Aachen: Generationenprojekt stürzt in tiefes Loch

Aachen: Generationenprojekt stürzt in tiefes Loch

Man darf es durchaus als Vorzeigeobjekt bezeichnen in Sachen Förderung des Ehrenamtes, insbesondere im Rahmen der Familien- und Jugendarbeit. Vor sechs Jahren ist das „Mehrgenerationenhaus” an der Wilhelmstraße 49-51 als richtungsweisendes soziales Aufbauprojekt eingeweiht worden.

Jetzt müssen die Mitarbeiter einen heftigen Rückschlag einstecken. Am Mittwoch erfuhren sie quasi auf dem kleinen Dienstweg im Kontakt mit ähnlichen Einrichtungen der Region, was seit längerem zu befürchten stand: Das Bundesfamilienministerium wird die bisherige Förderung des Angebots in der Aachener City nicht fortsetzen. Während vergleichbare Initiativen wie das Helene-Weber-Haus in Stolberg sich auch in den kommenden drei Jahren weiterhin über Zuschüsse aus dem Bundestopf freuen können, gehen die hiesigen Träger leer aus.

Bislang ist das Mehrgenerationenhaus, das von der Pfarre St. Adalbert, dem Verein In Via und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) gemeinsam organisiert wird, im Rahmen eines einschlägigen staatlichen Aktionsprogramms jährlich mit immerhin 40 000 Euro unterstützt worden. Zwar liege noch kein offizieller Negativbescheid vor. „Wir gehen aber davon aus, dass die Streichung darauf zurückzuführen ist, dass unser Haus der veränderten Konzeption des Bundesprogramms nicht hinreichend entspricht”, erklärte SkF-Geschäftsführerin Ursula Braun-Kurzmann am Donnerstag auf Anfrage.

Das Ministerium habe den Schwerpunkt der Förderung zuletzt vor allem auf Angebote für Senioren gelegt. Traditionell widme sich der „harte Kern” von etwa zehn Ehrenamtlichen aber vor allem der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, etwa durch die Betreuung von Malgruppen und Hausaufgaben - auch wenn die Förderung des Miteinanders aller Jahrgänge, wie der Name schon sagt, als ebenso wichtiger Bestandteil der Arbeit gelten dürfe.

Seine Ursprünge hatte das Projekt im Bestreben des SkF, die Unterstützung Alleinerziehender auf eine institutionelle Basis zu stellen. Koordiniert werden die Angebote mittlerweile von zwei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen in Diensten von SkF beziehungsweise In Via, die mit einer halben respektive Viertelstelle im Boot sind. Punktuell werden auch Honorarkräfte eingesetzt.

Ungeachtet der unfrohen Kunde wollen die Träger die Einrichtung fortführen, unterstrich Braun-Kurzmann. „Wir werden umgehend ausloten, wie wir die Lücke füllen können”, sagte auch Pfarrer Franz-Josef Radler, geistlicher Leiter der Gemeinschaft der Innenstadtgemeinden. „Keinesfalls werden wir jetzt die Totenglocke für die Initiative läuten.”

Mit einer Förderung aus den kommunalen Kassen sei angesichts eklatanter Haushaltsnöte allerdings kaum zu rechnen, glaubt Ursula Braun-Kurzmann. Hätte der Bund seine Finanzierung verlängert, hätte sich künftig indes auch die Stadt mit 10.000 Euro per anno beteiligen müssen. Zurzeit schulterten die beteiligten Einrichtungen in etwa den gleichen Betrag zur Unterstützung der Angebote wie bis dato der Bund. Braun-Kurzmann: „Wir suchen jetzt nach einer Perspektive und setzen dabei natürlich auch auf das Potenzial der Ehrenamtlichen, die uns in der Vergangenheit unterstützt haben.” Immerhin sei das Haus an sich im Besitz der Pfarre St. Adalbert.

Und die Träger sind nun bemüht, der Mittelstreichung auch positive Aspekte abzugewinnen: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es grundsätzlich schwierig ist, Projekte zu gestalten, die letztlich auf Bundesebene angesiedelt sind und von dort aus dann auch maßgeblich gesteuert werden”, sagt die SkF-Chefin. „Den wirklichen Bedarf vor Ort kennen wir natürlich am besten, können unsere Angebote entsprechend schneidern - und selbst entscheiden, wo wir die Schwerpunkte legen.”