dürften Frauen in solch einer persönlichen Krise nicht auf sich gestellt sein.

Finanziell allerdings bringt die Corona-Pandemie auch „donum vitae“ in Bedrängnis. „Die Spenden brechen uns weg“, klagt Zollinger, „das macht uns Sorgen.“ Die wirtschaftliche Krise treffe viele Menschen hart, die Spendenbereitschaft sinke. Zwar wird „donum vitae“ von Stadt und Städteregion unterstützt. „Aber wir müssen rund 20 Prozent unseres Budgets selbst erwirtschaften, um kostendeckend zu arbeiten“, sagt die Vorsitzende. Die Spendenbereitschaft anzukurbeln, sei deshalb ein wichtiges Ziel in den nächsten Monaten.

Gemeinsam mit den Beraterinnen Heidi Dirks und Martina Hartmann legte Zollinger den Jahresbericht der Beratungsstelle für 2019 vor. Die Nachfrage nach Beratung ist demnach im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Die Bilanz verzeichnet 1186 Hilfesuchende und insgesamt 2548 Beratungsgespräche. Weiterhin sehr gefragt ist die Begleitung der Beraterinnen von „donum vitae“ nach Fehl- oder Totgeburt, plötzlichen Kindstod oder nach einem Schwangerschaftsabbruch. „Der Bedarf ist groß“, stellt Beraterin Martina Hartmann fest. „Und es hat sich herumgesprochen, dass wir zu diesen Themen eine intensive Nachsorge anbieten.“ Für Gesa Zollinger steht fest: „Diese Themen sind mit viel Schwerem verbunden. Dabei sollten Frauen und Paare Unterstützung bekommen können.“

In die Schwangerschafskonfliktberatung, die Voraussetzung ist für einen straffreien Abbruch nach Paragraph 219, kamen von insgesamt 288 Frauen übrigens 203 allein. „Entweder weil der Partner nichts davon erfahren sollte oder weil es keinen guten Partner gab, der sich interessierte“, bilanziert Hartmann. Im Idealfall, sagt Heidi Dirks, komme eine Frau durch die Beratung zu einer „Entscheidung, mit der sie leben kann, wofür sie die Verantwortung übernehmen kann“. Und egal, wie diese Entscheidung ausfalle, für oder gegen das Kind: „Wir begleiten die Frauen weiter, wenn sie das wollen.“

Mit zusätzlichen Geldern vom Land NRW konnte die Beratung von schwangeren geflüchteten Frauen intensiviert werden. Davon profitierten 54 Frauen und Paare. Im Rahmen des ebenfalls geförderten Projekts zur Wertevermittlung gab es 17 Präventionsveranstaltungen für junge Leute.

Verständigung ist nicht immer selbstverständlich. 310 der insgesamt 1186 Frauen, die Hilfe suchten, benötigten eine Übersetzungshilfe. Hier kann die Beratungsstelle auf einen Dolmetscherpool zurückgreifen. „Die Sprache soll in der Beratung keine Barriere sein“, sagt Zollinger. „Und in der Muttersprache kann man Gefühle ganz anders benennen.“

Die allerjüngste Ratsuchende in der Beratungsstelle war im vergangenen Jahr nicht einmal 14 Jahre alt. Insgesamt waren zehn Klientinnen unter 18 Jahre. Im Jahr zuvor lag diese Zahl noch bei 15. Weiterhin sehr in Anspruch genommen werden Gelder aus den Verhütungsmittelfonds von Stadt und Städteregion. 39 Frauen wurden aus diesen Töpfen beim Kauf von Verhütungsmitteln unterstützt. Allerdings konnten allein 54 Anträge an den Verhütungsmittelfonds der Stadt Aachen nicht bewilligt werden, da das Budget bereits aufgebraucht war.

Im vergangenen Jahr gestaltete „donum vitae“ 92 sexualpädagogische Gruppenveranstaltungen und erreichte damit 1127 junge Menschen. Diese Präventionsarbeit liegt in der Corona-Krise derzeit völlig brach, denn Schulen und Jugendtreffs sind immer noch weit entfernt vom Normalbetrieb. „Aber sobald die Bestimmungen das zulassen, steigen wir in die Präventionsarbeit wieder ein“, kündigt Gesa Zollinger an. Dann werden auch die Honorarkräfte, die die Kurse gestalten, wieder Geld bekommen. Auch sie können vom Trägerverein derzeit nicht bezahlt werden und sitzen auf dem Trockenen.