Aachen: Ganzes Paket von Maßnahmen gegen das Chaos

Aachen: Ganzes Paket von Maßnahmen gegen das Chaos

Der Winter ist da. Auch wenn über Aachen die Sonne lacht, werden die Autofahrer seit Donnerstag aufs Glatteis geführt. Mit Folgen. Mehrfach krachte es im Aachener Westen. Auch auf der Hörn, am Ronheider Berg und an anderen Stellen wurde es gefährlich.

Auch für den Stadtbetrieb, der am Donnerstag erstmals richtig streute und der sich noch auf ganz andere Szenarien einstellt. Aus Erfahrung. In den vergangenen beiden Jahren mussten die städtischen Schneeräumer bisweilen kräftige verbale Prügel einstecken, wenn es um den Winterdienst ging. Und das, obwohl fast 300 Mitarbeiter bis zum Anschlag versuchten, die Straßen möglichst befahrbar zu machen. Vor allem vor fast genau einem Jahr und rund um Weihnachten versank Aachen bekanntlich im Schnee. Und was geschieht nun, wenn es diesmal wieder so kommt? „Wir haben das ganze Jahr über intensiv daran gearbeitet, was man für die Sicherheit noch besser machen kann”, sagte Dieter Lennartz, der Chef des Winterdienstes.

Bereits im Januar hat die SPD beantragt, ein umfassendes Konzept zu erarbeiten. Es liegt nun vor. Und es wird sich einiges tun. Aber unter dem Strich betont Lennartz auch klipp und klar: „Eine Gewährleistung der Mobilität bei jedem Wetter ist nicht leistbar, da dies die Grenzen der personellen und technischen Zumutbarkeit sowie der finanziellen Belastbarkeit der Stadt Aachen überfordern würde.” Mit einem ganzen Maßnahmenpaket will man drohendem Chaos entgegenwirken. Details daraus:

Information: Sie soll deutlich verbessert werden. So wird der Stadtbetrieb ein Verzeichnis der Straßen im Stadtgebiet mit den jeweiligen Dringlichkeitsstufen (siehe Artikel rechts) ins Internet stellen. Daran soll nun auch der Bürger ablesen können, wo die Streufahrzeuge zuerst fahren und wo eben nicht. Veröffentlicht werden soll das Ganze Anfang Dezember unter „aachener-stadtbetrieb.de”, die Vorarbeiten stünden kurz vor dem Abschluss, so Lennartz. Außerdem wird eine Broschüre mit vielen Informationen aufgelegt. Auch der Abfallkalender 2012 (Auflage: 90.000 Stück) wird erstmals Details zum Winterdienst enthalten.

Reihenfolge: Die Vorgaben, wo zuerst gestreut wird, sind per Satzung geregelt. Auch dadurch, dass Busse, Kranken- und Rettungswagen oder die Müllabfuhr auf einer Straße unterwegs seien, ändere sich nichts an der Dringlichkeitsstufe.

Aseag: Aus besagtem Grund schreibt der Stadtbetrieb dann auch der Aseag ins Stammbuch, dass sich der „Personenkollektivverkehr” durch Winterreifen oder Schneeketten gemäß Verordnung selbst zu schützen habe. Darum hatte es in den vergangenen Jahren nicht selten Diskussionen zwischen Stadtbetrieb und Aseag gegeben. In dem Konzept heißt es unmissverständlich: „Beachtet man diese eigenen Sorgfaltspflichten, muss der städtische Winterdienst keinen Spezialverkehr auf verkehrsunwichtigen oder ungefährlichen Straßen vor Schäden schützen.”

Trotzdem: Es hat dieses Jahr viele Gespräche mit der Aseag und dem Verkehrsmanagement gegeben, um Kompromisse zu finden. Zuletzt Donnerstagnachmittag. Laut Stadtbetrieb habe man Änderungswünsche „weitestgehend berücksichtigt”. Außerdem habe die Aseag Straßen benannt, die bei extremen Witterungsbedingungen im Rahmen eines eingeschränkten Linienverkehrs per „Notfall-Liniennetzplan” befahren werden. Dabei handelt es sich um 145 Straßen, für die der Stadtbetrieb entsprechende Räum- und Streupläne entwickelt hat. So soll verhindert werden, dass der ÖPNV bei extremem Wetter zusammenbricht.

Bushaltestellen: Ärger gibt es immer wieder ums Schneeschippen an Bushaltestellen. Laut Satzung sind dafür die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke verantwortlich. An besonders wichtigen und stark frequentierten Haltestellen soll möglicherweise demnächst mit städtischem Personal geräumt werden. Möglich ist aber auch, dass die verantwortlichen Anlieger anschließend im Zuge einer „Ersatzvornahme” zahlen müssen. Dazu würden derzeit mit dem Rechtsamt und dem Fachbereich Sicherheit und Ordnung die Rahmenbedingungen geklärt.

Einbahnstraßen: Als im vergangenen Jahr die Schneeberge an den Straßen riesig wurden und kaum noch jemand durchkam, wurde auch darüber geredet, Straßen vorübergehend als Einbahnstraßen auszuweisen. Das aber, so wird nun bilanziert, soll keine Dauerlösung sein. Als Notlösung in extremen Lagen soll dieser Weg allerdings ebenfalls offen stehen.

„Schneelager”: Und dann war anno 2010 die Frage: Wohin mit den Schneemassen? Der Stadtbetrieb hat nun zwölf „Schneeabladeflächen” auf städtischen Grundstücken festgelegt. Wenn noch mehr Platz gebraucht wird, sollen Landwirte mit ins Boot.

Vorbereitungen: Unabhängig von den gestrigen Streueinsätzen laufen die Vorbereitungen auf den „richtigen” Winter auf Hochtouren. So gab es am Donnerstag auch noch einmal eine intensive Schulung für die Frauen und Männer, die Aachens Straßen freihalten sollen.