Aachen: Geballte Kreativität aus Schulen: Festival „Maulhelden“ im Lufo

Aachen: Geballte Kreativität aus Schulen: Festival „Maulhelden“ im Lufo

Manchmal ist es erstaunlich, dass Schüler in dem ganzen Gezerre um die Bildungspolitik noch Zeit für Künstlerisches haben. Theater ist so etwas, das sich trotz allem in vielen Schulen Nordrhein-Westfalens großer Beliebtheit erfreut.

Die neun besten Schülerschauspielgruppen des Landes sind diese Woche beim fünftägigen Festival „Maulhelden“ im Ludwig Forum zusammengekommen — und die mehr als 250 Teilnehmer zeigten eindrucksvoll, was gutes Schultheater erreichen kann.

Dass die Städteregion in diesem Jahr Gastgeber für das Festival war, ist durchaus kein Zufall. Das Schülertheater, so zeigte sich, ist hier außerordentlich stark vertreten, was Aachens Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt geradezu schwärmen ließ: „Ich war erstaunt und erfreut, dass gleich drei Schulen aus Aachen hier vertreten sind.“ Die Gemeinschaftsgrundschule Schönforst, die Maria-Montessori-Gesamtschule und die Montessori-Grundschule aus Eilendorf zeigten neben Schulen aus Essen, Mülheim an der Ruhr, Köln, Münster, Remscheid und Düsseldorf eigens einstudierte Stücke.

Neben Workshops und Diskussionsrunden waren die Aufführungen die Hauptattraktionen des Festivals. Dabei wurde der Begriff Theater weit über das Schauspielerische hinaus ausgedehnt, und so gab es auch Lesungen, Tanzvorführungen und Versatzstücke aus Musicals zu sehen. „Wenn wir über unsere Schulen reden, dann wird oft über die Mint-Fächer oder G8 diskutiert. Es muss aber auch Zeit für Angebote wie das Theater geben“, sagte Conradt. „Wenn man merkt, dass man andere begeistern, zum Lachen und zum Weinen bringen kann, wird eine Persönlichkeit gebildet.“

Auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg, selbst bekennender Theater-Liebhaber, verschaffte sich in der „Halbzeit“ des Festivals einen eigenen Eindruck. Auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“ bekomme man erst ein Gefühl für die Kreativität, die in den Menschen stecke, sagte er. Deswegen sei es wichtig, dass an Schulen die kulturellen Fächer Bestand hätten und nicht vernachlässigt werden — das Schülertheater sei dazu das beste Beispiel.

Zu den ausgezeichneten Theatergruppen gesellte sich die Schülergruppe „rohestheater“ von der Mies-van-der-Rohe-Schule, die als Gastgeber das Stück „Weltenbrand — Geschlechterkampf — Kassandra“ zeigte. Von jenseits der Grenze kam Agora, das Theater der deutschsprachigen Gemeinde Belgiens, mit dem Stück „Flugversuche“ zu Besuch. Für Andreas Beitin, Direktor des Ludwig Forums, waren diese fünf Tag ein Festival ganz im Sinne des Sammlerehepaars Ludwig: „Sie wollten das Ludwig Forum nie nur als Museum, sondern als Treffpunkt für alle Menschen verstanden wissen.“

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