Aachen: Gelber Sack oder Tonne? Beides bleibt gefragt.

Aachen: Gelber Sack oder Tonne? Beides bleibt gefragt.

Gelber Sack oder Gelbe Tonne? Beides! So steht es auf der Wunschliste der großen Koalition, und auch die anderen Parteien sind nicht gegen die Idee, den Aachenern künftig die Wahl zu lassen. Einstimmig sprach sich der Stadtbetriebsausschuss am Dienstag dafür aus, bei den anstehenden Verhandlungen mit dem „Systembetreiber“ auf eine „haushaltsindividuelle Lösung“ hinzuarbeiten.

„Wenn jemand die Tonne haben will, soll er sie auch bekommen können“, sagte CDU-Sprecher Ferdinand Corsten — wohlwissend, dass auch ein einstimmiger Beschluss nicht automatisch die erwünschten Fakten schafft. „Entscheiden wird das der Systembetreiber“, erklärte Corsten, „nicht der Rat und auch nicht eine Bezirksvertretung.“

Aber man kann es ja mal versuchen, zumal die Bürgerschaft in dieser Frage offenbar gespalten ist. „Wenn wir uns für ein System entscheiden, treten wir der Hälfte der Leute auf die Füße“, meinte Ausschussvorsitzender Michael Servos (SPD). So sei auch das Meinungsbild in den Bezirksvertretungen, die bislang schon über die Möglichkeiten des neuen Verpackungsgesetzes beraten hätten, sehr „heterogen“.

Mancherorts sehnt man sich nach der Gelben Tonne, auf dass die dünnen Säcke nicht mehr vom Wind durch die Straßen getrieben und zerrissen werden. Anderswo fragt man sich, wo denn neben diversen Abfallbehältern in den Kellern noch eine Tonne für den Verpackungsmüll untergebracht werden soll. „Wir wollen ein Mischsystem“, betonte Daniela Parting (SPD). In den anstehenden Verhandlungen solle der Aachener Stadtbetrieb deshalb „beide Optionen offenhalten“.

Dabei hatte der Stadtbetrieb schon eine klare Vorliebe. Der Gelbe Sack sei ein „etabliertes Entsorgungssystem“, heißt es in einer Vorlage, für dessen Beibehaltung der Stadtbetrieb zuvor schon in den Bezirksvertretungen geworben hatte. Die Aachener seien daran gewöhnt und müssten sich nach der großen Reform der Abfallwirtschaft Anfang vergangenen Jahres nicht erneut umstellen. Doch nun werde man den Wunsch der Politik mitnehmen, versprach der kaufmännische Betriebsleiter Thomas Thalau. Was daraus wird, würden die Verhandlungen zeigen.

Immerhin könnten die Systembetreiber ein Mischsystem womöglich mit dem Hinweis auf Unwirtschaftlichkeit zurückweisen, wenn es mit Kosten weit über das Maß des bisher vereinbarten verbunden wäre. Solche Kosten machten die Ausschussmitglieder in ihrem Beschluss auch klar, dürften auch der Stadt nicht aufgebürdet werden. Wer eine Tonne wolle, hatte Ferdinand Corsten zuvor schon betont, müsse für ihre Anschaffung auch bezahlen.

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