Gefährliche Einmündung: Stadt Aachen streicht reihenweise Parkplätze

Gefährliche Einmündung : Stadt streicht reihenweise Parkplätze

Achtung, frisch gestrichen: Wenn dieser Präzedenzfall Schule macht, dürften bald buchstäblich reihenweise Parkplätze an Aachens Straßenrändern ausradiert werden – und zwar quer über das ganze Stadtgebiet.

Nicht nur die Bäckerfamilie Sabine und Thomas Mannebach sowie Seniorchef Dagmar Mannebach sind stinksauer. Ihre Konditorei liegt seit 2002 an der Ecke Lütticher Straße / Hasselholzer Weg. Seit Jahren weisen Geschäftsleute – genauso wie Anwohner – die Stadtverwaltung darauf hin, wie gefährlich unmittelbar vor dem Café die Einmündung auf die Hauptstraße ist.

Etliche Unfälle mussten sie hier beobachten. „Passiert ist jahrelang nichts. Ich hatte sogar angeboten, auf eigene Kosten gegenüber einen Verkehrsspiegel montieren zu lassen, damit man den Querverkehr von der Einmündung aus besser einsehen kann“, erklärt Mannebach senior. „Alles wurde abgelehnt – aus Haftungsgründen, wie es hieß.“

Auch eine Erweiterung der Tempo-30-Zone vor dem Couven-Gymnasium um einige Meter bis zu besagter Einmündung kam für die Verkehrslenker der Stadt nicht in Betracht. „Es musste etwas geschehen, um die Sicherheit zu erhöhen. Und dazu gehört sicher auch die Wegnahme von Parkplätzen direkt an der Ecke, um dem herausfahrenden Autolenker eine bessere Sicht nach rechts und links zu ermöglichen“, räumt Mannebach ein. „Aber doch nicht so!“, ärgert er sich. Ohne weitere Rücksprache mit den Anliegern habe die Stadtverwaltung jetzt eine „völlig überzogene Radikallösung“ realisiert. Auf zig Metern beidseits der Einmündung wurde absolutes Halteverbot ausgeschildert – auch direkt neben der Bäckerei. „Das ist extrem geschäftsschädigend, unsere Kundschaft darf hier nicht mehr halten“, sagt der Konditormeister.

Die Stadt hingegen behauptet, man habe gar keine andere Möglichkeit gehabt, als großflächig zu sperren – und dies werde auch an weiteren Einmündungen geprüft – sobald sich ein Bürger angesichts potenzieller Gefahren bei der Stadtverwaltung beschwert. Und dies sei hier der Fall gewesen. Schon in unmittelbarer Nähe des Hassselholzer Wegs könnte dies in naher Zukunft für Moreller Weg und Sanatoriumstraße – ebenfalls Einmündungen auf die Lütticher Straße – zutreffen. Aber auch viele weitere Einmündungen auf dem kompletten Stadtgebiet könnten – sobald Bürgereingaben vorliegen – betroffen sein. Es ginge dann um dutzende, womöglich hunderte Parkplätze am Straßenrand. Aus Eigeninitiative hingegen will die Stadt nichts unternehmen.

Björn Gürtler vom städtischen Presseamt begründet die Maßnahme am Hasselholzer Weg auf Anfrage unserer Zeitung so: „Nach Prüfung der Lage und Diskussion in der Verkehrsbesprechung – unter anderem mit Stadt, Polizei, Aseag – stand fest, dass die Sichtdreiecke bei der Ausfahrt aus dem Hasselholzer Weg in die Lütticher Straße nicht gegeben sind, so dass dort die Halteverbote – und damit leider auch der Wegfall von Parkplätzen – beschlossen wurden. Ohne den Wegfall der Parkplätze hätten wir die Situation dort nicht verkehrssicher herstellen können.“

An der Ecke Lütticher Straße / Hasselholzer Weg ereigneten sich bereits zahlreiche Unfälle. Foto: Andreas Herrmann

Jede Bürgereingabe werde fallbezogen und individuell geprüft. Sogenannte Verkehrsspiegel seien indes ungeeignet. Sie seien „kein Instrument der Straßenverkehrsordnung und werden insofern nur in besonderen Ausnahmefällen, wenn keine anderen verkehrlichen Alternativen umsetzbar sind, von uns eingesetzt“, erklärt Gürtler. Der Wegfall von Parkplätzen gilt hier als „verkehrliche Alternative“ zur Spiegelvariante. Gleichwohl installiert die Stadt Aachen gerade 56 Spiegel an Ampelkreuzungen, um dort „tote Winkel“ zum Schutz von Radfahrern sichtbar zu machen.

Apropos Radfahrer: Diese leben entlang der bereits sanierten Lütticher Straße ab Schanz – wo täglich rund 15.000 Autos rollen – besonders gefährlich, seitdem dort die Parkbuchten im rechten Winkel zum Straßenrand bei der jüngsten Umbaumaßnahme im Jahr 2015 platziert wurden. Wer sich als Autofahrer rückwärts aus einer Parkbucht tastet, läuft immer blind Gefahr, einen „unsichtbaren Radfahrer“ auf dem Radweg zwischen Parktasche und Fahrbahn zu rammen. Auch im Bereich Hasselholzer Weg ist übrigens gegenüber bereits eine Neuordnung der Schotterparkplatzsituation zwischen den Bäumen geplant. Die Nachbarschaft rechnet mit einem weiteren Streichergebnis.