Aachen: Gefährliche Messerattacken als Folge von Ecstasy

Aachen: Gefährliche Messerattacken als Folge von Ecstasy

Mit einer dauerhaften Einweisung in die Psychiatrie endete am Montag das Verfahren für die 39-jährige Amanda D. aus Aachen, die sich für zwei gefährliche Messerattacken im Februar dieses Jahres vor Gericht zu verantworten hatte.

„Es fehlt einfach die Einsicht“, bedauerte Richter Matthias Quarch, Vorsitzender der 7. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht die Entscheidung der Kammer, D. wegen fortdauernder Gefährlichkeit für die Allgemeinheit in der Psychiatrie unterzubringen.

Am 20. Februar hatte die zierliche Frau gegen 17.30 Uhr in der Linie 21 kurz vor der Haltestelle Hansemannplatz einem 52-jährigen Mitfahrgast ihr Messer von schräg hinten in den Unterbauch gestoßen, sie verletzt die Leber, der Mann konnte durch eine Operation im Klinikum gerettet werden. Sein Anblick habe sie aufgeregt, gab sie im Prozess an.

Die Täterin flüchtete damals aus dem Bus und wurde gegen 21.30 Uhr wieder gesehen. Da stieß sie am Templergraben einem etwa 25-jährigen Mann mit ausländischem Aussehen ihr Messer brutal von vorne in den Körper, er wurde ebenfalls schwer verletzt, überlebte aber das Attentat. Erst im Prozess gestand sie: „Ich bin eine Rechte. Ich bin gegen Ausländer.“ Daher habe sie ihr zweites Opfer an diesem Tag nach dem Aussehen ausgewählt. Sie habe kurz vorher im Bus einen Deutschen angestochen. Danach sei dann eben ein Ausländer drangewesen, den sie „wegmachen wolle“, hatte sie in ihrem Geständnis am vorletzten Verhandlungstag verkündet.

So stand der Vorwurf gefährliche Körperverletzung und möglicherweise versuchter Totschlag zur Verhandlung an. Nach den Untersuchungen der psychiatrischen Sachverständigen Konstanze Jankowski war schnell klar, dass die Täterin, die am Ende sogar ausländerfeindliche Motive für ihre Taten ins Feld führte, im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte. Sie habe eine von Drogenmissbrauch ausgelöste und immer noch fortdauernde Psychose.

Die Sachverständige habe dies in ihrem Gutachten klar festgestellt, führte Richter Quarch deutlich in der Gerichtsentscheidung und sagte weiter: „Man sieht hier exemplarisch die Folgen eines langjährigen Drogenmissbrauchs insbesondere durch Ecstasy-Pillen“, warnte Quarch vor der Einnahme der gerade bei Heranwachsenden beliebten Szene- und Partydroge. Deutlich seien im vorliegenden Fall „hirnorganische Veränderungen“ festzustellen, die Beschuldigte brauche zunächst eine konsequente medizinische Therapie und könne keinesfalls auf freien Fuß gelassen werden.

Ihr Anwalt Andreas Fleuster hatte eine Einweisung auf Bewährung beantragt. Die Antwort des Gerichts darauf war ein klares Nein. Zu groß sei die Gefahr einer Wiederholungstat, stellte die Kammer fest. Bereits vor den Taten im Februar 2015 war Amanda D., die des Öfteren mit der Linie 21 fuhr, durch ihre gemurmelten Selbstgespräche und ihr unruhiges Auf- und Abgehen in dem Linienbaus aufgefallen.