Aachen: Gedenkfeier auf dem Friedhof Hüls erinnert an all jene Verstorbenen

Aachen : Gedenkfeier auf dem Friedhof Hüls erinnert an all jene Verstorbenen

Das Gift der Einsamkeit begleitet manche bis in den Tod. In Aachen sind in den vergangenen zwölf Monaten 162 Menschen gestorben, ohne dass Angehörige sie auf ihrem letzten Weg hätten begleiten können.

Entweder weil diese überhaupt nicht davon erfahren haben, oder weil es schlichtweg keine mehr gab. Am Dienstagabend fand darum auf dem Friedhof Hüls eine Gedenkfeier mit Bürgern statt, die diesen Verstorbenen ein würdiges Erinnern bereitet haben.

„Mit diesem Gedenken dokumentieren wir, dass wir uns mit der Einsamkeit in unserer Gesellschaft nicht abfinden, und setzen stattdessen Zuwendung und Nächstenliebe entgegen“, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Die Zahl der vom Ordnungsamt angeordneten Bestattungen steige jedoch seit Jahren beständig, da verlange es die persönliche Würde der Verstorbenen, dass man diesen auch einen Abschied mit Takt und Feingefühl ermögliche. Philipp bezog ausdrücklich auch die mehreren tausend Flüchtlinge in das Gedenken mit ein, die an Europas Grenzen ums Leben gekommen sind.

Und auch mitten in Deutschland werden Menschen mitunter verstoßen und alleine gelassen, wie Domkapitular Franz-Josef Radler betonte.

Kostenfreie Traueranzeigen

„Nicht wenige, derer wir heute gedenken, dürften das Gefühl gehabt haben, an den Rand gedrängt und ausgegrenzt worden zu sein.“ Er richtete indes seinen Dank an jene, die diesen Einsamen und Hilflosen „täglich die helfende Hand ausstrecken, was so manche Angehörige vielleicht nicht getan haben“.

Organisiert wird die Gedenkfeier seit 2013 jedes Jahr vom Ökumenischen Arbeitskreis Bestattungskultur Aachen gemeinsam mit der Stadt Aachen. Sie wurde begleitet von kostenfreien Traueranzeigen, die in den beiden Aachener Tageszeitungen am vergangenen Samstag erschienen sind.

Zum Abschluss der Zeremonie wurden noch einmal alle Namen der Bestatteten verlesen, für die Pfarrerin Bettina Donath-Kreß ein tröstliches Schlusswort fand: „Wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gottes Liebe allen gilt.“

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