Gebäudemanagemant Aachen legt Bilanz zu Baumaßnahmen vor

Von Baupreisen und Bauzeiten : Ziemlich dicht dran an den wahren Zahlen

Die städtischen Gebäudemanager haben zunehmend Probleme, für ihre Projekte die Baukosten und Bauzeiten zu prognostizieren. Ein Grund ist der gegenwärtig überhitzte Markt, der die Preise seit 2017 immer rasanter steigen lässt und es immer schwerer macht, Baufirmen zu finden.

Dieser Trend schlägt sich bereits in der jetzt vorliegenden Untersuchung zu den größeren städtischen Baumaßnahmen der Jahre 2016 bis 2018 nieder. Verzeichnet sind darin 28 fertiggestellte Baumaßnahmen ab einer Größenordnung von mehr als 100.000 Euro. Insgesamt hat die Stadt dafür in den zurückliegenden drei Jahren 76,5 Millionen Euro investiert, geplant waren 72,6 Millionen Euro, was im Schnitt einer Kostenüberschreitung von 5,3 Prozent entspricht. „In diesen Zeiten ist das ein gutes Ergebnis“, sagt Klaus Schavan, technischer Leiter des städtischen Eigenbetriebs Gebäudemanagement. Denn es zeige, dass „wir sehr dicht dran sind an den wahren Zahlen“, sagt er. Stolz sei er zudem darauf, dass es in Aachen an keiner Stelle eine „Kostenexplosion“ gegeben habe.

Auffallend verschätzt haben sich die Planer den Unterlagen zufolge am Gerätehaus Sief, dessen Neubau mit 1,1 Millionen Euro angesetzt war, dann aber 1,6 Millionen gekostet hat. Auch der Ausbau der Kita Kirchberg wird am Ende mit rund 2,1 Millionen Euro aller Voraussicht nach etwa eine halbe Million Euro teurer sein als geplant. Überwiegend aber konnte der Kostenrahmen der einzelnen Projekte eingehalten oder sogar unterschritten werden.

„Das sind gute Werte, aber wir können uns nicht zurücklehnen“, sagt Schavan durchaus selbstkritisch. Zu schaffen machen ihm wie auch allen anderen Baufachleuten in der Republik vor allem die massiv gestiegenen Baupreise aufgrund der vollen Auftragsbücher und gestiegener Lohnkosten in der Branche. Rechnete man vor wenigen Jahren noch mit einer jährlichen Preissteigerung von zwei Prozent, muss seit vergangenem Jahr bereits eine jährliche Steigerung der Baupreise um sechs Prozent zugrunde gelegt werden. Solche Sprünge haben den städtischen Kostenschätzern seit 2017 zunehmend die Prognosen verhagelt. Bundesweit haben alle öffentlichen und privaten Bauherren die gleichen Probleme, ist Schavan überzeugt.

Das gilt auch für die kalkulierten Bauzeiten. Mit Störungen in den Bauabläufen und Terminüberschreitungen müsse immer gerechnet werden – erst Recht, wenn die Anforderungen immer komplexer werden, sagt Schavan. So gesehen könnten Aachens Politiker und auch die Bürger seiner Meinung nach mit der Leistung des städtischen Gebäudemanagements absolut zufrieden sein. Eine Bauzeit von insgesamt 472 Monaten habe man für die 28 Großprojekte eingeplant, 532 Monate wurden tatsächlich benötigt (plus 12,7 Prozent). Zu den größten Ausreißern zählt etwa der Umbau des Bürgerservice an der Hackländerstraße, der 28 statt der geplanten 16 Monate gedauert hat.

Ohne auf diesen Einzelfall genauer eingehen zu wollen, erklärt Schavan, dass es oftmals schon zu Verzögerungen kommt, weil auf manche öffentlichen Ausschreibungen erst gar keine Angebote mehr eingehen. Aber auch Sonderwünsche der Nutzer und die dann nötigen Umplanungen führen immer wieder zu längeren Bauzeiten. Und bis längst fertiggestellte Räume tatsächlich genutzt werden dürfen, müssen oftmals noch weitere Kontrollen – etwa Messungen der Raumluft – erfolgen. All dies wollen die Fachleute um Schavan künftig stärker bei der Terminplanung berücksichtigen und auch Pufferzeiten einbauen. Und es gilt sein altes Wort: Je mehr Gehirnschmalz man am Anfang in ein Projekt steckt, umso treffender wird die Vorhersage.

Darauf hat er zuletzt mehrfach auch die Politiker vor deren Entscheidung über die Sanierung des Neuen Kurhauses hingewiesen. Seinen Berechnungen zufolge, die er selbst als „sehr seriös“ bezeichnet, wird die Stadt dafür rund 50,5 Millionen Euro ausgeben müssen, es ist damit die teuerste Baumaßnahme, die die Stadt je in Angriff genommen hat. Anfang 2023 soll sie abgeschlossen sein. Dann wird man sehen, wie dicht er den „wahren Zahlen“ tatsächlich gekommen ist.