Für die Feuerwehr Aachen werden Millionen-Investitionen erforderlich

Feuerwehr Aachen : Die vierte Wache soll nach Siegel

Viel Entscheidungsspielraum hatte die Politik spätestens nach dem dritten Gutachten zu den Feuerwehrstandorten im Aachener Südwesten nicht mehr, entsprechend eindeutig fiel dann auch das Votum im Fachausschuss am Dienstag aus: In Siegel soll eine weitere Wache der Berufsfeuerwehr gebaut werden.

Die dort geplante vierte Wache soll die Lücken im Stadtplan schließen, die die Fachleute bei der Neuaufstellung des Brandschutzbedarfsplans Anfang vergangenen Jahres aufgetan hatten. Vor allem Bewohnern im südwestlichen Stadtgebiet einschließlich Burtscheid und Teilen der Innenstadt können die in den jetzigen drei Wachen (Stolberger Straße, Mathieustraße und Oberforstbacher Straße) stationierten Einsatzkräfte demnach nicht innerhalb der gebotenen acht Minuten zu Hilfe kommen, lautet die Erkenntnis. Die beste Abdeckung gewährleiste einzig eine zusätzliche Wache in Siegel, hatte nun nochmals der Kölner Brandschutzexperte Martin Wesolowski in einem von der Politik angeforderten Gutachten dargelegt.

Erledigt haben sich damit die Gedankenspiele mehrerer Politiker, eine neue Wache auf dem ehemaligen Militärgelände Camp Hitfeld zu errichten, von der aus dann auch der gesamte Süden mit abgedeckt werden sollte. Die ebenfalls dringend erforderliche Sanierung oder ein Neubau der Wache in Kornelimünster und Millionenausgaben, so die stille Hoffnung, hätte man sich damit ersparen können. Daraus wird nichts, weil Wesolowski urteilt: „Einsatztaktisch ungeeignet.“

Für die vierte Wache soll nun auf dem Dreiecksgrundstück zwischen Siegelallee und Robert-Schuman-Straße möglichst schnell Baurecht geschaffen werden. Einwände aus den Ausschüssen und Bezirksvertretungen, die sich mit dem Thema noch befassen müssen, gelten als unwahrscheinlich. Und auch der endgültige Beschluss im Rat gilt nur noch als Formsache. Auf rund 15 Millionen Euro werden die Baukosten bislang geschätzt, stärker ins Gewicht fallen jedoch die 15 neuen Stellen, für die jährlich rund eine Million Euro aufgebracht werden müssen.

„Es ist ein Riesenapparat, der für den Fall der Fälle notwendig ist“, sagt CDU-Politiker Ferdinand Corsten, der sich mit der Entscheidung ebenso schwer getan hat wie SPD- und Grünen-Vertreter. Denn weitere Investitionen müssen folgen. Denkbar sind sie auch in Camp Hitfeld, dann allerdings vor allem für Werkstätten und Logistikeinrichtungen. Das soll dann vor allem die Platznöte in der frisch sanierten Hauptwache an der Stolberger Straße verbessern.

Viel getan werden muss auch für die Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehren: Richterich und Walheim stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Aber auch der Löschzug Nord, zuständig für die gesamte Innenstadt rund um Dom und Rathaus, ist im Zuge der Diskussion um Siegel in den Blick der Politiker geraten. Experte Wesolowski hält gar einen Umzug mit nach Siegel für sinnvoll.

Für die Politiker ist das erklärtermaßen kein Thema mehr, wohl auch, weil sie den deutlichen Unmut der Freiwilligen Kräfte vernommen hatten. Von Siegel aus würde sich der Schutz der Bevölkerung verschlechtern, sind sie überzeugt, weil sich die Anfahrtswege für die Freiwillige Feuerwehr deutlich verlängern würden. Ohnehin sieht der Brandschutzbedarfsplan für den Löschzug Nord mit seinen 72 Mitgliedern eher einen Standort im Bereich Schanz vor, von wo aus der bestmögliche Schutz gewährleistet werden könne. Einziges Problem: Geeignete Grundstücke sind dort schwer zu finden.

Diesem Problem will sich die Politik nun zu einem späteren Zeitpunkt widmen. Der für die Feuerwehr verantwortliche Dezernent Markus Kremer kündigte derweil an, bis November eine Prioritätenliste für alle noch geplanten Neubauten und Sanierungsvorhaben der Feuerwehr vorzulegen. Dann sollte auch klarer werden, welche Kosten insgesamt auf die Stadt zukommen.

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