Aachen: Gedenkfeier für Menschen, die das Ordnungsamt bestatten musste

Aachen: Gedenkfeier für Menschen, die das Ordnungsamt bestatten musste

180 Menschen wurden von Januar 2012 bis März 2013 durch das Ordnungsamt bestattet. Fast unbemerkt verschwanden sie aus der Mitte der Gesellschaft. Eine Gedenkfeier auf dem Friedhof Hüls rückte sie für eine Stunde wieder ein Stück in den Mittelpunkt.

Unter dem Titel „Vom Winde nicht verweht“ hatte ein Arbeitskreis, bestehend aus Vertretern der katholischen und evangelischen Kirchen und der Stadt zu dieser Trauerfeier eingeladen.

Rund 80 Aachener und Aachenerinnen waren der Einladung gefolgt. Es sei ein Tag der Trauer, aber auch der Mahnung, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp, der die Schirmherrschaft für die Gedenkfeier übernommen hatte. Die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft gehe einher mit dem Verlust der Gemeinschaft.

Für viele Menschen ende Individualisierung immer häufiger mit der „Trinität des Alters: einsames Leben, sang- und klangloses Sterben und unkenntliches Grab. „Wenn wir dies nicht sollen,“ so Philipp weiter, „sind wir aufgerufen, unsere sozialen Beziehungen neu zu überdenken.“ Er bedankte sich bei den Kirchen dafür, dass von ihnen die Initiative für diese Gedenkfeier ausging.

Ebenso bedankte er sich bei den Mitarbeitern des Ordnungsamtes dafür, dass die Verstorbenen, die sonst niemanden mehr haben, würde- und pietätvoll zu Grabe getragen würden. Damit setzten sie den gesetzlicher verankerten persönlichen Achtungsanspruch eines jeden Menschen um, der auch im Tod nicht vergehe.

Pastorin Bettina Donath-Kreß leitete zum Gedenken über. Viele Bestattungen, die vom Ordnungsamt veranlasst wurden, habe sie als Geistliche begleitet. Gar nicht so selten stehe sie allein mit den Sargträgern am Grab, wisse nicht viel mehr über den Menschen als das Geburts- und das Sterbedatum. „Wenn ein Mensch so zu Grabe getragen wird, erschrecken wir.“

Dann verlasen Vertreter der Verwaltung mit Oberbürgermeister Philipp die Namen der 180 Verstorbenen und entzündeten für jeden eine Kerze. „Ein Erinnerungslicht und zugleich ein Zeichen der Hoffnung und des Lebens“, wie Pastorin Bettina Donath-Kreß zuvor sagte.

Für alle Anwesenden war dieser Teil der Gedenkfeier der bewegendste, die 180 brennenden Kerzen boten ein eindrucksvolles Bild. Zum Abschluss sprach Regionaldekan Josef Voß die Fürbitte. „Wir haben heute den Menschen Achtung gegeben, die still und unbemerkt aus unserer Mitte getreten sind. Das sind wir ihnen schuldig“, schloss er die Gedenkfeier.

Auch Wolfgang Berg und Karl Küpper vom Aachener Stadtbetrieb hatten an der Gedenkfeier teilgenommen. „Ich bin positiv überrascht, dass so viele teilgenommen haben“, so Küpper. Viele positive Rückmeldungen habe er auf die Gedenkfeier erhalten. „So eine Feier ist auf jeden Fall wiederholenswert.“

Der Arbeitskreis wird seine Arbeit weiterführen. Wie eine Gedenkfeier im kommenden Jahr aussehen wird, ist Teil seiner Arbeit. Vielleicht wird dann auch die Gedenkstätte in die Feier mit einbezogen, die auf dem Gelände des Friedhof Hüls demnächst entstehen soll.