„Lebenspartnerschaft zu Frauen“: Gemeinde reagiert geschockt auf Pfarrer Markus Frohns Rückzug

„Lebenspartnerschaft zu Frauen“ : Gemeinde reagiert geschockt auf Pfarrer Markus Frohns Rückzug

Eine offene Stelle und zahlreiche offene Fragen — so könnte man die aktuelle Situation im Gemeindeverbund Aachen-Ost/Eilendorf ganz nüchtern zusammenfassen. Dass der überraschende Abschied von Pfarrer Markus Frohn, gefolgt von dessen Entpflichtung durch Bischof Helmut Dieser, zwischen den Türmen von St. Severin, St. Barbara, St. Apollonia, St. Fronleichnam und Josefskirche auch und vor allem in menschlich-emotionaler Hinsicht für Erschütterung sorgt, liegt freilich auf der Hand.

Frohns Bekenntnis, dass er „in Lebenspartnerschaft zu Frauen“ stehe und sein Amt als Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) aufgrund dessen aufgebe, hat viele offensichtlich in besonderem Maße berührt. Der Geistliche galt als umsichtiger und äußerst aktiver Seelsorger, hoch geachtet und beliebt.

Unterdessen sind bereits für Dienstag erste Gespräche terminiert, um zu klären, wie die große Lücke, die er hinterlässt, bis auf Weiteres gefüllt werden kann. „Natürlich sind wir im engen Kontakt mit dem Pastoralteam, und es gibt ja verlässliche Strukturen im Gemeindeverbund, auf die wir weiter bauen können“, erklärt Ralf Mader von der Pressestelle des Bistums am Montag.

„Enttäuscht und verletzt“?

Rückblende: Bereits am vorvergangenen Sonntag hatte Markus Frohn während eines Gottesdienstes „schwere Verfehlungen“ eingeräumt und sein tiefes Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, dass er Menschen persönlich „enttäuscht und verletzt“ habe. In der Haltung vieler engagierter Gemeindemitglieder jedoch spiegelt sich dies keineswegs.

Viel Gesprächsbedarf hinter den Kirchenmauern an der Düppelstraße: St. Fronleichnam muss vorerst ohne eigenen Pfarrer auskommen. Foto: Harald Krömer

„Markus Frohn hat als Seelsorger 100 Prozent gegeben“, meint etwa Laila Vannahme, ehrenamtliche Sprecherin im GdG-Rat sowie im Pfarreirat von St. Josef und St. Fronleichnam. „Er hat seine Aufgaben stets bestens erfüllt. Ich denke, ich spreche für viele in den Gemeinden, wenn ich sage: Wir bedauern sehr, dass es so weit kommen musste. Markus Frohn hatte immer ein offenes Ohr für Menschen in Not, und er hat angepackt, wenn es darauf ankam.“

So habe er nicht gezögert, rund 80 Flüchtlingen, die 2015 in Aachen gestrandet waren, eine Unterkunft in der ehemaligen Schule St. Barbara zur Verfügung zu stellen, Essensausgaben und Sprachvermittlung zu organisieren. „Er hat die Fähigkeit, besondere Situationen zu erfassen und entsprechend zu reagieren“, sagt Laila Vannahme. Und fügt an: „Wir würden uns wünschen, dass die Kirchenführung in Rom intensiv darüber nachdenkt, wie sinnvoll der Zölibat, also die Verpflichtung zur Ehelosigkeit, heute noch sein kann.“

„Ein wichtiger Vermittler“

„Er hat als Seelsorger 100 Prozent gegeben“: Laila Vannahme, Sprecherin des Gemeinderats. Foto: Herrmann

Dass Frohn die Herzen auch durch unkonventionelle Ideen und Projekte gewinnen konnte, betont auch Sarah Siemons. „Ich finde nicht, dass man von ,Verfehlungen‘ reden sollte, wenn ein Mensch einen anderen liebt“, sagt die Generalin der Tropigarde, die der Pfarre St. Josef unmittelbar angehört und im Schulterschluss mit dem Pastor in den jecken Tagen etwa auch „Fastelovvends-Gottesdienste“ auf Platt ins Leben gerufen hat. „Wir stehen auf jeden Fall weiter hinter Markus Frohn“, bekräftigt die Tropi-Chefin. „Er war immer ein wichtiger Vermittler. Sein Abschied ist eine Katastrophe.“

Schwierige Zeiten kommen nun jedenfalls auch auf die haupt- und ehrenamtlichen Verantwortlichen zu — zumal der Pfarrer von St. Severin, Alexius Puls, derzeit in Urlaub weilt, Gemeindereferent Josef Gerets zum 1. Oktober in Ruhestand geht.

Zur Gestaltung von Eucharistiefeiern wird man vorerst wohl verstärkt „externe“ geweihte Priester gewinnen müssen. Natürlich würden weiter sogenannte Wortgottesfeiern angeboten, in denen auch die Kommunion gefeiert werden kann, betont Diakon Rolf Berard. Dabei muss die Wandlung von Hostien und Wein bereits vorher durch einen geweihten Pfarrer vorgenommen worden sein.

Wann ein solcher wieder dauerhaft an den Altären und im sozialen Umfeld der Kirchtürme im Ostviertel und in Eilendorf wirken kann, ist zurzeit indes völlig offen.

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