Aachen: Fußgängerzone: Neue Quader werden Stein des Anstoßes

Aachen: Fußgängerzone: Neue Quader werden Stein des Anstoßes

So richtig glauben wollte Dietlind Schudoma-Wollgarten die Geschichte nicht. Aber da sie den Hinweis von einer Vertrauensperson bekam, machte sie sich selbst ein Bild und ging zur Ursulinerstraße.

Tatsächlich: Da standen sie, quadratisch, etwa 50 Zentimeter hoch und in einem ähnlichen Grau wie der Belag rechts und links. Steinwürfel, fünf Stück an der Zahl im Bereich vor dem Pfarrbüro von St. Foillan, weitere im Verlauf der Ursulinerstraße. Bei Dietlind Schudoma-Wollgarten gingen die Alarmglocken, denn sie kümmert sich um rund 100 sehbehinderte und blinde Menschen. Als Regionalleiterin von „Pro Retina” der Region Aachen ist sie besonders sensibel, wenn es um die Belange ihrer Klientel geht. Und dies ist an der Ursulinerstraße offensichtlich der Fall.

Auf die Interessenvertreterin wirken die Blöcke „wahllos verstreut”. Sie sei „fasziniert von der Phantasie der Mitarbeiter, die sich bei nahezu jeder Baumaßnahme eine neue Schikane für blinde und sehbehinderte Menschen” ausdenken würden. Die Steine entspringen aber mitnichten den Vorstellungen der Verwaltung, sondern sind Bestandteil der Auftragsplanung. Die sei von allen politischen Gremien abgesegnet worden, bestätigt der Pressesprecher der Stadt, Hans Poth.

Offiziell erfüllen die Würfel zwei funktionale Zwecke: sie sollen verhindern, dass Lieferverkehr vom Kopfsteinpflaster auf den Plattenbelag fährt nd als Sitzgelegenheit dienen. Und nicht nur Dietlind Schudoma-Wollgarten fragt sich: „Mitten auf dem Gehweg?” Wenn man als Fußgänger einem Klotz ausgewichen sei, stolpere man über den nächsten. Und für sie ist der Fall klar: „Für Blinde und Sehbehinderte wird das eine Slalomstrecke”. Vermutlich nicht nur für diese.

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