Aachen: Für Freiheit und Demokratie gibt es keine Altersbeschränkung

Aachen : Für Freiheit und Demokratie gibt es keine Altersbeschränkung

An der KGS Michaelsbergstraße wollen sie hoch hinaus. Im übertragenen Sinne natürlich, denn hier wird seit diesem Schuljahr ein Kunstprojekt durchgeführt, bei dem zum einen kein Ende abzusehen ist und das zum anderen den Kindern grundsätzliche Werte von Demokratie und vor allem Menschen- und Kinderrechten vermittelt.

Der Titel des Projektes lautet: „Wir haben die Zukunft in unserer Hand“, und dies ist im Wortsinn gemeint.

Der Eingangsbereich der Schule wird unter Anleitung von Claudia Schulz in ein Biotop umgewandelt. Ihre Idee war es, mit den Kindern den Baum der Kinderrechte wachsen zu lassen, ein Baum, dessen Blätter aus hunderten bunter Kinderhände bestehen, eingetaucht in alle möglichen Farbtöpfe und auf die Äste des an die Wand des Eingangsbereiches gemalten Baumstammes aufgedrückt. Jedes einzelne Blatt trägt den Titel eines Kinderrechtes, welches den Kindern besonders am Herzen liegt. „Gewaltfreiheit“ ist da zu lesen, „Schutz vor Missbrauch“, „Recht auf beide Eltern“, „Kinder dürfen essen“ oder „Alle sind gleich“!

Für Schulleiterin Gisela Boing ist diese Art der Wertevermittlung existentiell für einen freien und kritischen Menschen. „Wenn wir bei diesen Kindern nicht beginnen, versäumen wir es, die Grundlagen von Freiheit und Demokratie zu vermitteln“, ist sie von der Bedeutung des Projekts überzeugt. „Außerdem gibt es an unserer Schule bereits seit 17 Jahren ein Kinderparlament, wir sind also seit langem stark an freiheitlichen Themen interessiert“, fügte sie hinzu. Sie hat mit dem Lehrerkollegium begleitend zum Kunstprojekt in den vergangenen Wochen mit den Kindern im Unterricht die Basis geschaffen und über Situationen in den aktuellen Krisengebieten der Welt diskutiert.

So verwundert es denn auch nicht, dass die Nachwuchs-Demokraten sehr wohl beispielsweise über die Praxis in Amerika Bescheid wissen, wo illegal eingereiste Familien gewaltsam getrennt wurden und erst auf weltweiten Protest hin von dieser Praxis Abstand genommen wurde. Oder dass auf der ganzen Welt deutlich mehr Kinder auf der Flucht sind als in ganz Deutschland leben.

Im Gespräch mit Christiane Raumanns von Unicef kam die Begeisterung für das Projekt noch einmal deutlich zum Ausdruck. „Kinderrechte machen Schule“, brachte Raumanns die Idee von Claudia Schulz noch einmal augenzwinkernd auf den Punkt. Für sie ist der Baum der Kinderrechte eine tolle Idee, „jede Schule sollte einen solchen Baum haben“, wünschte sie sich für die Zukunft.

An der Michaelsbergstraße ist der Eingangsbereich jedenfalls herrlich bunt, und es gibt noch viel Platz für weitere Kinderhände. Denn die nachfolgenden Schülergenerationen werden weiter an den Themen arbeiten, der Baum der Kinderrechte wird wachsen. Damit Demokratie und Freiheit auch in Zukunft auf einer gesunden Basis stehen.