Brand: „Generationsbrücke“: Kamerateam begleitet Aachener Senioren

Brand: „Generationsbrücke“: Kamerateam begleitet Aachener Senioren

„Wir sind ja nur alt, da passiert nicht mehr viel.“ Diese traurige Bilanz zieht eine Bewohnerin des Marienheims in Brand in dem Film „So wunderbar froh“. Ihre Worte und der Titel könnten gegensätzlicher nicht sein — doch schon in der nächsten Szene ist zu sehen, wie die Seniorin und ihre Mitbewohner mit Vorschulkindern singen, spielen, basteln und erzählen.

Dass im Leben von alten Menschen noch sehr viel passieren kann, macht das Projekt Generationsbrücke Deutschland seit 2009 möglich. Alt und Jung werden in regelmäßigen Begegnungen zusammengeführt, jedes Kind geht ein Schuljahr lang eine feste Partnerschaft mit einem Senior ein.

Entstanden ist das intergenerative Projekt unter der Leitung von Horst Krumbach im Brander Marienheim. Heute arbeiten 83 Kooperationspartner an 40 Standorten bundesweit mit der Generationsbrücke zusammen. Rund 3000 junge und alte Menschen wurden auf diese Weise in sechs Jahren zusammengebracht.

Wie aber stellt man die gegenseitige Bereicherung, die kleinen Glücksmomente dar? Für Krumbach war klar: Bewegte Bilder mussten es sein. Deshalb wurden bis vor kurzem die pflegebedürftigen Heimbewohner, Kinder und das verantwortliche Personal von einem TV-Filmteam begleitet. Rund ein Jahr dauerten die Dreharbeiten. Herausgekommen ist ein sensibler Film, der ohne allzu viele Worte einen authentischen Einblick in die Beziehungen zwischen den jungen und den alten Teilnehmern des intergenerativen Projekts gibt.

Die 45-minütige Dokumentation feierte im Brander Pfarrzentrum St. Donatus Premiere. Zu Gast war auch Ex-Bundesfamilienministerin Ursula Lehr, die das Publikum bereits mit einem augenzwinkernden „Liebe Jugendliche von gestern und vorgestern, liebe Senioren von morgen und übermorgen“ begrüßte.

Lehr wies darauf hin, dass derzeit rund 20.000 Menschen im Alter von über 100 Jahren in der Bundesrepublik leben, gleichzeitig aber immer weniger Kinder geboren würden. „Alt und Jung zusammenzuführen, wird immer schwieriger“, sagte die Politikerin. Das erschwere das gegenseitige Verständnis. „Verständnis entwickelt sich aber nur durch persönliche Begegnung. Die Generationsbrücke Deutschland trägt dazu bei.“

Um ein umfassendes Bild zu vermitteln, wurden für den Film drei Kooperationsteams von Regisseur Torsten Winkler und Kameramann Holger Schüppel begleitet. Dazu gehörten die Katholische Kita St. Monika und das Marienheim in Brand, die Grundschule Alsdorf-Blumenrath und das Stella Vitalis Seniorenzentrum in Alsdorf sowie die Hauptschule Aretzstraße und das Altenheim Haus Marien-Linde.

„Bei unseren Dreharbeiten haben sich weder junge noch alte Menschen ablenken lassen. Wir konnten miterleben, wie unbefangen die Kinder auf die Senioren zugehen“, sagte Regisseur Winkler bei der Premiere. „Das Schwierigste unserer Arbeit war am Ende die Szenenauswahl, denn für 45 Minuten mussten wir viele schöne Momente kürzen oder ganz rausschmeißen“, so Winkler weiter.

Deutlich wird in dem Film, dass die Kinder zwar mit Pflegebedürftigkeit, Demenz und Tod konfrontiert werden, damit jedoch sichtlich unbefangener umgehen als Erwachsene. Ihre Unbedarftheit verzückt auch die Heimbewohner. So sagt eine Seniorin: „Die Kinder sind manchmal nervenaufreibend, aber ich verehre sie.“

Der gelungene Film soll im kommenden Jahr im Fernsehen ausgestrahlt werden soll. Einen genauen Termin gibt es noch nicht.

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