Aachen: Für Heinrich Gans war die Malerei eine Berufung

Aachen : Für Heinrich Gans war die Malerei eine Berufung

Seine Gemälde kennzeichnet eine starke impressionistische, mitunter expressionistische Malweise. Seine Motive stammen überwiegend aus der Natur, Licht, Wasser, Wellen und Getreidefelder sind in farbiger Bewegung.

Besonders ins Auge sticht das dem Betrachter bei dem Bild „Segelboote auf dem Starnberger See“. In ausdrucksstarken Strichen fing Heinrich Gans die vom Wind geblähten Segel, Wolken und Wellen ein. „Heinrich Gans (1890 bis 1973) war ein Kunstmaler mit Leib und Seele“, das sagt sein Großneffe Ulf Birnbaum. Jetzt sind einige Gemälde des vergessenen Impressionisten im Atelier Pasch im Aachener Tuchwerk zu sehen.

Die Malerei war für Gans eine wirkliche Berufung, wenn auch nicht der für ihn vorgesehene Lebensweg. Er wurde als Sohn einer Großbauernfamilie in Ausleben in der Magdeburger Börde geboren. Um später die Höfe der Eltern zu übernehmen, studierte Gans in München zunächst Nationalökonomie, besuchte aber auch Vorlesungen in Kunstgeschichte. Zehn Jahre, von 1920 bis 1930, lebte Gans in Starnberg, wo er als Autodidakt zahlreiche impressionistische Motive von München und dem Starnberger See schuf. In Münchener Kunstkreisen fand man Gefallen an seinen ausdrucksstarken Bildern und er nahm an einigen Ausstellungen teil. Ein Kritiker verglich seine Werke mit denen bedeutender Impressionisten wie Max Slevogt oder Claude Monet.

Und einige Werke legen einen solchen Vergleich durchaus nahe. 1932 übernahm er tatsächlich den elterlichen Hof in Ausleben und richtete sich dort ein Atelier ein, verwandelte den Hof zu einem Treffpunkt für Künstler aus der Region. 1954 floh Gans mit seiner Frau aus der DDR in die Bundesrepublik und kehrte nach Starnberg zurück. Trotz einer Augenerkrankung, durch die er fast erblindete, malte Gans weiter.

Was ihn bewegte, fasste Gans auch in Worte. Zwei seiner Gedichte wurden in einer kurzen Lesung bei der Ausstellungseröffnung vorgetragen. Andere ergänzen, zusammen mit Zeitungsberichten und Rezensionen, die Ausstellung. Die Ehe von Heinrich Gans blieb kinderlos, seinen künstlerischen Nachlass verwaltet die Familie seiner Nichte.

Für Ulf Birnbaum ist es eine willkommene Gelegenheit, seinen fast vergessenen Großonkel wieder in die Öffentlichkeit zu bringen: „Für private Kunstsammlungen sind Bilder aus dieser Epoche eher ungewöhnlich.“

In einen künstlerischen Dialog treten die Gemälde mit den ausgestellten Gipsskulpturen und Bronzen des 1985 in Düsseldorf verstorbenen Bildhauers Clemens Pasch. So steht dem Bild eines Anglers die Skulptur eines Jungen entgegen, der sich scheinbar gelangweilt abwendet. Die Gestalt und das Wesen des Menschen sind das zentrale Thema in der Kunst von Clemens Pasch, insofern bilden Skulpturen und Bilder eine ideale Ergänzung.

Die Heinrich-Gans-Ausstellung ist die dritte Ausstellung des Ateliers Pasch. „Mit dem Tuchwerk haben wir den passenden Raum für den künstlerischen Nachlass von Clemens Pasch gefunden, der auch genügend Raum bietet, um andere Künstler auszustellen“, unterstrich Barbara Pasch, die zusammen mit Ehemann Norbert das Atelier in der ehemaligen Tuchfabrik leitet, bei der Ausstellungseröffnung.

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