Aachen: Gegen sexuelle Gewalt: Kooperationspartner starten Präventiv-Angebot

Aachen : Gegen sexuelle Gewalt: Kooperationspartner starten Präventiv-Angebot

Demokratiebildung, Partizipation und Teilhabe junger Flüchtlinge und ihrer Familien stehen im Mittelpunkt eines Landesprogramms, das jetzt auch in Aachen startet.

„Ohne die Hilfe der vielen Kooperationspartner hätten wir dieses Programm gar nicht so schnell umsetzen können“, sagte Heinrich Brötz, Leiter des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, im Rahmen der Auftaktveranstaltung im Verwaltungsgebäude Mozart-straße. Alle Kooperationspartner haben ein Angebot entwickelt, bei dem es um Wertevermittlung und Prävention sexualisierter Gewalt geht. Im Fokus stehen dabei alle Jugendlichen, wenn auch in besonderem Maße die Flüchtlinge.

„Dialog auf Augenhöhe“

„Die Menschen, die zu uns kommen, haben auch Werte“, sagt Dr. Eva Köhl, Projektleiterin ax-o e.V. Aachen, ein anerkannter Träger der Jugendhilfe. Diese Werte aufzulisten und mit den Vorstellungen hierzulande abzugleichen, sei ein spannendes Unterfangen. Sie hält es für einen notwendigen Prozess, darüber ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. „Unterschiede sind dabei ebenso wichtig wie Gemeinsamkeiten“, betont sie. Gerade dieser „Dialog auf Augenhöhe“ ist auch nach Meinung von Professor Joachim Söder, Katholische Hochschule Aachen (Katho), das Entscheidende. „Wir sollten nicht nur über die Menschen reden, sondern mit ihnen über ihren Wertekatalog.“ Und er ist überzeugt davon, dass viele Werte in verschiedenen Kulturen identisch sind.

Gemeinsam haben die Kooperationspartner ein Programm entwickelt, das auf drei Säulen ruht. Zum einen wird es Expertengespräche zu Themen wie „Ehre und patriarchalische Strukturen“ und „Sexualpädagogik im Kontext von Flucht, Migration und Männlichkeiten“ geben, zum anderen stehen die jungen Leute selbst im Mittelpunkt. Sie können sich unter fachkundiger Begleitung unter dem Titel „Mannsbilder-Frauenbilder“ mit ihrem eigenen Rollenverständnis auseinandersetzen. Theaterstücke wie „Jungfrau ohne Paradies“ oder „Die große Nein-Tonne“ thematisieren Wertvorstellungen und sexualisierte Gewalt. Und bei einem Workshop-Sprechtraining bekommen junge Flüchtlinge die Chance, ihr Deutsch aufzupolieren.

„Fortbildung und Qualifizierung“ ist der Titel der dritten Säule. Dabei sollen vor allem Fachkräfte und die, die es werden wollen, ins Boot geholt werden. Hier setzten sich Wissenschaftler mit Themen wie „Werte-Dialog oder Kampf der Kulturen?“, „Sexualethische Werte im Islam“ und „Menschenrechtsbildung“ auseinander.

Es waren die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof vor zwei Jahren, die das Land veranlasst haben, ein entsprechendes Präventionsprogramm aufzulegen. „Wir wollten unbedingt mitmachen“, sagte Drews, denn alle Beteiligten hielten es für längst überfällig, mit Flüchtlingen in den Dialog zu treten. „Es wäre auch ohne die Ereignisse von Köln notwendig gewesen, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen“, so Brötz.

(mas)