Aachen: Gegner wollen sich vor die Bäume stellen

Aachen: Gegner wollen sich vor die Bäume stellen

Die Schilder am Templergraben sind eindeutig: „Baumarbeiten, 31.10.11, ab 7.30 Uhr.” Carmelo Licitra musste am Freitag nicht lang überlegen, was das zu bedeuten hat. Licitra ist Mitarbeiter der städtischen Baumkolonne und einer der größten Gegner der Fällung von 33 Bäumen am Templergraben.

Was er im Vorbeigehen schon ahnte, bestätigte Regina Poth, Abteilungsleiterin Straßenplanung und Straßenbau, auf AZ-Anfrage: Am Montagmorgen sollen die ersten drei Bäume für den „Shared Space” fallen: zwei Platanen an der Fahrbahn und ein kleiner Baum, der vor der Barbarossamauer steht. Eine der Platanen an der Fahrbahn stellt nach Angaben der Verwaltung ein erhebliches Verkehrssicherheitsproblem dar, weil sie schief gewachsen ist. Sie müsse ohnehin gefällt werden - auch ohne „Shared Space”, hieß es in einer früheren Erläuterung von Planungsdezernentin Gisela Nacken.

Kaum hatte Licitra die „WoodBürger” informiert, da liefen die Telefondrähte zwischen den Aktivisten heiß. Hubert Heck vom Baumschutzbündnis mobilisierte mit seinem Sprecher-Team die Mitglieder. „Wir werden jetzt unsere Telefon-Alarmliste aktualisieren und haben schon Rundmails an alle verschickt”, sagte er am Nachmittag. „Wir fordern sie zum friedlichen, zivilen Widerstand auf. Aber wie sich die einzelnen Mitglieder letztlich einbringen, ist ihrer Fantasie überlassen.” Heck schließt nicht aus, dass sich einzelne Aktivisten am Montag vor die zu fällenden Bäume stellen werden, um ein Abholzen zu verhindern. Gewaltaktionen soll es aber keine geben, sagt Heck.

Der Optimismus, noch etwas an den Plänen zu ändern, hatte nach der Bürgerinformation am vergangenen Dienstag nur kurz angehalten. Gisela Nacken hatte den Baumschützern zugesagt, sich noch einmal mit ihnen über einen alternativen Plan zu unterhalten. Dass es einen Termin für ein Gespräch gibt, bestätigte auch Regina Poth. Doch da sind die drei Bäume schon gefallen. Hubert Heck weiß nicht, ob er dieses Entgegenkommen noch ernstnehmen kann: „Ich halte es für ziemlich hinterhältig, Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, und hintenrum die Fällung der ersten Bäume anzuordnen.”

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