Angebot des Vinzenzheims: Gemeinschaft in der „Bunten Gruppe“

Angebot des Vinzenzheims : Gemeinschaft in der „Bunten Gruppe“

Entlastungsangebot für Familien, die ihre Kinder und Jugendlichen mit Behinderung zu Hause versorgen: Das Aachener Vinzenzheim bietet in seiner „Bunten Gruppe“ Kurzaufenthalte an für junge Leute an.

Es ist Freitagnachmittag, und auf der Adenauerallee hinter dem Vinzenzheim rauscht der Feierabendverkehr vorbei. Annett Stachowski betreut an diesem Wochenende mit zwei Kolleginnen fünf Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen in der „Bunten Gruppe“. Die Eltern haben die Kinder vorbeigebracht, und alle genießen jetzt gemeinsam die freie Zeit auf dem Außengelände der Einrichtung. Der kräftige Wind an diesem Tag hält sie nicht davon ab. Nur die Aufregung ist bei einigen noch deutlich spürbar.

Die „Bunte Gruppe“ ist ein Entlastungsangebot für Familien, die ihre Kinder und Jugendlichen mit Behinderung zu Hause versorgen. In der Wohngruppe stehen sechs Zimmer zur Verfügung. Alle sind neu und mit warmen Farben gestaltet, an denen die Kinder sich gut orientieren können. „Ich sage den Eltern immer, dass sie alles mitbringen sollen, was die Kinder brauchen, um sich wohlzufühlen“, sagt Annett Stachowski, die Koordinatorin der „Bunten Gruppe“. Damit hat sie gute Erfahrungen gemacht. Genug Platz dafür ist vorhanden, und die Übernachtungsgäste fühlen sich so schneller wie zu Hause. In zwei Jahren musste nur ein Mädchen von den Eltern wieder abgeholt werden.

Alle anderen verbringen eine merklich entspannte Zeit in der Wohngruppe. Geschuldet ist das wohl der guten Vorbereitung. Die Mitarbeiterinnen sprechen mit neuen Eltern genau über Vorstellungen und Voraussetzungen, bevor die Kinder im Vinzenzheim übernachten. „Es muss vor allem auch für die Eltern passen“, meint die Koordinatorin. Einem Vater, der allein mit zwei Kindern lebt und berufstätig ist, hatte Annett Stachowski die „Bunte Gruppe“ gezeigt und alle Fragen beantwortet. Der Vater war interessiert und auf der Suche nach Entlastung. Trotzdem entschied er sich gegen eine Übernachtung. Annett Stachowksi kann das gut verstehen. „Die Eltern entscheiden, ob es für ihre Kinder passt. Nicht wir.“ Klar abraten müssen die Betreuerinnen nur bei Kindern, die intensive medizinische Betreuung – wie eine Überwachung der Sauerstoffversorgung – benötigen.

Solange das Wetter es zulässt, gehen die Betreuer mit den Kindern an die frische Luft. Meistens reicht dafür das übersichtliche und liebevoll gestaltete Außengelände. Bei Regen steht die Mehrzweckhalle zur Verfügung, die ähnlich einer Sporthalle viel Möglichkeit zur Bewegung gibt. Wenn die Gruppe gut eingespielt ist, unternehmen alle miteinander Ausflüge nach Burtscheid, kaufen ein und kochen gemeinsam. Ansonsten steht das Essen des Vinzenzheimes zur Verfügung. Connor möchte wissen, was es zu Mittag gab. Er ist eben gerade erst gebracht worden und hatte eine lange Anreise. „Heute ist Freitag, da gibt es hier immer Fisch, Connor“ sagt Annett Stachowski, und Connor nickt zufrieden. Alles in bester Ordnung.

Wie alle Kinder profitieren auch die Kinder der „Bunten Gruppe“ von einem gut eingespielten Team und klaren Strukturen. Sie kennen die Abläufe, stellen den Betreuerinnen viele Fragen und bekommen immer eine ruhige Antwort. „Mit Stress würde das hier nicht gehen“ sagt Annett Stachowski. „Für die Kinder ist das hier Gelegenheit zum Zusammensein in der Gruppe.“

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