Aachen: Gegen Parasiten hilft nur noch die Säge

Aachen: Gegen Parasiten hilft nur noch die Säge

Der Berg-Ahorn ist ein prächtiger Baum. Er wächst schnell, bildet stattliche Kronen und strahlt jetzt in einem satten Gelb-Rot. Viele Straßen säumt er, so auch am Seffenter Weg. Rund 130 Berg-Ahornbäume stehen hier. Doch der Baum macht auch Probleme, denn eigentlich ist Straßenlage nicht sein Ding. Er mag es kühl und feucht, die langen Trockenperioden der vergangenen Frühjahre haben ihm zu schaffen gemacht.

Und: Berg-Ahorn mag auch keine regelmäßigen Beschnitte. Der Baum wird anfälliger für Parasiten. Auch am Seffenter Weg lassen sich diese Schäden beobachten, wie Andreas Schulz und Susanne Arnold vom Aachener Stadtbetrieb bei einer Ortsbegehung erklären. Im Rahmen einer Baumpflegeaktion wollen sie ab 28. Oktober den Bestand gründlich generalüberholen.

Dabei wird Totholz entfernt, werden Kronen gelichtet, Laternen und Verkehrsschilder freigeschnitten. Für elf Bäume kommt diese Hilfe zu spät. Schulz weist auf ein Exemplar an der Bushaltestelle an der Ahornstraße: „Dieser Baum hat seine Krone aufgegeben, entwickelt dafür an der Seite eine zweite Krone. Diese hängt mit gerade einmal zwei Zentimetern am Stamm. Belassen wir sie dort, besteht die Gefahr, dass der Ast ausbricht und auf die Straße fällt.“ Für die Fällung hat das Umweltamt eine Ausnahmegenehmigung erteilt.

Mit zwei Vier-Mann-Teams und zwei Hubwagen rückt die Baumpflege an. Ein bis zwei Wochen schätzt Schulz, werden die Pflege- und Fällarbeiten dauern. Rund 17.000 Euro wird die Aktion kosten. Beim Ortstermin mit dabei ist auch Hans Falk vom Aachener Baumschutzbündnis. Der ehrenamtliche Verein kämpft um die Erhaltung des Baumbestands der Stadt. Das ist nicht einfach.

Über die oft unkooperative Haltung vor allem seitens des Umweltamtes der Stadt Aachen hat er sich in der Vergangenheit oft geärgert. Auch die undurchsichtigen Zuständigkeiten seien ein Problem. Andreas Schulz setzt deshalb auf Transparenz. „Unser Anliegen ist der Baumschutz“, betont er. Doch rechtlich ist ein Baum an der Straße eine Verkehrseinrichtung, ähnlich wie ein Straßenschild oder eine Laterne.

Für die gefällten Bäume werden im Frühjahr 2014 Bäume nachgepflanzt. Die Baumpflege setzt dabei auf den Amerikanischen Amberbaum, in Wuchs und Belaubung dem Ahorn ähnlich, aber deutlich robuster.

Überhaupt ist Baumpflege im städtischen Raum ein aufwendiges Geschäft. Rund 93.000 Bäume zählen zum Bestand der Stadt Aachen, davon säumt rund ein Drittel die Straßen.

Ein Baumkataster soll die Arbeit erleichtern und langfristig sogar Geld einsparen. Wie bei einer Anamnese beim Arzt soll jeder einzelne Baum erfasst, seine Art bestimmt und sein Zustand dokumentiert werden. Bislang geschieht dies nur im Schadensfall.